Kelly Osbourne kaum wiederzuerkennen: Bodyshaming-Debatte nach TikTok

Kelly Osbourne erntet massive Kritik für ihr verändertes Aussehen in einem Video. Die Debatte zeigt, wie schnell Sorge in Übergriffigkeit umschlägt.

Es ist wieder so weit: Ein neues Video, ein veränderter Körper – und das Internet fühlt sich berufen zu urteilen. Ein aktueller Clip von Kelly Osbourne hat eine hitzige Diskussion auf Social Media ausgelöst. Die 42-Jährige wirkt darin deutlich dünner als zuvor, ihr Gesicht verändert, ihr Auftreten fragiler. Für viele Nutzer:innen scheint das Grund genug, öffentlich zu spekulieren, zu diagnostizieren und zu bewerten. Was folgt, ist eine altbekannte Mischung aus vermeintlicher Sorge, moralischer Empörung und übergriffigem Interesse an einem weiblichen Körper.

Viral und verurteilt: Das TikTok-Video und seine Folgen

Ausgangspunkt der Debatte ist ein TikTok-Video, das binnen kürzester Zeit viral ging. In der Kommentarspalte überschlagen sich die Reaktionen. Der meistgelikte Kommentar lautet: „Oh Kelly, bitte hole dir Hilfe.“ Andere fragen: „Wer zum Teufel ist das?“ Wieder andere verweisen auf den kürzlichen Tod ihres Vaters Ozzy Osbourne und nutzen diesen als Entschuldigung und Rechtfertigung dafür, optische Veränderungen am Körper vornehmen zu dürfen, die aus dem gesellschaftlichen Rahmen fallen: „Sie ist gerade nicht sie selbst“, schreibt ein Fan. Auffällig ist dabei vor allem eines: Der Körper von Kelly Osbourne wird kollektiv zur öffentlichen Projektionsfläche erklärt – ohne ihr Einverständnis und ohne Rücksicht auf ihre Privatsphäre.

Das besagte Video, das prompt die Debatte auslöste:

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Die verzweifelte Suche nach Erklärungen

Besonders problematisch ist, dass die Community das Bedürfnis verspürt, eine Erklärung für ihre optische Veränderung zu erhalten. War es eine Gewichtsverlustspritze? Weitere plastische Chirurgie? Eine Trauerreaktion? Kaum jemand zieht die Möglichkeit in Betracht, dass Kelly Osbourne niemandem Rechenschaft schuldet. Dass Entscheidungen über den eigenen Körper – aus welchen Gründen auch immer – ausschließlich die betreffende Person etwas angehen, scheint im digitalen Tribunal kaum relevant zu sein.

Ein Leben unter Beobachtung

Kelly Osbourne ist zudem kein unbeschriebenes Blatt in der medialen Auseinandersetzung mit Körperbildern. Seit ihrer Jugend steht sie in der Öffentlichkeit. Von der Reality-Show „The Osbournes“ über „Fashion Police“ bis hin zu unzähligen Schlagzeilen über ihr Gewicht: Ihr Körper war nie einfach nur ihr eigener. Dass viele nun darauf verweisen, sie habe in der Vergangenheit offen über Gewichtsprobleme gesprochen, wird genutzt, um erneut medizinische Spekulationen anzustellen – diesmal unter dem Deckmantel der „Sorge“. Dabei zeigt diese Debatte vor allem eines: den ungebrochenen Druck, dem Frauen – insbesondere prominente Frauen – auch 2026 noch ausgesetzt sind. Jede Veränderung wird seziert, bewertet und moralisch eingeordnet. Zu dick, zu dünn, zu operiert, zu „unnatürlich“. Es gibt anscheinend unsichtbare Regeln dafür, wie viel Veränderung „erlaubt“ ist. Und diese Regeln gelten fast ausschließlich für Frauen.

Kellys Appell für mehr Solidarität

Bereits im November 2025 äußerte sich Kelly Osbourne selbst zu den fortwährenden Angriffen auf ihr Aussehen. Sie zeigte sich enttäuscht darüber, dass vor allem erwachsene Frauen sie öffentlich beleidigen, und appellierte an mehr Solidarität unter Frauen. Diese Worte wirken heute aktueller denn je. Denn was sich in den Kommentarspalten abspielt, ist weniger Fürsorge als vielmehr internalisierte Misogynie.

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Dass diese Diskussionen unter dem Deckmantel des öffentlichen Interessen wohl noch viel Aufarbeitung benötigen, zeigte auch kürzlich die Debatte um Billie Eilish, die innerhalb kürzester Zeit Millionen Likes auf einen Instagram-Post holte, der sie mal nicht in Baggy-Klamotten zeigte. Skandalträchtig für das Internet.

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