7 Arten von Menschen, die man auf einer Film-Premiere trifft


Am Dienstag, 18. August 2015, fand in Berlin die Europa-Premiere des N.W.A-Films „Straight Outta Compton“ statt und wir haben uns mal ein bisschen auf dem schwarzen Teppich umgesehen.

Die Youtube-Stars

Kommen selten ohne Entourage aus mindestens 15 Homeboys- und girls. „Ich gehör‘ zu Alberto, ich auch, ich auch, ich auch, …“ – gefühlte 17 Namen später zieht die Karawane endlich weiter zum roten, in diesem Fall zum schwarzen Teppich. Es werden 1,5 Millionen Selfies für die sozialen Medien geschossen (mindestens, das wollen die Fans so!) und im Kinosaal selbstredend noch ein über-extrovertiertes Selfie-Video mit kurzem Schwenk aufs Publikum (das passend zum Video ganz laut johlen muss) gedreht. Outfits: gerne auffällig, aber auch casual, cool und lässig. Oder so ähnlich.

Die, die keiner kennt und die sich trotzdem über alles beschweren

Sie finden es nervig am Einlass lange zu warten, sie müssen aufs Klo, wollen aber auch hier keine Wartezeit über einer Minute auf sich nehmen, sie wollen ihre Freimarken für Popcorn und ein Getränk einlösen, und müssen schon wieder vieeeel zu lange warten. O-Ton: „Das ist eine Unverschämtheit!!!“ Unverschämt ist es eigentlich nur, sich bei einem geschenkten Gaul dieses Ausmaßes (Eintritt ins Kino for free, ein Drink for free, das Popcorn for free plus Europa-Premiere) auch noch ernsthaft über zu lange Wartezeiten zu beschweren. Fail!

Ex-GNTM-Sternchen

Die Fotografen brüllen am schwarzen Teppich Frauennamen, die man irgendwo schonmal gehört hat. „Fionaaaaa, Fionaaaaa, hiiier!“ Ach und da schau her: Da steht Fiona Erdmann, die 2007 bei der zweiten Staffel von „Germany’s Next Top Model“ auf Platz 4 landete. So richtig weiß man bei ihr und vielen anderen aus der Riege der einstigen Casting-Show-Teilnehmerinnen eigentlich nie, was sie eigentlich wirklich tun (außer gesponserte Outfits tragen, nett lächeln und mittel bis unspannende Dinge von sich zu geben). Verrückterweise scheint das die Fotografen nicht zu interessieren. Stattdessen knipsen sie gut 1000 Fotos, auf denen man die bauchfrei, auf Über-Rapper-Fangirl getrimmte junge Dame dann im „Getty Images“-Ordner zur Veranstaltung findet. Vielen Dank, liebe Presse-Fotografen.

Prominente Familien-Clans

Es gibt in bundesdeutschen Großstädten tatsächlich Familien, die bei jeder, wirklich jeder Umsonst-Sause, jedem Free Drinks-Event, jeder noch so banalen Eröffnung eines noch so dusseligen Klamotten-Labels, bei großen Pop-Konzerten und eben auch bei Film-Premieren (sowas wie die Deluxe-Version aller Umsonst-Events) als Clan anrücken. Man erkennt sie daran, dass sie meist in Begleitung ihrer Geschwister, gern auch samt Mama, Papa, deren neuen Lebenspartnern (#patchworkrulez) und weiteren Crew- und Clan-Vertretern auflaufen. Weitere Merkmale: entweder betont hipper Look (Yeezy-Sneaker, Klamotten der eigenen Marke, teure Blingbling-Uhren) oder aber Hipster-Penner-Look mit Zottel-Friese, runter gerockten Skinny-Jeans und selbst gedrehter Kippe im Anschlag.

Wannabe-Gangster-Rapper

Sie sind jung, sie machen Rap und sie lieben und leben den Blingbling-Lifestyle mit Bitchez und Money droppen (auch Kleingeld zählt). Nachwuchs-Rapper, die gerade ihre ersten kleinen Erfolge verzeichnen, nehmen ihre Pflicht „das Game zu representen“ noch besonders ernst. Dazu gehört auch bei einer Film-Premiere vorher nochmals ordentlich einen durchzuziehen, sich dann zu fragen, ob man das Gras eigentlich nicht auch drinnen im Saal rauchen dürfte: „Ey Brudi, lass machen ja?“ Die Kür: Eine Flasche Hennessy mit reinschmuggeln. Auf der Nervskala der Securitys sicher die Nr. 1, auf der Unterhaltungsskala aber auch.

Verkleidungssüchtige Selbstdarsteller

Prinzipiell könnte unter diese Kategorie so gut wie jeder (ja, auch Journalisten!) auf einer Film-Premiere fallen, aber es gibt ein paar Ausreißer nach oben. So tummeln sich unter’m Sehen-und-gesehen-werden-Volk auch ganz gerne mal Travestie-KünstlerInnen. Man erkennt sie an ihrem schrägen Look und den meist sehr sehr hohen (ja, bewundernswert hohen) Absätzen, mit denen sie alle anderen Gäste um gefühlte Meter überragen. Sie hauchen gern Luft-Küsschen in die Kameras, lächeln kokett, tragen meist knallbunte, glitzernde Outfits und scheuen kein Selfie mit der Menschenmenge.

Deutsche Qualitätsschauspieler

Eigentlich hatten sie schon eine Einladung zu einer Lesung eines „guten Freundes“ im Szene-Restaurant Borchardt, haben sich dann kurzfristig aber doch umentschieden samt Kind und Kegel zur Premiere „dieses HipHop-Filmchens“ zu fahren. Geht ja auch drum, Präsenz zu zeigen. Sie sind diejenigen, die am seriösesten gekleidet sind. Immerhin sind sie sich darüber im Klaren, dass sie eine durchaus ernstzunehmende Zunft repräsentieren. Da kommt man nicht mit Ghetto-XXL-Shirt und Turnlatschen an (auch wenn die meisten anderen genau das tragen). Sie trinken statt Cola oder Bier ein Gläschen Wein und unterhalten sich über den tollen Film, den „der Florian David Fitz da neulich gemacht hatte, ach da warst du auch dabei? Hab dich gar nicht erkannt, ha ha!“.