„Das Undenkbare“: Defqon.1 bricht wegen Hitze komplett ab
Warnstufe Rot in den Niederlanden: Das Defqon.1 wird mitten im Festival wegen Hitze gestoppt. Was jetzt mit tausenden Camper:innen passiert – und was das für die Festival-Szene bedeutet.
Die Hitzewelle schwappt über Europa und begräbt ein niederländisches Festival unter sich. Das Defqon.1, eines der größten Festivals für elektronische Musik, muss 250.000 Menschen wegen der Temperaturen heimschicken. Die Reaktionen auf die Absage reichen von Verständnis bis zu Entrüstung. Was bedeutet das für die europäische Festival-Szene?
Warnstufe Rot: Historische Hitze
Das gab es noch nie: Das niederländische Wetterinstitut KNMI ruft die Warnstufe Rot aus. Noch nie zuvor hatte es diesen Code wegen Hitze gegeben. Das Extremwetter betrifft auch die Musikszene im Land. Eines der größten Festivals, das bis zu 250.000 Besucher:innen erwartet, bricht mitten in den Feierlichkeiten ab. Bis zu 38 Grad soll es am Freitag, den 26. Juni auf dem Gelände in Biddinghuizen haben. Auf Instagram schreibt das Veranstalter-Team ein Statement: „Das Undenkbare ist passiert.“ Gemeinsam mit den Behörden wurde entschieden, das Defqon.1 für die restlichen Festival-Tage abzusagen.
Die Information traf am Freitagmorgen mitten ins laufende Festival ein, die Gäste mussten die Tanzflächen verlassen. Bereits im Voraus hatten die Veranstalter:innen Maßnahmen zur Abkühlung und Entzerrung des Festivals vorgenommen: So wurden die Tagestickets für Freitag und Samstag gestrichen und zurückerstattet, um die Besucher:innen-Belastung auf den Flächen zu reduzieren und mit 15.000 Gästen weniger pro Tag die Temperaturen erträglicher zu machen.
Tausende ohne Unterkunft und Rückreise
Nun ist das gesamte Festival gestrichen. Zum Defqon.1 reisen Menschen aus verschiedensten Ländern und Kontinenten an, um gemeinsam zu feiern. Viele stehen nun ohne Rückreisemöglichkeit und Übernachtungsmöglichkeiten da. Deshalb lässt das Festival die Camping-Flächen bis Freitag geöffnet: Rund zehntausend Camper:innen befinden sich noch auf dem Gelände. Doch in ihrem Instagram-Statement macht der Veranstalter klar: Die Heimreise soll am Freitag, den 26. Juni erfolgen. „Wir werden euch in jedem Schritt unterstützen.“
Verständnis und Wut in den Kommentaren
In den Kommentaren unter dem Statement findet sich viel Trauer und Enttäuschung über die Absage, aber auch Verständnis: „Mir fehlen die Worte, ich weiß, Sicherheit geht vor, aber das ist echt schwer zu verkraften.“ Doch es gibt auch Fans, bei denen die Enttäuschung in Wut umschlägt: In anderen Ländern wie Australien oder den USA fänden Festivals bei deutlich höheren Temperaturen statt. Weit Angereiste nun ohne Unterkunft und Perspektive wegzuschicken, sei enttäuschend.
Doch der Unterschied, wie viele verteidigenden Reaktionen bemerken, ist unter anderem die Luftfeuchtigkeit: Die Hitzewelle in den Niederlanden geht mit einer hohen Luftfeuchtigkeit einher, die nachts in Biddinghuizen bis zu 87 Prozent erreichen kann.
Was bedeutet das für die Festival-Szene?
Mit steigenden Temperaturen und mehr Extremwetter aufgrund des Klimawandels steigt auch das Risiko für Festivalabsagen. So mussten diesen Sommer bereits das Southside als auch das Fusion Festival wegen Unwetterwarnungen beziehungsweise Bränden aufgrund von Trockenheit zwischenzeitlich unterbrochen werden. Durch Planung und Vorbereitung lassen sich zwar Risikofaktoren vermindern: Gratis-Wasserstationen, Wassersprenkler, entzerrende Laufwege und ausreichend Schattenplätze können hohe Temperaturen erträglicher machen. Doch letztendlich möchte kein Festivalveranstalter die Gesundheit und das Wohlbefinden seiner Gäste gefährden. Wenn also in den nächsten Jahren die Hitzewellen häufiger und stärker werden, müssen sich Festivalkonzepte enorm anpassen – oder es kommt tatsächlich immer häufiger zu Absagen, Unterbrechungen und enttäuschten Feiernden.






