Alben

Matmos 4 Stars
The Marriage Of The True Minds

Die Experimental-Elektroniker aus Baltimore bleiben abstoßend, anziehend und einzigartig zugleich.

Foto: Die spannende Frage beim Hören eines neuen Albums von Matmos ist ja immer: Was haben die Inhaber eines imposanten Instrumentenparks wohl diesmal so alles an externen Soundquellen erschlossen? Da dienten den beiden Sampling-Nerds M. C. Schmidt und Drew Daniel in der Vergangenheit an Haaren befestigte Kontaktmikrofone, Aufnahmen neuraler Aktivitäten von Langusten und Rattenkäfige als recht exotische Field Recordings. Selbst der Uterus einer Kuh (oder war es doch ihr Euter?) kam schon zum Einsatz. Dagegen liest sich die Liste der Soundquellen für the marriage of the true minds fast schon normal:  Vuvuzela , Mixer, Weingläser, Aufnahmen von Gummibändern und Stepptänzern. Aber was zählt, ist bekanntlich das Resultat. Und da oszillieren Matmos weiterhin manisch in ihrem bizarren Klangkosmos, der meist so zugänglich ist wie ein Dschungel. Manchmal nervt diese Experimentierfreude, dieses häufige Brechen von Rhythmik, das Zerstückeln von Passagen, und doch finden sich in fast jedem der neun Tracks auf the marriage of the true minds magische Momente unterschiedlichster Länge. Besonders beeindruckend klingt „Very Large Green Triangles“ mit seinen Glockenklängen, einem präparierten Klavier, pulsierenden Beats und der orchestralen Wucht. Vor allem aber zerfasert der fast fünfminütige Song nicht, aber als wäre das Duo aus Baltimore samt vieler Gastmusiker selber erschrocken über diese Linearität, servieren sie einem mit „Ross Transcipt“ pürierte Töne, die aufs Gemüt schlagen. Aber dann folgt mit „Tunnel“ gleich wieder eine imposante Nummer, gespeist von Stakkato-Gitarren-Riffs und wild galoppierenden Beats. Das furiose Finale bildet eine Version von „E.S.P.“, einem Pete-Shelley-Song vom zweiten Buzzcocks-Album LOVE BITES. Matmos dehnen ihn auf über acht Minuten aus, beginnen mit Brunftlauten, verwandeln ihn zuerst in ein bedrohliches Industrial-Monster, das zum Elektro-Punk mutiert und dann im Pop endet. Was für eine Metamorphose!

 
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