Reneé Rapp in Berlin: „Bite Me“-Tour begeistert Girls and Gays

4.500 Fans, Kiss-it-Cam und emotionale Balladen: Reneé Rapps Berliner Konzertabend war ein queeres Spektakel mit Gänsehaut-Momenten. Alle Highlights im Bericht.

Reneé Rapp spielte in Berlin – und das in einer ausverkauften Uber Music Hall. Die US-amerikanische Sängerin ist bekannt für ihre Texte, in denen sie gescheiterte Beziehungen und Frustration über mangelnde Handlungsfähigkeit aufarbeitet. Ihre Sounds klingen nach 2000er-Rock-Pop und laden zum Tanzen ein; ihre Balladen schaffen eine emotionale Stimmung, die einem durchaus die eine oder andere Träne entlocken kann.

Die Künstlerin ist vor allem durch Social Media sowie ihre Schauspielrollen in der Musicaladaption des Kultfilms „Mean Girls“ und der Serie „The Sex Lives of College Girls“ bekannt geworden. Ihre Musikkarriere startete 2022 mit der Debüt-EP „Everything to Everyone“. Rapp feierte 2024 ihr Coming-out als lesbisch, und viele ihrer Texte – besonders im neuen Album „Bite Me“ – sprechen die queere Community an. Kein Wunder also, dass das Publikum hauptsächlich aus Girls and Gays bestand. 4.500 Menschen hatten sich für ihre Show in Berlin Kreuzberg-Friedrichshain zusammengefunden.

„Absolutely“ schafft Stimmung

Das Konzert startete mit dem Support Act namens Absolutely. Leadsängerin Abby Keen, die Schwester von Brit-Award-Gewinnerin Raye, meisterte es mit ihrer kraftvollen Stimme, dem Publikum Gänsehaut zu verschaffen. Perfekte Vorbereitung auf die emotionalen Balladen Reneé Rapps, die danach folgen würden. Keens R&B-Sound, gemixt mit Pop- und Alternative-Elementen, klingt dabei ausgesprochen einzigartig. Auch einige „Absolutely“-Fans waren im Publikum vertreten – die Sängerin bedankte sich mehrmals während ihrem Auftritt für die Fanplakate, die ihr auf die Bühne gebracht wurden.

Kiss-Cam und Publikumsflirts

Nach „Absolutely“ tauchte Reneé Rapp dann endlich auf – zunächst jedoch nicht auf der Bühne, sondern auf den Bildschirmen links und rechts. Mit einem kleinen One-Woman-Sketch als Intro zu ihrem Auftakttrack „Leave Me Alone“ bewies sie, dass sie trotz erfolgreicher Musikkarriere ihren Spaß am Schauspiel nicht verloren hat.

Dann fiel der Vorhang, und die Sängerin stand samt Band auf der Bühne und performte den Song. Die Fans jubelten und sangen mit. Direkt im Anschluss folgte „Kiss It Kiss It“: Zum Refrain „Kiss it like that“ filmte ein Kamerateam das Publikum und forderte die Zuschauer:innen zum Küssen auf. Die Kiss-it-Cam wurde groß auf den Bühnenleinwänden eingeblendet – für die Zuschauer:innen ein Riesenspaß, der zugleich Sichtbarkeit für gleichgeschlechtliche Paare schuf, da ausschließlich lesbische Pärchen gefilmt wurden.

TikTok Placeholder
An dieser Stelle findest du Inhalte aus TikTok
Um mit Inhalten aus Sozialen Netzwerken zu interagieren oder diese darzustellen, brauchen wir deine Zustimmung.

Danach wechselte die Sängerin zu zwei Liedern aus ihrem ersten Album. Mit „Talk Too Much“ und „Poison Poison“ bewies sie, dass sie auch vor ihrem Hype-Album starke Musik gemacht hat. Die Fans kannten die Texte in- und auswendig. Bei „Shy“ räkelte sich Rapp auf dem großen Stern, der zugleich Bühne und Sitzfläche bot, und flirtete mit der Kamera – wohl wissend, dass die Hälfte des Publikums mit einem Crush auf die Sängerin das Konzert verlassen würde.

Handykameras zerstören die Stimmung

Bei „Mad“, einem der Songs, der sie 2025 in die Charts brachte und zum Tanzen einlädt, blieb die Energie im Stehbereich allerdings etwas aus. Schuld daran waren vermutlich die vielen Handykameras, die auf die Sängerin gerichtet waren. Bei der hauptsächlich der Gen Z angehörenden Fanbase ist das jedoch kaum überraschend.

Ernste Bitte an die Fans

Danach schloss sich der Vorhang. Ein Flügel wurde auf den vorderen Teil der Bühne gerollt, doch Rapp ging nicht gleich zum nächsten Song über. Zunächst wandte sie sich mit einer ernsten Bitte an ihre Zuhörer:innen: Im Zuge ihrer Tour sammelt die Künstlerin Spenden für die Organisation „Save the Children“. Die Spenden gehen an Kinder in Konfliktgebieten; Rapp verdeutlichte, dass sie selbst an die Organisation spendet und ein Teil der Einnahmen aus Merchandise-Produkten direkt weitergegeben wird.

Anschließend entlockte sie dem Publikum mit drei Balladen – „Why Is She Still Here“, „That’s So Funny“ und „Sometimes“ die ein oder andere Träne. Die traurige Stimmung hielt jedoch nicht lange an. Bei „Swim“ rannte sie mit einer Handkamera in die erste Reihe, ließ die Zuschauer:innen auf den Bildschirmen erstrahlen und sogar ins Mikrofon singen. Dabei konnte man dann auch hören, dass zu diesem Zeitpunkt des Konzerts bereits merklich mit Autotune gearbeitet wurde.

Stimmprobleme und Songabbruch

Gegen Ende des Konzerts machte Rapps Stimme langsam schlapp – beim dritten Gig in Folge allerdings verständlich. Für „In the Kitchen“, ihrem Debütsong, kratzte sie nochmals alles zusammen, um – wie sie den Fans erzählte – ihren ersten richtigen Song zu präsentieren. Bei „Snow Angels“ gestaltete sich der Gesang dann doch schwierig. Dafür folgte eine kleine Twerkeinlage zu „It’s Not My Fault“.

Mit einer kurzen Anekdote zu ihrer Schauspielkarriere in „Mean Girls“ ließ sie das Lied abbrechen. Ihr Bassgitarrist hörte zu spielen auf, und rief: „Let’s play the song I want to play“ um den letzten Track einzustimmen.

Abruptes Ende

Das Konzert beendete Rapp mit einem letzten Banger. Passend zu den Temperaturen, die gegen Ende der Show in der Uber Music Hall herrschten, stimmte sie „At Least I’m Hot“ an. Auch das Publikum durfte nochmals mitmachen: „How you doin, nay. Damn but you look so fotzig!!“, rief ein Fan aus den Zuschauerreihen und bekam dafür Jubel. Ob Rapp das F-Wort verstanden hat? Tatsächlich war der Spruch als Kompliment gemeint.

Im Anschluss stellte sie ihre gesamte Band vor. Danach fiel der Vorhang endgültig.

Für viele Fans war das etwas enttäuschend, da sie sich noch eine Zugabe gewünscht hätten. Nach drei Showtagen und dem zweiten Monat auf Tour war die Sängerin jedoch sichtlich ausgepowert – was sie ihrem Publikum während des Konzerts auch offen mitgeteilt hatte.

Das Konzert zeigte: Reneé Rapp hat ihre Schauspielkarriere hinter sich gelassen und sich als Musikerin etabliert. Ihre kleinen Videosketche, in denen sie sich als Popstardiva mit Allüren präsentiert, beweisen jedoch, dass sie nach wie vor Spaß daran hat, das Mean Girl zu spielen.