Buchkritik

Bela B Felsenheimer Scharnow


von

Bela B Felsenheimer beginnt dieses Buch mit einem Personenregister. Das ist hilfreich; nicht, weil die Zahl derer, die „Scharnow“ bevölkern, so unübersichtlich ist. Eher, weil sie alle so sehr neben der Spur leben, dass man als Leser froh darum ist, nachschlagen zu können, wer nun zu wessen Dunstkreis gehört.

Ein paar Charaktere seien hier angerissen: Da ist eine Vierer-WG, die sich ein Manifest gegeben hat, in dem es heißt: „Wer sich freut, denkt nicht – wer nicht denkt, öffnet sich der Freude“. Philosophische Theorie, die dadurch abgefedert wird, dass die Truppe später den Supermarkt überfällt, besoffen und nackt. Wir haben einen Literaturblogger, der sich selbst richtet, er frisst ein Buch; was das für ein Buch ist, wird im Laufe der Handlung nicht klarer, aber deutlicher. Einen Dorfpolizisten, der sich seine One-Liner aus amerikanischen Fernsehserien abschaut. Und wir haben Terroristen, die einen Anschlag auf „die Struktur der Weltenlenker“ verüben wollen.

All das geht ineinander über, rasch laufen die einen Figuren in den Kapiteln, die eigentlich von den anderen handeln, durchs Bild; ein bisschen wie in einem Revuetheater, in dem sich überraschend Tapetentüren öffnen. Sie werden ordentlich durchgeschüttelt, zarte bis harte Bande entwickeln sich. Es bereitet ein großes Vergnügen, das zu lesen, was auch daran liegt, dass Bela B sich in dem Buch Freiheiten nimmt, Punk-artiger schreibt, als das bei Publikumsverlagen normalerweise der Fall ist.

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Wer das als Fanzine-Literatur abtut, liegt aber falsch. Bei all den 
Übertreibungen, die in diesem Buch 
vorkommen, bei aller Lust des Autors 
am Blödsinn, bei all der Revolverheft- 
und Knall-Science-Fiction-Schlagseite, die das Buch besitzt und bei
 aller Liebe zum Kraftausdruck: Es ist
 auch ein Buch, das in einem Jahr, in
dem die AfD in Ostdeutschland in 
einigen Bundesländern die Wahlum
fragen anführt, mehr Wahrheit transportiert, als uns lieb sein sollte.

Bela B Felsenheimers Debütroman „Scharnow“ ist am 25. Februar 2019 bei Heyne Hardcore erschienen.


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