Diese 7 Comebacks wollte niemand: Von Unheilig bis Xavier Naidoo

Wir versammeln ein paar unangenehme Comebacks aus der jüngsten Zeit.

Gerade erst mühsam vergessen, da drängen sie schon wieder zurück ins Rampenlicht – Figuren oder Themen. Unangenehme Comebacks, here we go!

#1 Unheilig

Kleine Sünden (lies: Comeback neun Jahre nach wortreich kommuniziertem „endgültigem Ende“) bestraft der liebe Gott sofort. Und so fiel Unheilig-Sänger „Der Graf“ beim ersten Konzert der „Wieder zurück“-Tour direkt von der Bühne. Aua!

#2 Xavier Naidoo

Der Mannheimer Sänger verbreitete wirre Verschwörungstheorien, trat mit „Reichsbürgern“ auf, verunglimpfte in seinen Songtexten Homosexuelle und bezeichnete die Covid-Impfung als „Gift“. So ein üppiger Absturz wird durch ein halbgares Entschuldigungsvideo (2022) keinesfalls abgefedert, daher: Bitte umgehend wieder Rückzug ins Private. Geheime Eliten, helft!

#3 Bernd Stromberg

46 Folgen lang hatte die TV-Serie „Stromberg“ ihre fast schmerzhaft lustige Zurschaustellung deutscher Bürokultur ausgerollt. Doch so kongenial das Vorbild, die britische Mockumentary „The Office“, ab 2004 für Deutschland adaptiert wurde, so angestrengt bemühen sie sich mit ihrem Comedyfilm (dem zweiten nach 2014) um Relevanz und leider auch um Humor.

#4 „Hallo Spencer“

Dass der Reiz einer alten Puppenspielserie im Korsett einer Mediensatire verpufft, zeigte dieser TV-Film. Böhmermann & Co. hätten eine fantastische Dokumentation oder einen „Hallo Spencer“-Film produzieren können, der diesen Titel verdient. Stattdessen schufen sie eine tonal unausgeglichene Rührstory um den „Spencer“-Erfinder Winfried Debertin („Sesamstraße“), die weder den Charme der Serie vermittelt noch als Lehrstück unterhält. Liebenswerte Träumer haben’s schwer, Kulturvermarktung unterliegt unfairen Regeln, Geld regiert die Welt. Plumpe Gesellschaftskritik von vorgestern, die weder Kinder noch Erwachsene überzeugte.

#5 Generation Deutschland

Im März 2025 wurde die Jugendpartei der AfD, die Junge Alternative, vom Verfassungsschutz als rechtsextrem eingestuft und löste sich auf. Doch schon Ende 2025 gründete sich Generation Deutschland als „offizielle Jugendorganisation der AfD“: ein Comeback nicht mehr als eigenständiger Verein, sondern eingebunden in die AfD. Das Nachrücken von Jugendlichen und jungen Erwachsenen ist jetzt parteistrukturell wieder gesichert. Unsere Begeisterung hält sich in Grenzen.

#6 Stanley Cup

Der Riesentrinkbecher für Menschen, die an Must-haves glauben und Teelichter auf dem Badewannenrand arrangieren. Cool: DM und Rossmann haben günstige Kopien im Sortiment, der Unterschied fällt auf TikTok kaum auf.

#7 Frei.Wild

Auf ihrem neuen Album verwöhnen Frei.Wild die Fans mit nicht weniger als 28 Songs. Die Deutschrocker selbst würden vermutlich „Lieder“ sagen, das klingt deutscher, obwohl sie natürlich Südtiroler sind – weswegen sie deutsche Begriffe wie „Nation“, „Heimatstolz“ und vielleicht auch „Jugendsünden“ freier benutzen als Deutsche. Das sollte man berücksichtigen, das ist ihnen wichtig, haben das jetzt endlich alle verstanden?

„Montag ist ein Scheißtag“, „Du bist ein Idiot“ oder „Ich kann auf die Fresse geben“ heißen die maskulinen Perlen der vier Mid-Ager, die sich in alle Richtungen von wirklich jedem Extremismus distanzieren. Das ist auch wichtig, denn „ein falsches Wort, ein Zitat / verurteilt, brandmarkt dich“, wie es bewundernswert hellsichtig in „Scheiße für die Welt“ heißt. Auf Lyrik dieser Stärke haben wir gerne vier Jahre gewartet. Es hätten auch noch etliche mehr sein dürfen …