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Eindrücke & Fotos

Hurricane Festival 2018: 5 Momente, in denen Frauen die Hosen anhatten


Bei Festivals dominieren häufig männliche Acts das Line-up – mangelndes Talent seitens der Künstlerinnen? Wohl eher nicht. Mit Paradebeispielen wie St. Vincent, Garbage, Yeah Yeah Yeahs, The Kills, The Distillers, Wolf Alice, The Pretenders, Blondie, Alabama Shakes, Juliette Lewis und Sheer Mag dürfte klar sein, dass Frauen genauso viel auf einer Festivalbühne zu suchen haben wie ihre männlichen Kollegen. Das Problem liegt woanders.

So jedenfalls würden einige Festivalplakate aussehen, wenn man die männlichen Acts rausstreicht – da bleibt viel Zeit für Bierpausen:

Hurricane und Southside Festival zeigten mit ihrem Line-up jetzt aber, dass es auch anders geht: 65.000 Besucher feierten diese Momente, in denen Frauen auf der Bühne richtig abgeliefert haben:

SXTN

„Jetzt sind die Fotzen wieder da!“ Gleich die Eröffnungsworte machen deutlich, was das Publikum von Nura und Juju erwarten kann. Das Berliner Hip-Hop-Duo kam gerade bei den jüngeren Festivalzuschauern gut an, weil es nicht nur derbe Lines schmettert, sondern auch klar macht, dass man als Frau was zu sagen hat und sich gerade im Rap-Business als Person mit weiblichen Geschlechtsmerkmalen einen Scheiß gefallen lassen muss.

Kraftklub

https://youtu.be/2gs2J-QpkFE?t=27m06s

Eine Band ist immer nur so gut wie die Gang, die dahinter steht! Kraftklub brauchen keinen Schwanzvergleich und holten sich für das Hurricane einfach Unterstützung von einer Armada an saucoolen Tänzerinnen. Das macht auch optisch was her – nicht weil es „junge, hübsche Dinger“ sind, sondern weil man von ihrer wahnsinnigen Synchronshow schlichtweg geplättet ist.

Arcade Fire

Régine Chassagne ist untrennbar mit dem Sound von Arcade Fire verbunden – die Sängerin zeigte beim Hurricane-Auftritt ein weiteres Mal, dass ihr die hohen Töne der „Everything Now“-Songs besonders liegen. Und die Band-Symbiose stimmt ohnehin: Hier muss überhaupt nicht darüber nachgedacht werden, ob die Frauenquote stimmt – mit Verstand kommt man einfach selbst darauf, wer wie wann gut klingt.

https://www.instagram.com/p/BkcK2yOgwwj/

Deap Vally

Deap Vally sind der Prototyp für selbstbewussten Rock ’n‘ Roll: Das Duo aus Los Angeles röhrt einfach drauf los – mehr als tiefen Gitarrensound, Lindsey Troys einzigartige Dive-Bar-Stimme und ein Schlagzeug braucht es nicht, um schon am frühen Nachmittag vollends zu überzeugen.

London Grammar

Hannah Reid, Frontfrau von London Grammar, übertönte am Freitagabend sogar die Broilers (mit der saucoolen Bassistin Ines Maybaum) auf der Green Stage nebenan. Für „Rooting For You“ setzte sich die Sängerin auf den Bühnenrand und sang einfach drauf los, erst gegen Ende stimmten die Bandkollegen Dan Rothman und Dominic Major instrumental ein – einer der gewaltigsten Momente des gesamten Festivaltags.

Und das war längst nicht alles: Mit Künstlerinnen wie Haiyti, Yonaka und Kat Frankie lieferten noch viele andere starke Live-Sets ab – so darf es in den nächsten Jahren gern weitergehen.

Darum gibt es noch immer weniger weibliche Acts

Melvin Benn, der Veranstalter der britischen Festivals Reading, Leeds und Latitude, gibt zu: „Wir holen die Bands, für die die Leute Tickets kaufen, weil sie sie live sehen wollen—es ist also die Öffentlichkeit, die die Entscheidung darüber trifft, welche Bands auf Festivals spielen.“ Ein Festival aufzuziehen, sei schließlich mit großem Risiko verbunden. „Warum gibt es keine Metalband wie Metallica in weiblich? Darauf weiß ich leider auch keine Antwort.“

Natürlich spielen neben dem Publikumsinteresse auch zahlreiche andere Faktoren eine Rolle bei der Line-up-Gestaltung: Verfügbar- und Bezahlbarkeit der Acts zum Beispiel. Aber auch gesellschaftlich muss sich noch eine Menge tun. Noch immer ist es so, dass Frauen lieber im Publikum stehen, statt selbst zum Instrument zu greifen – was daran liegen kann, dass sie es sich nicht vorstellen können, Anerkennung für eigene Musik zu bekommen.

Solche Sprüche können deshalb in Zukunft gerne dorthin getwittert werden, wo sie hingehören: ins vorletzte Jahrhundert. Und nicht vergessen: Hierbei geht’s nicht um eine stumpfe Frauenquote, sondern schlichtweg darum, sich intensiver mit Musik und ihrer Vielfalt zu beschäftigen. Und darum sind wir ja schließlich alle hier, oder?

Unsere Eindrücke und Fotos vom Hurricane-Freitag findet Ihr hier, vom Samstag wiederum hier. Der Vorverkauf für Hurricane und Southside 2019 beginnt derweil bereits.


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