Bad Bunny in Düsseldorf: „Heute Nacht sind wir alle Puerto-Ricaner:innen!“
Rund 100.000 Menschen, zwei Bühnen, kein Wort Englisch: Bad Bunny hat Düsseldorf zur größten Latin-Party des Jahres gemacht.
Er ist der meistgestreamte Künstler der Welt, gewann im Februar als erster Sänger überhaupt mit einem rein spanischsprachigen Album den Grammy für das „Album des Jahres“ und brachte im Juni für zwei Nächte Vega Baja nach Düsseldorf. Rund 100.000 kamen, ein Fan sogar extra aus China: „Für dich habe ich Spanisch gelernt“, erzählt er dem Sänger stolz. Schon in Bahnen und Hotels waren die Konzertgänger:innen klar zu erkennen: Outfits in den Farben der puerto-ricanischen Flagge, Pavas – die traditionellen Strohhüte –, dazu Hellblau, die Farbe der Unabhängigkeitsbewegung.
Für viele im Publikum war der Abend mehr als ein Konzert. Ein Besucher aus Peru, inzwischen in Deutschland lebend, beschreibt es als Ehre, hier zu sein – Bad Bunny repräsentiere schließlich ganz Lateinamerika. Eine Honduranerin bringt es auf den Punkt: Endlich werde sichtbar, dass „American“ nicht gleich USA und Kanada bedeute, sondern zwei Kontinente.
Zwischen Nostalgie und Hausparty
Musikalisch lieferte der „King of Latin Trap“ ab: eine 16-köpfige Live-Band, afro-karibische Rhythmen, Jíbaro-, Bomba- und Plena-Anklänge auf der Hauptbühne sowie Songs aus seinem prämierten Album DEBÍ TIRAR MÁS FOTOS und Tracks vergangener Alben. Den Mittelteil des Konzerts auf der Casita-Stage – jenem Nachbau eines pinken puerto-ricanischen Hauses, den manche schon von seiner Super-Bowl-Halftime-Show kennen – verwandelte er in eine Latin-Trap- und Reggaeton-Party, inklusive Red Solo Cups, Tänzer:innen und ausgewählter Fans. Einzig die erhofften Special Guests blieben aus; im Vorfeld hatten Fans auf Auftritte von Duki und Young Miko spekuliert.
Bemerkenswert war, wie viel Zeit sich Bad Bunny für seine Fans nahm: Minutenlang lief er an der Absperrung entlang, umarmte Menschen, holte sie auf die Casita-Bühne.
„Der wichtigste Grund, warum wir heute hier sind“, sagte er, „ist, mit euch über die Musik persönlich in Verbindung zu treten.“ Vollständig gelungen ist das nicht überall: Das gesamte Set – Ansagen, Videoeinspieler, Texte – lief auf Spanisch, ohne Untertitel. Für den spanischsprachigen Teil des Publikums war genau das die Pointe. Wer kein Spanisch versteht, ging stellenweise leer aus, was auch Bad Bunny selbst zu spüren schien.
„The only thing more powerful than hate is love“
Ein paar Klischees wurden dann doch bedient: Die Band blieb in der Hauptsache männlich, Bad Bunny flirtete später ausgiebig mit dem Reggaeton-Macho-Image. Bereits im Vorfeld hatten Fans kritisiert, dass vor allem junge, normschöne Frauen darauf hoffen dürften, in die Casita eingeladen zu werden.
Politisch positionierte sich der Puerto-Ricaner an diesem Abend vor allem über Symbolik statt über klare Ansagen Richtung USA: Flaggen im Publikum und kulturelle Codes erzählten von Stolz und Identität. Stattdessen rief er dazu auf, die Liebe zu feiern und im Moment zu leben – schließlich wisse niemand, was morgen passiert.
Unpolitisch war das trotzdem nicht: Wie die Poetin Toi Derricotte einst schrieb, ist Freude ein Akt des Widerstands. Angesichts zunehmender Menschenfeindlichkeit wirkte gerade das wie das eigentliche Statement des Abends.







