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Disarstar im Interview: „Manchmal ist es auf eine absurde Art schön, traurig zu sein“

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„Springer enteignen, FDPler vertreiben, Faschos ins Lager, Für bessere Zeiten“. An radikalen Statements fehlt es Disarstar offensichtlich nicht. Wie bereits auf seinem vorherigen Album DEUTSCHER OKTOBER, bemüht sich der Rapper aus Hamburg auf seinem neuen Werk ROLEX FÜR ALLE um eine klare und ungefilterte Sprache, die er nutzt, um soziale Missstände anzusprechen, die Konsequenzen neoliberaler Politik zu benennen und den Kapitalismus als System zu attackieren. Im Video-Interview sprachen wir mit Disarstar über eine Aktion zum Thema „Defensive Architektur“, seine Herangehensweise an Songs, den Beitrag von Kunst zum politischen Diskurs und über eine melancholische Seite des Rappers, die auf der zweiten Hälfte des Albums zum Vorschein kommt.

Schaut Euch hier das ganze Video-Interview an:

Disarstar organisiert Protestaktion zum Thema „Feindliche Architektur“

Mit einer Protestaktion auf Social Media machte er auf stadtpolitische Strategien zur Vertreibung von Obdachlosen aufmerksam. Unter „Defensiver Architektur“ versteht man eine spezielle Gestaltung des öffentlichen Raumes, die darauf abzielt, Obdachlose aus den Stadtzentren fernzuhalten. Für die Aktion ließ sich Disarstar dabei filmen, wie er Metallstangen von einer öffentlichen Mauer (die verhindern sollen, dass Obdachlose dort schlafen) mit einer Flex-Maschine demontiert. Die Aktion, die den Titel „Nicht mal das Mindeste“ trägt, erhielt viel Zuspruch auf Social Media und wurde von vielen prominenten Personen geteilt. Im Interview gab uns Disarstar ein paar Hintergrundinformation zu der Aktion.

„Ich bin kein Weltverbesserer. Auch mit der Aktion habe ich nicht die Welt gerettet. Es ist ein symbolischer Akt gewesen, mit dem ich ein Bewusstsein schaffen wollte. Auch im Hinblick auf die aktuelle wirtschaftliche Situation. Es ist zu erwarten, dass die Zahl der Obdachlosen in den nächsten Jahren steigen wird. Und jetzt kommt zusätzlich der Winter. Ich wollte mit dem Video Leute sensibilisieren und klar machen, dass wir hier von Menschen sprechen, die auch als solche behandelt werden wollen.“

Für die Protestaktion „Nicht mal das Mindeste“ griff Disarstar zur Flex-Machine:

Disarstar zeigt seine gefühlvolle Seite

Dass der Hamburger Rapper nicht immer auf Krawall gebürstet ist, sondern auch Emotionen in Songs verpacken kann, zeigt er auf Songs wie „Palace Walls“, „Supergirl“ oder auch „Ode an die Traurigkeit“. In Letzterem setzt sich Disarstar mit der befreienden Wirkung des Weinens auseinander. In jungen Jahren hatte der Musiker immer wieder mit Schicksalsschlägen zu kämpfen: früher Auszug aus dem Elternhaus, Alkohol- und Drogenprobleme und eine Bewährungsstrafe wegen gefährlicher Körperverletzung. All dies liegt bereits etwas zurück, doch auch heute gibt es für Disarstar, der sich fortlaufend mit weltpolitischem Geschehen auseinandersetzt, immer wieder einen Anlass, um sich der Trauer hinzugeben, um nicht „auszurasten“.

„Die Trauer, von der ich in dem Song ‚Ode an die Traurigkeit‘ spreche, ist nicht destruktiv. Das hat man eher bei einer starken Depression. Melancholie ist eher was Schönes. Ich hatte viele Momente in meinem Leben, in denen es auf eine absurde Art schön war, traurig zu sein. Traurigkeit ist ein sehr intensives Gefühl, das einen ganz nahe zu sich selbst bringt. Dieses Gefühl ist für mich immer auch eine Triebfeder gewesen. Das so zu nutzen, muss man aber auch können.“

„Supergirl“ gehört zu Disarstars gefühlvollen und poppigen Songs:

Das Album ROLEX FÜR ALLE von Disarstar ist am 14. Oktober 2022 erschienen. Hier im Stream hören:


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