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Absolut Mando

Als wir Mando Diao beim letzten Mal trafen, hatten sie noch kein Nummer-eins-Album. Dem gaben sie in Hollywood grade den letzten Schliff. Mando Diao waren damals noch nicht in Europas größter Fernsehsendung, „Wetten, dass..?“, aufgetreten und die Ausgabe von „Wer wird Millionär?“, in der 43 Prozent des Publikum einer Kandidatin auf die 4.000€-Frage „Wer oder was ist Mando Diao?“ als Antwort „Präsident von Peru“ empfehlen, lag nur zwei Jahre zurück. Die Schweden hatten mit ODE TO OCHRASY bereits einen Top-3-Erfolg in den deutschen Albumcharts, der Titel als meist gespielter Song des Jahres im deutschen Radio war aber immer noch für Superstars wie Shakira reserviert. Dann kam „Dance With Somebody“. Der Song thronte wochenlang auf Platz eins der Airplay-Charts, das zugehörige Album GIVE ME FIRE! verkaufte sich mit 300.000 abgesetzten Exemplaren sechsmal so häufig wie sein Vorgänger NEVER SEEN THE LIGHT OF DAY. Zumindest auf dem europäischen Festland hatte sich der Abstand zu Shakira auf einen Hüftschwung verringert. Immerhin sang die Kolumbianerin ihr MTV-Unplugged bereits 1999 ein, Mando Diao erst jetzt. In Berlin-Tempelhof, in einem Studio der Berliner Union-Film. Im Studio nebenan stellte Dieter Thomas Heck fünfzehn Jahre lang für das Intro seiner „ZDF Hitparade“ begeistert fest: „Hier ist Berlin!“. Mando Diao mögen dieses Berlin, gaben ihm als Austragungsort ihrer Akustikshow den Vorzug vor Stockholm. Dieses Berlin mag aber auch Mando Diao. Der Weg von der U-Bahn zur Halle ist verziert mit Fan-Art: Kein Kanaldeckel ohne Mando-Diao-Schriftzug aus Kreide, keine Litfaßsäule, deren Plakate für den Berliner Zoo oder irgendeine unaussprechliche Tanzrevue im Friedrichstadtpalast nicht mit „Gustaf!“s oder „Björn!“s verziert sind. Vor der Halle, viele Stunden vor der Aufzeichnung, stehen Mitglieder des Fanclubs, die an diesem Abend im Publikum sitzen dürfen, Schlange – die meisten von ihnen paarweise, sodass eine (wir sehen hier fast ausschließlich Mädchen stets den Platz derer freihalten kann, die auf jedes einfahrende Auto einstürmt, in der Hoffnung, ihre vielen mitgebrachten CDs von ihren Idolen signieren zu lassen. Doch die Idole sind Vollprofis und seit früh am Morgen in der Halle. Das Setting auf der Bühne führt den Zuschauer durch den Werdegang der Band. Ganz links steht die Kulisse eines Proberaums, gefolgt von der eines Jugendzimmers, daneben die eines Band On The Run symbolisierenden Hotelzimmers, inklusive abgetrennter Toilette. Der letzte Raum stellt einen Dachboden dar, in diesem sehen sich Mando Diao in fernen Jahrzehnten ihren Enkeln schwärmerische Geschichtsstunden in Sachen Rock erteilen. Alle Zimmer stecken voller Andenken: Da steht die zerfetzte schwarze E-Gitarre, die Sänger und Gitarrist Gustaf Norén 2005 zum Abschluss des Auftritts seiner Band bei Rock am Ring zertrümmerte. Da hängt das einem Smiley ähnelnde historische Wappen der Heimatstadt der Band, Borlänge. In einer Garderobe im Dachboden sind Lederjacken der Gruppe aus der Sturm-und-Drang-Phase ihres Debüts BRING ‘EM IN aufgereiht. Zur Generalprobe erscheinen die Schweden in der Volkstracht ihrer Heimatgemeinde. „Das war so unglaublich heiß in diesen Klamotten“, erzählt der andere Sänger und Gitarrist der Band, Björn Dixgård, einen Monat später beim Interview (das erste von 20 für ihn an diesem Tag), „ich habe so gestunken, als ich sie danach ausgezogen habe.“ „Ja, vor allem an deinen Eiern“, fügt Bassist CJ Fogelklou hämisch kichernd hinzu. Von Unsauberkeit und Unvollkommenheit ist allerdings weder bei der Generalprobe noch bei der Aufzeichnung der Show etwas zu spüren. Mando Diao spielen beide jeweils in einem Take, ohne Wiederholungen, ohne Fehlstarts. Das Set beginnt mit einer ziemlich originalgetreuen Version des 2006er Hits „Long Before Rock’n’Roll“, doch bereits Song Nummer zwei lässt erahnen, wie viel Arbeit Mando Diao in den vergangenen Wochen in Arrangements investiert haben. „Sheepdog“ ist jetzt Kuschelrock, das prägnante Gitarrenriff gegen ein tiefes Pianomotiv eingetauscht. Auch „Dance With Somebody“, zu dem erlesene Fanclub-Mitglieder im Dachboden und eine Drag-Queen im Hotelzimmer tanzen dürfen, entwickelt sich erst langsam von Ballade zum bekannten Discorocker. „You Can’t Steal My Love“ wurde zur Solonummer am Klavier für Gustaf. Etwas gefühlsduselig widmet er den Song seiner Frau und Sohn Josef: „Bevor ihr in mein Leben gekommen seid, … Gott, ich kann mich gar nicht mehr daran erinner, was davor war“. Doch es sind nicht die verwandelten Hits, die für den größten Applaus sorgen – klar, im Publikum sitzen nur Hardcorefans. Und Hardcorefans wollen rar gespielte B-Seiten, neue Songs. Bekommen sie auch alles. „How We Walk“, B-Seite von „Sheepdog“ und Gustafs Lieblingssong aus der Feder Björns, gefällt, aber erst der Nachfolger lässt die Fans Tweets posten: „No More Tears“ ist die überarbeitete Version eines Bootlegs, der es unter dem Namen „I Want Your Love“ aus für die Band unerklärlichen Gründen auf YouTube und dort zu vielen Tausenden Aufrufen geschafft hat. Mit „Losing My Mind“ wird ein völlig neuer, wenn auch etwas gewöhnlicher Song vorgestellt.Nicht nur Fanverwöhnung gehört zum Standard bei Unplugged-Sessions, seit geraumer Zeit ist es Sitte und Brauch, Gäste mitzubringen, wenn man von MTV eingeladen wird. Ex-Kink Ray Davies führt die Gästeliste von Mando Diao an. Eine Ehre? Ray Davies kümmert sich nicht um Ehren. An der Generalprobe nimmt der 66-Jährige gar nicht erst teil. Kann er auch nicht, erst ist noch nicht mal in Deutschland. Zur Aufzeichnung des mit ihm geplanten Duetts, des Kinks-Klassikers „Victoria“ (Björn: „Ursprünglich wollten wir ‚Waterloo Sunset‘ nehmen, aber das wäre zu klischeehaft gewesen. Will ich etwa in 30 Jahren von einer jungen Band darum gebeten werden, mit ihnen ‚Dance With Somebody‘ zu spielen?“), erscheint er allerdings rechtzeitig, singt aber teilnahmslos und verlässt eilig wieder die Bühne. Wartet draußen etwa noch das Taxi, um ihn zurück zum Flughafen zu bringen? War Davies zum Abendessen wieder zuhause? „Ich traf mich mit ihm im Vorfeld der Show in Kopenhagen“, erzählt Björn später, „er gab mir zu verstehen, dass er an allem, was nach Zeitverschendung klingt, äußerst wenig interessiert sei. Er möchte keine Minute unserer Zeit verplempern und ganz bestimmt keine einzige Sekunde seiner. Ray Davies ist ein alter Mann, der seit Urzeiten in diesem Geschäft ist. Ich kann gut nachvollziehen, dass er müde ist, dass er nicht mehr auf alles Bock hat.“Lesen Sie den vollständigen Artikel im aktuellen



Mando Diao: Heute bei #DaheimDabeiKonzerte
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