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John Boyega über „Star Wars“-Erfahrung: „Ich bin in einer Branche, die nicht mal bereit für mich war“

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John Boyega hat sich bei den „Black Lives Matter“-Protesten immer wieder mit deutlichen Worten hervorgetan. Bei einer Kundgebung Anfang Juni in London hielt er zum Beispiel eine leidenschaftliche Rede gegen strukturellen Rassismus, der endlich enden müsse. Zuletzt erklärte er: „Ich weiß nicht, ob ich hiernach noch eine Karriere haben werde, aber scheiß drauf!“ In einem Interview mit dem britischen „GQ“-Magazin führte er jetzt aus, was sich bereits an negativen Erfahrungen in der Branche bei ihm angesammelt hat.

Speziell für Disney, das Studio, das hinter den „Star Wars“-Verfilmungen steht, hat er keine netten Worte übrig. So sei der Fokus von Disney auf weiße Schauspieler*innen gelegt worden zu dem Zeitpunkt, als er als Sturmtruppler Finn dort in Erscheinung trat. In dem Interview formuliert Boyega: „Ich würde Disney sagen: Bringt keine Schwarze Figur heraus, vermarktet sie, als wäre sie viel wichtiger im Franchise, als sie ist, und drängt sie dann an die Seite.“ Damit prangert er die Promo für „Star Wars: Das Erwachen der Macht“ an, als er noch mehr im Mittelpunkt stand als danach in „Star Wars: Der Aufstieg Skywalkers“.

Im Gegensatz zu ihm wäre seinen weißen Kolleg*innen Daisy Ridley und Adam Driver in den Filmen auch mehr Charaktertiefe zugestanden worden. „Sie gaben alle Nuancen an Adam Driver, alle Nuancen an Daisy Ridley“, führt Boyega aus und fügt noch hinzu: „Daisy weiß das, Adam weiß das. Jeder weiß das. Ich enthülle hier nichts!“ Während des Gesprächs mit „GQ“ bezieht er diesen schlechten Umgang Disneys jedoch nicht nur auf sich, sondern auch auf andere Darsteller*innen, die People of Color seien. Naomi Ackie, Kelly Marie Tran und auch Oscar Isaac werden namentlich von ihm genannt – sie alle hätten lediglich kleine Parts in der Saga bekommen.

Neben der Frustration über Disneys Aktionen berichtet John Boyega auch über den Fan-Groll, mit dem er während der Ankündigung seiner Rolle in dem Franchise zu kämpfen hatte und gegen den Disney nicht viel ausrichtete. Er wäre das einzige Cast-Mitglied, dem derartige Reaktionen aufgrund der Hautfarbe entgegenschlugen. Wegen niemandem sonst wäre von einem Film-Boykott die Rede gewesen, niemand anderes hätte Morddrohungen in den sozialen Medien bekommen. Ihn frustriert dabei besonders, dass andere, die nicht seine Erfahrungen gemacht hätten, diese nicht mal verstehen wollten. Seine traurige Feststellung: „Ich bin in einer Branche, die nicht mal bereit für mich war.“

Obwohl John Boyega nicht mehr in „Star Wars“ zu sehen sein wird, kann man sich auf weitere spannende Projekte mit ihm freuen – beispielsweise in Steve McQueens Serie „Small Axe“.


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