Highlight: 13 Acts, die wir auch nach ihrem Mainstream-Durchbruch gut finden

New New Wave

Die Indie-Klasse von 2005: Was Kaiser Chiefs, The Zutons und Co. heute so machen

Kaiser Chiefs, Maximo Park, Bloc Party: 2005 brach eine Welle neuer Rockbands aus Großbritannien über die Musikwelt ein. Viele von ihnen machen bis heute Musik, manche zählen nun zu den größten Bands der Welt (Arctic Monkeys), andere verdienen ihr Geld vor allem mit Nostalgie-Konzerten (Bloc Party spielen ihr Debüt SILENT ALARM). Doch neben den offensichtlichen Namen gibt es auch eine ganze Menge kleinerer Bands, die Anfang des neuen Jahrtausends die Menschen in den Indie-Clubs zum Tanzen brachten und Konzerte ausverkauften: Art Brut etwa. The Zutons nicht vergessen.

Was machen diese und andere Bands eigentlich heute? Wir haben diese Frage für Euch geklärt.

The Paddingtons

Die Band aus Kingston upon Hull galt bereits als verschwunden, dabei fing es so vielversprechend an: Von Oasis-Entdecker Alan McGee gesignt, von Oasis-Produzent Owen Morris produziert, von Pete Doherty in den Himmel gelobt – und dann ist doch nicht allzu viel passiert. 2010 erschien mit der EP „The Lady Boy Tapes“ ihr letzter Tonträger. Wurden 2017 von den Libertines als Vorband auf Tour eingeladen, spielen seitdem wieder vermehrt Konzerte und arbeiten an neuer Musik.

The Automatic

Bereits das dritte Album des Waliser One-Hit-Wonders („Monster“, 2006), TEAR THE SIGNS DOWN (2010) erreichte keine Hitlisten mehr. Die Band ruht seitdem. Sänger und Gitarrist Paul Mullen ist seit 2010 Sänger in der von Ex-Bloc-Party-Bassisten Gordon Moakes gegründeten Band Young Legionnaire.

The Zutons

Nach einer kurzen Reunion-Tour 2016 endgültig aufgelöst. Bassist Russell Pritchard ist jetzt Teil von Noel Gallagher’s High Flying Birds, Leadgitarrist Paul Molloy ist The Coral beigetreten, Drummer Sean Payne arbeitet für Miles Kane, Sänger Dave McCabe ist wegen Körperverletzung vorbestraft und floppte mit seinem Solodebüt (CHURCH OF MIAMI, 2015). Auch durch die Tantiemen des Mark Ronson/Amy Winehouse-Covers ihres „Valerie“ dürften die Band immer noch okay verdienen.

The Libertines

Nach umjubelten Reunionshows auf britischem Boden im Sommer 2010, kam es 2014 zur erneuten Reunion und 2015 gar zur Veröffentlichung des dritten Studioalbums ANTHEMS FOR DOOMED YOUTH. Spielen seitdem regelmäßig Konzerte, Album Nummer 4 lässt jedoch noch auf sich warten.

Editors

Brachten erst im März 2018 ihr sechstes Studioalbum, VIOLENCE, auf den Markt. Sind komischerweise insbesondere in Belgien Superstars, wo ihr aktuelles Album sowie die beiden Vorgänger von der Chartsspitze grüßten und sie das Riesenfestival Rock Werchter als Headliner bespielten.

Foals

Glastonbury-Chefin Emily Eavis sieht in ihnen einen zukünftigen Headliner für ihr Festival, mit „My Number“ schafften sie es auf die „Bravo Hits“-Compilation: Um die Foals muss man sich keine Sorgen machen. Gaben Anfang 2018 den Ausstieg ihres Bassisten Walter Gervers bekannt, kündigten jedoch auch ihr noch titelloses fünftes Studioalbum an.

Kasabian

Im UK avancierte die Band aus Leicester trotz ständig neuer Ausrichtungen zu Headlinern der größten Festivals. In Deutschland fehlt ihnen noch etwas, um ganz oben auf den Plakaten gedruckt zu werden. Veröffentlichten 2017 ihr aktuelles, sechstes Album FOR CRYING OUT LOUD, das im UK auf Platz 1 der Albumcharts ging (in Deutschland reichte es nur für Platz 27).

The Horrors

Die Band, die zunächst nur aus aufmerksamkeitsheischenden Riesenfrisuren und albernem Gothic-Punk bestand, machte eine erstaunliche Entwicklung hin zu Neo-Psychedelia und Shoegaze durch – und wurde dafür belohnt. Nahmen ihr aktuelles Album V (2017) mit Adele-Produzenten Paul Epworth auf.

The View

Veröffentlichten bereits 2013 ihre erste Best-Of-Compilation, SEVEN YEAR SETLIST. Zwei Jahre später erschien mit ROPEWALK ihr fünftes und bis jetzt aktuelles Studioalbum. Spielten 2017 zum Zehnjährigen ihres Debüts HATS OFF THE BUSKERS eine ausverkaufte UK-Tour und verabschiedeten sich danach in eine einjährige kreative Pause.

The Maccabees

Langsam, aber beständig entwickelten sich die Londoner um Posterboy Orlando Weeks zur festen Indie-Rock-Größe. Lösten sich 2016 dann doch auf. Sänger Orlando Weeks veröffentlichte 2017 beim renommierten britischen Verlag Penguin sein erstes Buch, die Graphic Novel „The Gritterman“.

The Wombats

Mit „Moving To New York“, „Backfire At The Disco“, „Kill The Director“ und vor allem „Let’s Dance To Joy Division“ wartete das Debüt der Liverpudlians 2007 mit vier fetten Hits auf. Ihr zweites Album schaffte es 2011 im UK auf Platz drei, in Deutschland sogar auf die 23. Im Februar 2018 erschien ihr viertes Album, BEAUTIFUL PEOPLE WILL RUIN YOUR LIFE.

The Pigeon Detectives

Das Debüt der Band aus Leeds wurde 2007 im UK mit Platin ausgezeichnet und warf drei Top-20-Hits ab. Es folgten drei Alben, die fast beispiellos leidenschaftlich von der Kritik zerrissen wurden. 2017 veröffentlichte die Band nicht nur Studioalbum Nummer 5, BROKEN GLANCES, sondern auch eine 10-Jahre-Jubiläumsedition ihres Debüts WAIT FOR ME und tourte damit durch mittelgroße Hallen im Vereinigten Königreich.

The Rifles

Erste Risse erlitten die Londoner, als 2010, vor den Aufnahmen zu ihrem dritten Album, Schlagzeuger und Bassist ausstiegen. Album Nummer 4 wurde bereits wieder in Originalbesetzung eingespielt, zuletzt erschien Album 5, BIG LIFE (2016). Touren im Oktober 2018 mit einer Setlist, die ausschließlich aus Singles bestehen soll, durchs UK. Scheint immer noch Menschen zu interessieren – die Gigs in Birmingham und Manchester waren Wochen im Voraus ausverkauft.

Art Brut

Bekamen zu ihrem Debüt BANG BANG ROCK & ROLL (Platte des Monats im ME) 2005 eine Coverstory vom deutschen „Rolling Stone“ – in dessen Ausgabe vom Juli 2013 befand sich eine Tourreportage mit Art Brut, die sich die Frage stellt, wie man eine Ochsentour Jahre nach dem einstigen Ruhm übersteht. Eddie Argos lebt seit Jahren in Berlin und treibt dies und das. Am 23. Oktober 2018 erscheint nach siebenjähriger Abstinenz mit WHAM! BANG! POW! LET’S ROCK OUT ein neues Album.

Kaiser Chiefs

Im Dezember 2012 verließ Gründungsmitglied, Songwriter und Drummer Nick Hodgson die Band aus Leeds. Die warf sich im Anschluss dem Mainstream an den Hals: Sänger Ricky Wilson war für drei Staffeln Juror und „Coach“ in der Casting-Show „The Voice UK“, das erste Album ohne Hodgson,  EDUCATION, EDUCATION, EDUCATION AND WAR, landete auf Platz 1 der UK-Charts und zementierte die Abkehr vom Indie-Rock zum einfältigen Mainstream-Pop. 2016 folgte Album Nummer 6, STAY TOGETHER, der Nachfolger soll im Frühjahr 2019 erscheinen.

Bloc Party

Nach einer längeren Auszeit, die Sänger Kele Okereke für Solo-Ausflüge auf den Dancefloor nutzte, kehrte die Band 2012 mit umstrittener Rock-Rückbesinnung FOUR zurück. Nach einer weiteren Auszeit brachten Kele Okereke und Russell Lissack im Januar 2016 mit zwei neuen Mitgliedern ein neues Bloc-Party-Album namens HYMNS heraus. Spielen im Herbst 2018 ihr Debütalbum SILENT ALARM in ganzer Länge auf Konzerten in ganz Europa – jedoch nicht in Originalbesetzung.

The Fratellis

Das Debüt der Schotten, COSTELLO MUSIC, ging seit seiner Veröffentlichung 2006 mehr als eine Million Mal über britische Ladentheken. Der Nachfolger HERE WE STAND erzielte 2008 nur noch ein Zehntel dieser Verkäufe. Danach gingen die Bandmitglieder getrennte Wege, bis sie sich 2012 wieder zusammentaten. 2013 erschien ihr Comeback WE NEED MEDICINE. Veröffentlichten seitdem weitere zwei Alben, zuletzt IN YOUR OWN SWEET TIME (2018).

Los Campesinos!

Das walisische Spaßseptett – alle Mitglieder heißen mit Nachnamen Campesinos! – war in den Jahren 2007 bis 2011 ziemlich produktiv: vier Alben und zwei EPs erschienen. Auch danach veröffentlichten sie weiter munter Alben. Ihr aktuelles, sechstes Studioalbum trägt den Titel SICK SCENES (2017). Auch sie feierten bereits Jubiläum: 2018 begannen sie das Zehnjährige ihrer beiden 2008 erschienenen Debütalben HOLD ON NOW, YOUNGSTER… und WE ARE BEAUTIFUL, WE ARE DOOMED.

The Futureheads

Die bereits 2000 gegründete Gruppe aus Sunderland gehörte mit ihrem Debüt 2004 zur Avantgarde der Szene. Der „NME“ kürte ihr Cover von Kate Bushs 80er-Klassiker „Hounds Of Love“ zur Single des Jahres 2005. Brachten 2012 mit RANT gar ein ganzes A-Capella-Cover-Album auf den Markt. Sollte ihre letzte Veröffentlichung werden. Lösten sich 2013 auf, wie Schlagzeuger Dave Hyde 2015 in einem Interview bekanntgab. Sänger Barry Hyde und Bassist „Jaff“ Craig sind nun in der Lehre tätig.

Hard-Fi

Der Massenappeal ihres Debüts STARS OF CCTV machte die Band aus Staines 2005 zu einer Art Robbie Williams als Band. Der Nachfolger ONCE UPON A TIME IN THE WEST wurde ihnen dann – besonders dessen aufdringlich unaufdringliches Artwork – um die Ohren gehauen und das dritte Album KILLER SOUNDS wurde seinem Titel wirklich nicht gerecht. 2014 erschien schließlich ein Best-of-Album. Im selben Jahr gab es eine letzte ausverkaufte London-Show. Danach war Schluss.

Mystery Jets

Auf sechs Alben hat es die psychedelisch angehauchte Band um Sänger Blaine Harrison und seinen Vater Henry bislang gebracht, zuletzt CURVE OF THE EARTH (2016). Waren 2017 Teil der Abschiedstour der Maccabees. Scheinen sich aber kein Beispiel daran nehmen zu wollen und touren auch 2018 weiter durch die Festivallandschaft Europas.

The Rascals

Die Band um Miles Kane existierte gerade mal zwei Jahre, von 2007 bis 2009. Ihr Album RASCALIZE stand 2008 nur eine Woche in den UK-Charts – auf Platz 100. Eine erstaunliche Pleite, zumal Kane zwei Monate davor mit Alex Turner als The Last Shadow Puppets Rang eins erreichte. Kane gab die Rascals 2009 auf, um solo als Popstar Karriere zu machen. Ist ihm mit seinen bisher drei Soloalben eher so semi gelungen.

Milburn

Das große Verdienst der Sheffielder ist es wohl, als Steigbügel für eine Band aus der Nachbarschaft namens Arctic Monkeys gedient zu haben. Lösten sich 2008 auf, um 2016 zum Zehnjährigen ihres Debüts WELL WELL WELL zwei ausverkaufte Shows in Glasgow und Sheffield zu geben. Fanden es so toll, wieder zusammen auf der Bühne zu stehen, dass sie 2017 eine Europatour spielten und ihr drittes Studioalbum TIME aufnahmen und veröffentlichten.

Little Man Tate

Hätten mal bei einer Musikexpress-Veranstaltung spielen sollen, sagten dann in letzter Sekunde mit fadenscheiniger Begründung ab. Gott ließ Gerechtigkeit walten und die Karriere der Sheffielder mit deren zweitem Album – 2008 Platz 80 im UK – gegen die Wand fahren. Ein Jahr später wurde der Split verkündet. Gitarrist Edward Marriott arbeitet heute als Musiklehrer in London, Sänger Jon Windle versuchte sich als Solosänger, ließ es nach zwei Alben wieder sein und arbeitet heute im Musikmanagement. Die interessanteste Karriere schlug Bassist Ben Surtees ein: Er ist seit Bandende DJ bei einer Krankenhaus-Radiostation.

The Rakes

Mit Hits wie „22 Grand Job“ und „Strasbourg“ war die Band um den charismatischen Alan Donohoe 2005 auf allen Indie-Tanzböden präsent. Vier Jahre später trennten sich die Londoner – angeblich, weil sie nicht mehr 100 Prozent ihrer Kraft in jedes Konzert stecken konnten. Sänger Donohoe veröffentlichte 2013 als The Champagne Campaign die cheesy Single „Denis And Margaret“ und ließ es danach mit der Musik sein. Arbeitet seit 2015 als Softwareentwickler in Brighton.

Maxïmo Park

2012 kehrte die Gruppe aus Newcastle nach dem gefloppten, etwas experimentellen QUICKEN THE HEART auf THE NATIONAL HEALTH zum energetischen Rock ihrer Anfangstage zurück – etwas zu gewollt und ohne viel Neues zu sagen zu haben. Zum zehnjährigen Jubiläum ihres Debüts A CERTAIN TRIGGER gingen Maxïmo Park 2015 auf Tour – und spielten das komplette Album durch. Veröffentlichten 2017 ihr aktuelles, sechstes Studioalbum RISK TO EXIST. Sänger und Duracellhäschen Paul Smith bringt zudem immer wieder mal Soloalben heraus.

The Kooks

Verhielten sich zur Szene wie die Bay City Rollers zum Glamrock. Nach einem europaweit Radios mit Hits versorgenden Debüt gingen der Band aus Brighton bereits auf dem Nachfolger KONK die Ideen aus. JUNK OF THE HEART erreichte 2011 diverse Top Tens, hatte aber keine Langzeitwirkung. 2014 folgte mit dem Album LISTEN der Versuch einer Neuausrichtung – so auch auf dem aktuellen, 2018 erschienenem Album LET’S GO SUNSHINE.

The Enemy

Ihr Debüt WE’LL LIVE AND DIE IN THESE TOWNS ging 2007 direkt auf Platz eins in England und warf mit „Away From Here“ einen der Indie-Disco-Hits der Saison ab. Das zweite Album der Band um Großmaul Tom Clarke konnte die hohen Erwartungen nicht erfüllen, mit dem dritten musste sie sich von den großen Bühnen verabschieden. Das vierte Album, IT’S AUTOMATIC (2015), war dann das letzte von The Enemy. Die Band trennte sich, Sänger Tom Clarke nannte unter anderem Gesundheitsprobleme als Grund.

Razorlight

2006 sah es so aus, als wäre die Band um Narziss Johnny Borrell auf dem Sprung, die größte Europas zu werden. Ihr MOR-Rock wie „America“ eroberte alle Playlisten. SLIPWAY FIRES war 2008 dann aber wohl selbst größten Softrock-Fans zu glatt. Danach wurde es jedoch stiller und stiller um die Londoner Band. Ein Mitglied nach dem anderen verließ Razorlight, Borrell floppte als Solomusiker. 10 Jahre nach SLIPWAY FIRES erscheint mit OLYMPUS SLEEPING im Oktober ein neues Razorlight-Album.

Texte: Stephan Rehm Rozanes und Dominik Sliskovic

 

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