Highlight: Welches Equipment verwenden eigentlich… Die Ärzte?

Interview

Bela B und Dirk von Lowtzow im Gespräch: „’Jetzt darf gelacht werden!‘ Da bekomme ich leider Depressionen“

Ästhetisch und inhaltlich siedeln Die Ärzte und Tocotronic, möchte man meinen, an unterschiedlichen Polen des popkulturellen Schaffens. Hier der Witz, dort der Ernst. Hier die hohe Kultur, dort die breite Unterhaltung. Beide zählen sie aber auch auf ihre Weise zu den erfolg- und einffussreichsten Gruppen der vergangenen Jahrzehnte. Und in diesem Frühjahr debütieren die künstlerischen Köpfe beider Bands auf dem literarischen Markt. Bela B. Felsenheimer schreibt mit „Scharnow“ ein tollkühnes Crossover aus Trash, Fantasy, Thriller und Provinzroman, angesiedelt zwischen H.P. Lovecraft und Douglas Adams. Dirk von Lowtzow liefert mit „Aus dem Dachsbau“ so etwas wie den literarischen Begleittext zum Tocotronic-Album DIE UNENDLICHKEIT, angesiedelt zwischen Tagebuch und Theorie, Reisebericht und Traumprotokoll. Die Bücher sind so unterschiedlich wie die Bands ihrer Autoren. Umso überraschender, welche Parallelen die schriftstellernden Musiker selbst zwischen ihren Werken ziehen.

Beim Treffen in Hamburg zeigt sich Bela B begeistert von „Aus dem Dachsbau“, das sagt er gleich zur Begrüßung, noch bevor er Platz genommen hat. Dirk von Lowtzow hingegen bedauert glaubhaft, mit „Scharnow“ noch nicht ganz „durch“ zu sein. Er bekam die Fahnen erst spät, klagt er, war auf Reisen und musste seine Lektüre daher auf einem wirklich winzigen mobilen Endgerät … ach, lassen wir ihn doch einfach selbst erzählen …

Dirk von Lowtzow: Ich habe nur ein ganz kleines Handy, da muss ich immer so (hält ein imaginäres Handy sehr dicht vors Gesicht). Ich bin jetzt ungefähr bei zwei Dritteln, bin aber im Bilde, hab’s nur nicht ganz geschafft.

Kooperation

Bela B: Ist nicht so wild. Kann den Rest erzählen. Ich weiß übrigens gar nicht, mit welcher Auflage das Buch gestartet ist. Habe gar nicht gefragt. Klingt ein bisschen wie Koketterie, hat aber mehr mit Angst zu tun.

Dirk (schlägt sich vor die Stirn): Mensch, nach der Auflage habe ich auch noch nicht gefragt! Dabei ist es doch eigentlich naheliegend, dass man fragt, wie viele Exemplare gedruckt werden.

Bela: Wie ist das bei unseren Platten? Hast du da schon mal gefragt, was die Erstauflage ist oder so?

Dirk: Nee!

Bela: Ich wusste das nur, als wir ein eigenes Label aufgemacht hatten.

Dirk: Nun verkauft ihr aber auch so waaahnsinnig viele Platten …

Bela: Na ja, inzwischen auch nicht mehr sooo viele.

Dirk: Da will man’s dann vielleicht gar nicht mehr so genau wissen. Da sagt man dann lieber so was wie: „Ja, die Rezeption ist breit gestreut!“

Musikexpress: Jetzt werdet ihr es mit der Literatur­kritik zu tun bekommen!

Bela: Du wirst ständig bewertet. So ist das in unserer Gesellschaft. Ich mache mir aber gerade Gedanken, wie Takis Würger sein „Stella“ noch gemeint haben könnte … nachdem ich jetzt so viel Schlechtes gehört habe.

Es gab selten einen Roman, der mit einem solchen Vernichtungswillen in die Pfanne gehauen worden ist.

Bela: Und zwar wortgewaltig! Die blumigen Kritiken würden inzwischen wohl sogar selbst ein Buch füllen, und das mit großer literarischer Kraft. Die geben sich da wirklich Mühe! Die Kritikerin der „Zeit“ hat sogar versucht, den Leser davor zu bewahren, jetzt durch ihre – auch vernichtende – Kritik doch Interesse an dem Buch zu haben.

Ihr beide habt nun völlig unterschied­liche Bücher geschrieben.

Dirk: Absolut.
Bela: Ja und nein. Das eine Buch ist fiktiv, das andere biografisch. Aber auch in „Scharnow“ ist viel Autobiografisches. Und in deinem Buch, Dirk, ganz viel Fantasie und Platz für ausschweifende Gedanken … ich weiß nicht, warum Eichhörnchen in unserem Leben so wichtig sind.

Dieses schwule Eichhörnchenpaar in „Scharnow“ ist wirklich entzückend.

Bela: Das ist eigentlich nur ein Absatz. Aber der Verlag war so verliebt in die, dass die unbedingt noch aufs Cover mussten. Deshalb sind die jetzt hinten drauf.
Dirk: Dein Roman ist in Brandenburg angesiedelt. Ich habe selbst eine kleine Wohnung im Brandenburgischen. Und wenn man da rumläuft, dann kennt man diese Eichhörnchen.
Bela: Aber da gibt es noch mehr Gemeinsamkeiten. Wir erwähnen beide Hedy Lamarr. Und dann der fliegende Mann. Bei dir fliegt er über Berlin, bei mir über der Kreisstadt. Es beschäftigen uns offenbar ähnliche Dinge, nur packt der eine sie in Romanform und der andere …
Dirk (in Gedanken): Oder der Regisseur Lucio Fulci! Überhaupt der italienische Horrorfilm der Siebziger- und Achtzigerjahre. Ein zu Unrecht vergessenes Genre.

Fühlt man sich, wenn man in einem anderen Feld schon Erfolg gehabt hat, überhaupt als Debütant?

Dirk: Der Moment, in dem es passiert, ist für mich immer genau der richtige Zeitpunkt. Das ging mir oft im Leben so. Wenn du mich vor fünf Jahren gefragt hättest, ob ich vielleicht mal ein Buch schreiben wollen würde, hätte ich gesagt: „Nö, weiß nicht, warum. Habe genug andere Sachen zu tun!“

Jetzt war es anders?

Dirk: Es hat sich ganz natürlich entwickelt. Deswegen habe ich auch nicht das Gefühl, damit reüssieren zu müssen. Es kommt mir natürlich vor. Das Sprechen darüber ist auch ähnlich wie bei der Musik. Fast ein bisschen einfacher …

Dirk von Lowtzow
Dirk von Lowtzow ME 02/18

Warum?

Dirk: Bei uns werden Interviews fast immer über die Texte geführt.
Bela: Deutsche Bands eben.
Dirk: Aber auch, weil es so wahnsinnig schwierig ist, über Musik zu reden. Wenn man über Musik redet, müsste man es anstellen wie ein extrem guter Sportreporter … da gibt’s ja begnadete Leute, die ein Spiel fast schon literarisch beschreiben können.
Bela: Meine Lektorin, eine Freundin von mir, hat mir empfohlen, zur Vorbereitung ein Buch von Stephen King zu lesen.

„Das Lesen und das Schreiben“?

Dirk: Ja, das ist ein sehr tolles Buch!
Bela: Ah, ihr kennt das auch! Ich hab’s aus dem Antiquariat, denn es ist vergriffen. Darin schreibt er, und da sehe ich eine Parallele zu uns, dass er immer nur zu seinen Figuren befragt wird – aber nie nach seiner Technik. Bei uns ist das ähnlich. Deutsche Musiker werden immer nach den Texten bewertet. Dabei machen wir uns über die Musik oft mehr Gedanken als über die Texte.

Die Texte sind aber doch wesentlich.

Bela: Stimmt, bei Tocotronic und den Ärzten, wenn auch auf unterschiedlichen Ebenen. Bei mir war es jedenfalls auch der richtige Zeitpunkt für ein Buch. Ich bin auch schon vorher gefragt worden, immer zwischen Tür und Angel: „Wenn du mal was hast …“, und vermutlich hatten die sich etwas Autobiografisches erwartet. Fakt ist: Ich hatte nichts. Ein Drehbuch und ein paar Kurzgeschichten, mehr nicht. Da bist du sicher mehr beleckt mit deinen Beiträgen für „Texte zur Kunst“.
Dirk: Na ja, aber das waren essayistische Texte.

Bela, wie lange hast du an deinem Buch geschrieben?

Bela: Vor zwei Jahren habe ich angefangen und mir bis Sommer letzten Jahres immer noch ein Hintertürchen aufgehalten, vielleicht doch noch einen Rückzieher zu machen.

Warum das?

Bela: Ich muss niemandem etwas beweisen … außer vielleicht mir selbst, dass ich das durchhalte. Vielleicht war das letztlich auch der Antrieb.
Dirk: Und hast du jeden Tag geschrieben?
Bela: Ich hatte mal eine Pause von drei Wochen. Aber ich konnte auch nicht dauernd schreiben, weil ich immer wieder andere Sachen dazwischen gemacht habe. Und ich habe noch diese Detailverliebtheit.

Effekthascherei?

Bela: So ist es. Das liegt einem Rockmusiker sowieso … (zu Dirk gewandt) ich bezeichne mich übrigens als Rockmusiker!
Dirk: Ich auch, ich doch auch!

„Aus dem Dachsbau“ ist ganz anders aufgebaut, eher als Journal …

Dirk: Oder wie ein Memoir. Und eben wie ein ABC, das gibt es in Frankreich häufiger und kommt in dem Buch auch vor, von der Regisseurin Agnès Varda. Von Gilles Deleuze gibt es ein solches „Abécédaire“ auch als Film. Das ist eine schöne Form, um zu jedem Buchstaben im besten Sinne herumzuphilosophieren. Ein Ordnungsprinzip, offen und unverschlüsselt.

Von den Problemen mit der deutschen Musik

„Von Abba bis Zappa …“

Dirk: Genau, und deshalb kommt am Anfang auch Abba vor!
Bela: Ich bin wahrscheinlich der erste Mensch, den du triffst, der Abba mal live gesehen hat. Ich war nicht freiwillig da, meine Mutter hat mich mitgenommen in die Deutschlandhalle damals. Bei den Zugaben durfte man nach vorne gehen, drei Kostümwechsel – mehr weiß ich nicht. Angeblich kommen sie bald wieder, als Hologramme.
Dirk: Wenn Abba wiederkommen, gehen wir zusammen hin!

Dirk, ein Roman hätte dich nicht gereizt?

Dirk: Ein Roman hat etwas Narratives, und das ist mir vollkommen fremd.
Bela: Aber du hast doch mit René Pollesch da diese Oper …
Dirk: Ach, da habe ich doch nur die Musik gemacht. Auch als Leser habe ich mich immer mehr mit Theorie beschäftigt als mit erzählerischer Literatur. Es wäre mir wirklich schwergefallen, mir eine Geschichte auszudenken, die so stringent …
Bela (besänftigend): Kommt noch! Bei mir ufert das immer aus.
Dirk: Du bist ja auch Geschichtenerzähler.
Bela: In der Band ist das meine Aufgabe.
Dirk: Du bist Erzähler, Interpret und dann auch Schauspieler! Ich habe dich in „M – eine Stadt sucht einen Mörder“ von David Schalko gesehen …
Bela: Daher kennen wir uns überhaupt erst, durch David Schalko. Vorher war das mit Tocotronic und den Ärzten ein bisschen so … (druckst herum) na ja. Alles, was aus Hamburg kommt …
Dirk (frei heraus): Ich bin mit den Ärzten aufgewachsen. Ich habe die allererste Single von euch mit dem tollen Lied „Anneliese Schmidt“, mit 15 in Offenburg im Plattenladen gekauft. Als wir dann angefangen haben, auch deutsch zu texten, waren die Ärzte sozusagen rückgreifend ein großer Einfluss.
Bela: Als ich einer Freundin erzählte, was ich heute mache, sagte sie: „Willkommen auf dem Schulhof der Hamburger Schule.“Aber Tocotronic waren ja keine Hamburger Schule. Zuerst hellhörig geworden bin ich mit „Ich möchte Teil einer Jugendbewegung sein“. Super. Das war aus der Ecke das erste Mal, dass ich Humor gehört habe. Endgültig toll fand ich auch die Zeile „Gitarrenhändler, ihr seid Schweine“. Das sprach mir aus dem Herzen. Ich wusste genau, was damit gemeint war. Es sind nicht alle Gitarrenhändler Schweine. Aber es gibt schon einen Grund, warum man das singen darf.

Generell war da aber eine Distanz zu Tocotronic?

Bela: Ja, und das ging von den Ärzten aus. Weil wir damals auch angetreten sind gegen Deutschrock, da gab es ein Befremden gegenüber rezitativen Texten. Blumfeld war ganz schlimm für uns. Da haben wir doofe Witze gemacht, die auch nicht so cool waren. Zugleich hatte ich Tocotronic-Platten zu Hause, das war komisch …

Und nun hat sich das verändert?

Bela: Über einen gemeinsamen Freund habe ich Rick McPhail kennengelernt. Und letztes Jahr hat mich dann David Schalko eingeladen, weil er mich für seinen Film haben wollte. Und er meinte, er würde noch einen guten Freund in die Bar einladen, Dirk von Lowtzow von Tocotronic. Und ich dachte: „Okay, mal gucken“.
Dirk: Das war in der Z-Bar in Berlin, wo sie auch ein Kino haben. Da hängen dann auch diese Plakate …
Bela: … und da kamen wir auf Dario Argento zu sprechen. Jedenfalls gab es Parallelen. Kurze Zeit später hatte ich eine Radiosendung, in der ich Musiker nach ihrem peinlichsten Lieblingslied befragt habe. Da habe ich Dirk per SMS am Flughafen erwischt, wo er in Urlaub fliegen wollte …

Was war das für ein Lied?

Dirk: Das war … wie heißt das? Aus dem Film „Frozen“, der Hit …

„Let It Go“?

Dirk: Das liebe ich! Der Film ist auch so toll. Und dieser Song ist wahnsinnig geil geschrieben und, zumindest im Original, auch super gesungen.
Bela: Die Sendung kam auch gut an. Arnim von den Beatsteaks hat sich „Runaway Horses“ von Belinda Carlisle gewünscht. Und Peaches hat zu Laura Branigan getanzt!

Und seitdem …

Bela: … gibt es da Verbindungen, ja. Ich schätze Tocotronic auch musikalisch, Rick ist da eine echte Bereicherung. Was ich aber besonders mag, das ist der Humor.

Der Humor?

Dirk: Der Humor bei Tocotronic wird weithin unterschätzt: „Hm, echt lustige Band!“ Bei euch wird übrigens der ernste Aspekt unterschätzt. Jeder Song hat einen traurigen oder ernsthaften Kern.
Bela: Wir haben immer diese ironische Brechung, das wird uns auch oft übelgenommen.
Dirk: Was mir bei den Ärzten gefällt, ist diese Reimverliebtheit. Ich liebe Musicals, da gibt es auch Reime, die von den Ärzten sein könnten. Bei „Funny Face“ etwa, Audrey Hepburn läuft durch Paris: „I see Montmartre. Now I see Jean-Paul Sartre“. Diese Gags!
Bela (selbstkritisch): Reimzwang, habe ich schon gelesen über uns.
Dirk: Das mag ich wahnsinnig gerne. Weil ich weiß, was für eine Arbeit das ist. Weil es geistreich, unterhaltsam und lustig sein muss. Probleme mit deutscher Musik habe ich, anders als Bela, weil da immer diese Lämpchen angehen: „Jetzt darf gelacht werden!“ Da bekomme ich leider Depressionen.

Bei den Ärzten ist das nicht so?

Dirk: Da gibt es diese wahnsinnige Akribie, diese Leichtigkeit und diesen Witz – eben wie bei Musicals. Das macht glücklich. Manchmal gibt’s auch gar keine Reime, das ist dann besonders lustig: „Und wie du wieder aussiehst, Löcher in der Hose!“

„Wir machen uns mehr Gedanken über die Musik als über die Texte“

Ist das Schreiben eine einsame Ange­legenheit?

Bela: Ich war relativ schnell nicht mehr allein. Ich habe ja diese vielen Figuren im Buch. Mit denen fühlte ich mich ganz wohl. Mit denen hatte ich zu tun. Songschreiben ist oft ein einsamerer Prozess als das Schreiben von Literatur.
Dirk: Alleinsein trifft es weniger, ich habe oft Einsamkeitsschübe, manchmal nur für den Bruchteil einer Minute oder Stunde. Das kann kippen und ist sehr verstörend. Beim Schreiben hatte ich erstmals das Gefühl: Ich bin überhaupt nicht einsam! Mit diesem Prozess habe ich immer etwas zu tun und kann dort eintauchen, in diesen Kosmos …
Bela: Wir benutzen das Wort auch als Ärzte für uns, schon immer: „Es gibt einen Kosmos, den haben wir geschaffen …“

Gibt es vom literarischen Schreiben Rückkopplungen zur Musik?

Dirk: In meinem Fall war es eher umgekehrt. Das Buch war für mich überhaupt erst möglich durch unser Album DIE UNENDLICHKEIT, das ja auch autobiografisch angelegt ist. Ich wollte weitermachen. Auch mit Sachen, die nicht unbedingt singbar sind. Ich habe dann meiner Lektorin die jeweils fertigen Passagen gleich geschickt. Bei der Band ist es Jan Müller, unser Bassist – der ist quasi der Lektor, der auswählt und sagt: „Mach da was dran, das ist noch nix!“

Habt ihr viel gelesen, um euch auf das Schreiben vorzubereiten?

Bela: Gleich der erste Satz bei Stephen King lautet sinngemäß: „Lies, so viel du kriegen kannst, und keine Angst: Wer keine Zeit zum Lesen hat, der hat auch keine Zeit zum Schreiben.“ Er sagt auch: „Wenn du ein Buch liest und es ist schlecht – lies es zu Ende, das gibt dir Selbstvertrauen!“ Wenn ich mit meiner Lektorin zusammensaß und etwas war zu viel, dann sagte sie nur: „Bela, Stephen King!“
Dirk: Da muss man aber ein Märtyrer sein, um Bücher zu Ende zu lesen, die schlecht sind.
Bela: Einen positiven Ausschlag hatte das Buch „Knockemstiff“ von Donald Ray Pollock. Sehr empfehlenswert. Spielt in einem Ort namens Knockemstiff und handelt von den Leuten, die morden und sich verraten und aus diesem Dorf, dieser Enge, einfach nicht herauskommen.

Enge und Provinz spielen in beiden Büchern eine Rolle. Ist das als Hintergrund wichtig?

Dirk: Das ist eine Ambivalenz. Große Teile meines Buches handeln von der Sehnsucht nach Geborgenheit. Auch die Tiere, die da auftauchen und einen begleiten, das sind alles Mischwesen, eigentlich sind das Comicfiguren …
Bela (gespielt beleidigt): Und da zeigst du ganz selbstverständlich auf mich, ja? Comicfiguren: Bela, alles klar?
Dirk: Entschuldige, aber letztes Mal, beim Beatsteaks-Konzert, hast du mir als Erstes deine Goofy-Krawatte gezeigt. Die war auch schön. Was wollte ich sagen?

Geborgenheit.

Dirk: Die Ambivalenz, dass man sich zurücksehnt in die Geborgenheit, da aber auch raus will. Das ist eine Art von Ahnenforschung im kritischen Sinn. Man will aufspüren, was einen geformt hat. Und wenn ich herausfinde, welche Kräfte auf mich einwirkten, dann erst gibt es die Möglichkeit einer Transformation. Daher das Umherwandern und die Frage: Wo komme ich an?
Bela: Das gibt es, obwohl mein Buch natürlich Action ist, auch bei mir. So Rückzugsorte, an denen Leute zu Hause sind – etwa die WG der fertigen Typen.
Dirk: Oder auch die Außenseiterin, dieses Punk- und Manga-Mädchen. Da dachte ich eigentlich, dass du das bist. Das wäre die Figur, die du bist.

Wie merkt ihr beim Schreiben, dass die Geschichte zu Ende ist?

Bela: Gar nicht. Ich habe meine Deadline immer wieder verschoben. Mein Verlag hat’s anhand der Messen klargemacht, also immer drei Monate vorher, Leipzig, Frankfurt, wieder Leipzig, Frankfurt, und dann war irgendwann klar, dass ich jetzt mal zu einem Ende kommen muss.
Dirk: Ich bin immer ein halbes Jahr vor der Deadline fertig. Ich weiß, wann Schluss ist.

Mustafah Abdulaziz
PR

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