Spezial-Abo
🔥22 Jahre nach „Narcotic“: Was wurde eigentlich aus… Liquido?

Interview

Depeche-Mode-Kreativdirektor Anton Corbijn: „Ich durfte in Freilandhaltung arbeiten“

Der Fotograf und Regisseur Anton Corbijn übernimmt rund um VIOLATOR das Artwork von Depeche Mode, dreht die Musikvideos, zeichnet für alle PR-Fotos verantwortlich – und schließlich auch für die visuelle Ausgestaltung ihrer Liveshow. Hier erzählt er über seine damaligen Ideen, von Rosen, Goldenen Zeiten und Liegestühlen – und die Zusammenarbeit mit der Band, als man sich noch nicht so gut kannte.

Der 1955 im Süden der Niederlande geborene Corbijn macht sich Ende der 70er zuerst vor allem als Fotograf für den englischen „NME“ einen Namen, entwirft bald seine ersten Cover-Artworks und dreht Videos für David Sylvian, Echo & The Bunnymen und 1984 auch für U2s „Pride (In The Namen Of Love)“. Seine erste Regie-Arbeit für Depeche Mode ist 1986 „A Question Of Time“; bei dem Album MUSIC FOR THE MASSES ein Jahr später übernimmt er bereits alle Musikvideos. Er dreht da noch am liebsten in Schwarz-Weiß und in einer vergleichsweise avantgardistischen Film-Noir-Ästhetik, mit der die Engländer auf MTV und bei „Formel Eins“ zuverlässig auffallen.

Nach dem Cover für das Livealbum 101 übernimmt Anton Corbijn auch für VIOLATOR das komplette Artwork, inklusive der Singles. Als Kreativdirektor ist er bis heute für die visuelle Seite der Band verantwortlich.

Warum befindet sich nichts weiter als diese eine Rose auf dem Cover von VIOLATOR? Wie kamen Sie auf das Motiv?

Die Idee, etwas so Edles wie eine Rose zu „verletzen“ (Englisch: „to violate“ – Anm. d. Red) gefiel mir. Vielleicht war es damals auch meine einzige Idee. Außerdem mochte ich die Schlichtheit des Ganzen: Das ist missbrauchte Natur. Nachdem sich die vorherigen Plattenhüllen der Band mehr um das Thema Technologie gedreht hatten, wollte ich auch eher eine Verbindung mit der „Soul side“ von Depeche Mode aufbauen. Das Cover der ersten Single „Personal Jesus“ musste allerdings schon für deren Veröffentlichung im Sommer 1989 fertig sein, deshalb gibt es hier keinen Bezug auf das Artwork von VIOLATOR, während es zur Hülle von „Enjoy The Silence“ eine offffensichtliche Verbindung gibt.



Mit großem Vinyl-Special, Frank Zappa, Phoebe Bridgers und Fynn Kliemann: Der neue Musikexpress ist da!
Weiterlesen