Einzigartiges Wu-Tang-Album: Vom Millionen-Deal zum Gerichtsdrama
Ein Album, ein verurteilter Betrüger, ein Krypto-Kollektiv und Millionen von Dollar: „Once Upon A Time In Shaolin“ ist Kunstobjekt und Rechtsstreit-Magnet zugleich.
Der ehemalige Pharma-CEO Martin Shkreli verklagt RZA und den Wu-Tang-Produzenten Cilvaringz. Er wirft ihnen vor, Rechte an dem „Once Upon A Time In Shaolin“ Album unzulässig doppelt verkauft zu haben. Shkreli argumentiert, dass ihm seit dem Kauf 2015 bestimmte Urheber- und Verwertungsrechte zustanden, die auch durch die spätere staatliche Beschlagnahmung nicht vollständig erloschen seien. Vereinbarungen, die RZA später mit dem aktuellen Eigentümer PleasrDAO traf, seien daher teilweise ungültig.
In einer neu offengelegten Gerichtsakte behauptet Shkreli, sein Deal zum Kauf des Wu-Tang-Albums von RZA und Cilvaringz habe ihm 2015 sofort 50 Prozent der Urheberrechte verschafft. Die andere Hälfte sollte erst 88 Jahre später an ihn übertragen werden. Stattdessen hätten RZA und Cilvaringz angeblich insgesamt 150 Prozent der Rechte verkauft.
„An einem Datum 88 Jahre nach Abschluss des Vertrags sind die Wu-Tang-Beklagten verpflichtet, die übrigen 50 Prozent der Urheberrechte an Shkreli zu übertragen“, schrieben Shkrelis Anwälte. „Jetzt hat PleasrDAO behauptet, dass es diesen gleichen Anteil von den Wu-Tang-Beklagten gekauft hat.“
Damit erreicht ein jahrelang schwelender Konflikt um eines der ungewöhnlichsten Alben der Musikgeschichte eine neue Eskalationsstufe. Im Kern geht es um die Frage, welche Rechte mit dem Besitz des Albums tatsächlich verbunden sind und ob diese nach Shkrelis Verurteilung rechtlich wirksam übertragen wurden.
Die Idee, Musik wieder selten zu machen
Zwischen 2006 und 2013 nahmen RZA und Cilvaringz gemeinsam mit fast allen Mitgliedern des Wu-Tang Clan ein Doppelalbum auf, das bewusst als einzigartiges Kunstobjekt konzipiert wurde. Statt auf Veröffentlichung oder Streaming zu setzen, existiert nur ein Exemplar, physisch versiegelt in einer kunstvoll gefertigten Metallbox.
Verträge legen fest, dass das Album 88 Jahre lang (bis zum Jahr 2103) nicht kommerziell veröffentlicht werden darf. RZA sah das Projekt als Reaktion auf die Entwertung von Musik im digitalen Zeitalter.
Als das Kunstwerk den Besitzer wechselte
2015 ersteigerte Shkreli das Einzelstück für rund zwei Millionen US-Dollar. Der Kauf sorgte weltweit für Empörung. Der damalige CEO nutzte den Besitz immer wieder zur Provokation: In Livestreams spielte er Ausschnitte ab, drohte mit einer Veröffentlichung und bewegte sich in einer Grauzone zwischen privatem Besitz und öffentlicher Verwertung.
2017 wurde Shkreli wegen Wertpapierbetrugs zu sieben Jahren Haft verurteilt. Im Zuge des Urteils ordnete ein US-Bundesgericht die Einziehung seines Vermögens an, darunter auch das Wu-Tang-Album.
Für rund vier Millionen US-Dollar übernahm das Krypto-Kollektiv PleasrDAO die Rechte an der LP. Das Kollektiv sieht das Album als Kulturgut, das geschützt, aber zugleich zugänglich bleiben soll. Erste Ausschnitte sind bereits in Museumsausstellungen zu hören gewesen, während eine Website für einen digitalen Zugang in den Startlöchern steht.
Gerüchte, Kopien und neue Klage
PleasrDAO klagte bereits gegen Shkreli, weil er angeblich illegale Kopien des Albums angefertigt oder weitergegeben habe. Ein Gericht ordnete an, dass er sämtliche Kopien herausgeben und offenlegen muss, wem er Zugang gewährt hatte.
Mit der neuen Klage gegen RZA stellt Shkreli nun die Rechtmäßigkeit späterer Vertragsabschlüsse infrage und spricht von einem „Überverkauf“ von Rechten. Drei Parteien – Shkreli, RZA/Cilvaringz und PleasrDAO – streiten um Eigentum, Urheberrechte und Vertragsauslegung.
Währenddessen liegt das Album weiterhin nahezu ungehört in seiner Metallbox, mitten in einem Netz aus Anwält:innen, Gerichtsdokumenten und kultureller Symbolik.







