Stilkolumne

Wie Salehe Bembury den perfekten Hybrid aus Steinzeit-Fossil und Alien-Fußabdruck kreiert

von
Jan Kedves
Jan Kedves

Diesmal feiern wir hier zwei Designer, die dem Schuhgeschäft in den vergangenen zwei, drei Jahren einige echte Highlights beschert haben. Nein, die Rede ist nicht schon wieder von Kanye West, obwohl der mit Salehe Bembury, dem ersten zu Feiernden, schon zusammengearbeitet hat. Der zweite heißt Kiko Kostadinov. Beide Designer entwerfen Sneakers, die im besten Sinne unreal wirken: auf den ersten und zweiten Blick hässlich, aber ab dem dritten Blick macht es Klick.

Als hätte Fred Feuerstein sich Leoparden-Sandalen zum Wegrennen vor Wilma gewünscht

Ihre Schuhe sind immer ausverkauft. Das liegt daran, dass die Modelle stark limitiert sind, was wiederum daran liegt, dass ihre Hersteller einerseits die Begehrlichkeit maximieren wollen, dass sie andererseits aber auch davon ausgehen, dass sich solche Schuhe ohnehin nicht millionenfach verkaufen lassen. Weil sie dafür noch zu far out sind. Salehe Bembury also. Er stammt aus New York und hat eine Zeit lang für Kanye Wests Yeezy-Brand gearbeitet. Danach war er „Vice President of Sneakers & Men’s Footwear“ bei Versace, wo er den absurd wulstigen „Chain Reaction“-Sneaker lancierte, der sehr nach Kettenfahrzeug aussieht.

 

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Jetzt kooperiert Bembury mit New Balance. Seine Version des „Test Run 3.0“ sieht aus, als hätte Fred Feuerstein sich Leoparden-Sandalen zum Wegrennen vor Wilma gewünscht. Bemburys Farbauswahl für das Modell „2002R“ ist auch irre: diverse Türkistöne, Giftgrün, zartestes Lachsrosa. Die Materialien: fransig verwaschenes Wildleder, das scheinbar schon fünfmal durch die Waschmaschine geschleudert wurde, als Kontrast dazu techy Mesh.

Der perfekte Hybrid aus Steinzeit-Fossil und Alien-Fußabdruck

Kein Wunder, dass Bembury auch in die Vollen geht, wenn er jetzt die Crocs neu designen darf. Die gehören ja, mit UGG-Boots, zu den hässlichsten Schuhen der Welt. Bei Bembury werden die Crocs aber zum perfekten Hybrid aus Steinzeit-Fossil und Alien-Fußabdruck. Kiko Kostadinovs Handschrift ist dezenter, dafür vermittelt sie noch mehr Humor. Sein „Gel-Kiril“ für Asics sah mit seinem Lackleder- Karo in Knatschgelb-Türkis fast aus wie ein Clownschuh.

 

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Der Bulgare, der in London lebt und arbeitet, spielt raffiniert mit abjekten Farben und aus der Form geratenen Silhouetten. Bei seinem jüngsten Asics-Modell, dem „Gel-Quantum Levitrack“, ist das Asics-Streifenlogo von der Seite so über die Zehen nach vorne gerutscht, dass es wirkt, als sei der Träger oder die Trägerin über Gleitgel geschliddert und dann sehr abrupt und durchgeschüttelt wieder zum Stehen gekommen. Vermutlich hat beim Stoppen der Grip hinten geholfen. Die Sohle sieht an der Ferse nämlich aus, als hätte sie die Saugnäpfe einer Riesenraupe.

Diese Kolumne erschien zuerst in der Musikexpress-Ausgabe 11/2021.


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