Boom Tschak: Jeff Mills‘ neuester Detroit-Techno kommt auf einem „Ding“ daher

Ein bisschen autoreferenzielles Insiderwissen: Der folgende Text wäre viel früher entstanden und veröffentlicht worden. Wenn das Päckchen mit dem Ding, um das es im Text geht, nicht „auf dem Postweg verloren gegangen“ (vulgo: von irgendeinem Arschloch geklaut worden) wäre, sodass das Ding ein zweites Mal verschickt werden musste.

Das Ding heißt THE JUNGLE PLANET (Axxis) und ist das aktuellste Album der Detroit-Techno-Legende Jeff Mills. Wieso wir das Ding, das im September 2013 veröffentlicht wurde, „Ding“ nennen, liegt an seiner Beschaffenheit. Die Musik kommt auf einem USB-Stick, der in einem schwarzen Würfel aus Hartgummi steckt, der wiederum in einem schwarzen Würfel aus glänzendem Kunststoff untergebracht ist. Ein Zwitterwesen aus analog und digital. Dateien (Musik, Cover, Booklet etc.), die dann doch irgendwie in einer physischen Form dargereicht werden. Limitiert auf 400 Stück.

Was soll das? Begehrlichkeiten wecken, der Musik wieder einen Wert geben. Ja, schon, aber wie soll das weitergehen? Werden wir, die wir uns in einem Akt der Befreiung von vielen runden Plastikscheiben in eckigen Plastikverpackungen getrennt haben, neue Regale anschaffen müssen, in denen dann Würfel, Kugeln und andere geometrische Körper lagern, in denen USB-Sticks mit Dateien untergebracht sind, die wir auch auf unkompliziertere Art auf unsere Rechner bringen würden? Musikalisch ist THE JUNGLE PLANET über jeden Zweifel erhaben; vielleicht das beste Album von Jeff Mills in den vergangenen zehn Jahren. Sehr ruhige, atmosphärische Musik, nahe am Ambient gebaut, lyrisch, in sich gekehrt, manchmal mit Spurenelementen aus Detroit versehen. Mills erzählt die Geschichte eines Superplaneten der 300 Mal größer ist als Jupiter, der ja als Gigant in unserem Sonnensystem gilt – die Science-Fiction- und Technik- und Gadget-Affi nität des Produzenten und DJs wird von diesem Format super bedient. Zwei Monate nach dem USB-Stick wurde das Ding dann als Doppel-LP veröffentlicht.

Diese Kolumne ist in der Februar-Ausgabe 2014 des Musikexpress erschienen.

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