Johnny Depp äußert sich zu Cancel Culture: „Niemand ist sicher“

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Johnny Depp sah sich in den letzten Wochen und Monaten mit schweren Anschuldigungen konfrontiert. Im noch immer andauernden Rechtsstreit zwischen ihm und seiner Ex-Frau Amber Heard wird dem Schauspieler häusliche Gewalt vorgeworfen. Dieser bestreitet die Behauptungen, die das Gericht für „im Wesentlichen richtig“ befand, vehement und verklagte Heard kürzlich seinerseits wegen Verleumdung. Ein Ende des Prozesses ist bislang nicht abzusehen.

Seit Beginn des Rechtsstreits 2016 merkte Depp bereits in mehreren Interviews an, seine Auftragslage habe sich drastisch verschlechtert. Gegenüber der „Sunday Times“ sprach der 58-Jährige sogar von einem Boykott seiner Person seitens der Filmindustrie. So würden Produktionen mit ihm absichtlich zurückgehalten, um negative Aufmerksamkeit zu vermeiden. Depp hatte unter anderem seine Rolle in der „Phantastische Tierwesen“-Reihe im Zuge der Debatte aufgeben müssen.

Seinen Auftritt beim San Sebastian International Film Festival am Mittwoch (22. September) nutzte Depp nun, um sich öffentlich zur Debatte zu äußern. In einem Statement zur Cancel Culture machte er seinem Ärger über die Situation Luft und warnte: „Niemand ist sicher“.

„Es braucht nur einen Satz, dann ist kein Boden mehr da“

Der Auslöser für die Aussagen war eine Pressekonferenz, in der Depp zu seinem aktuellen Verhältnis zur Filmbranche befragt wurde. „Es ist eine sehr komplexe Situation, diese Cancel Culture, oder dieser Drang, sich ein Urteil zu bilden, der im Wesentlichen auf verschmutzte Luft hinausläuft“, entgegnete dieser daraufhin.

Auch wenn er der Meinung sei, die „Bewegungen“ seien „mit einer guten Absicht“ entstanden, gab er weiter zu bedenken: „Es ist so sehr aus dem Ruder gelaufen, dass ich Ihnen versichern kann, niemand ist sicher. Nicht einer von Ihnen, solange jemand bereit ist, etwas zu sagen“. Und weiter: „Es braucht nur einen Satz, dann ist kein Boden mehr da, der Teppich unter den Füßen ist weggezogen“.

Hierbei, betonte Depp ohne weitere Spezifizierungen, gehe es nicht nur um ihn. Auch andere Menschen in anderen Kontexten seien betroffen. „Es ist vielen Menschen passiert: Frauen, Männer, Kinder haben unter verschiedenen Arten von Unannehmlichkeiten gelitten. Leider denken sie an einem bestimmten Punkt, dass dies normal ist. Ist es aber nicht.“

Kritik von Außen

Das Filmfestival wurde von Anfang an von Protesten begleitet. Diese dürften vor allem auf der Tatsache beruhen, dass Depp im Zuge der Veranstaltungen den Donostia-Ehrenpreis verliehen bekam. Dieser stellt traditionell die höchste Auszeichnung im Zuge des Festivals dar.

Frauenverbände und Filmemacherinnen weltweit kritisierten die Entscheidung scharf. Der spanische Verband der Filmemacherinnen kommentierte via Twitter. „Was ist die Botschaft, die bleibt, wenn Männer, die wegen sexistischer Gewalt angeklagt werden, applaudiert, auf roten Teppichen fotografiert werden, umgeben von bedingungslos liebenden Fans?“

Festivaldirektor José Luis Rebordinos rechtfertigte die Preisvergabe indes. Er gab zu bedenken, es sei nicht die Aufgabe eines Filmfestivals, das Verhalten von Kunstschaffenden zu beurteilen, „sondern jene Menschen zu würdigen, die einen außergewöhnlichen Beitrag zur Filmkunst geleistet haben“. Depp bezeichneten die Verantwortlichen der Vergabe im Vorfeld als „einen der talentiertesten und vielseitigsten Schauspieler des zeitgenössischen Kinos“.


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