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Kritik zu „Mission: Impossible – Fallout“: Sein Wahnsinn, unser Vergnügen

„Mission: Impossible – Fallout“ läuft seit dem 02. August 2018 in deutschen Kinos.

Die Deutungshoheit über gewisse Worte ist etwas, was uns in Deutschland ja seit längerer Zeit wieder beschäftigt: Bestes Beispiel ist das Wort „Heimat“, das seit geraumer Zeit hartnäckig von konservativen Kräften und rechten Menschenfeinden belegt wird. Und dessen Rückgewinn wahrscheinlich noch Jahre dauern wird.

Tom Cruise kämpft mit seiner „Mission: Impossible“-Reihe auch um die Deutungshoheit eines Wortes, beziehungsweise einer Aussage: Denn Cruise ist verrückt. Im Sinne von peinlich verrückt zum Beispiel, als er 2005 auf Oprah Winfreys Talkshow-Sofa hüpfend seine Liebe zu Katie Holmes beteuerte. Gefährlich verrückt, dazu von Macht und Geld besessen, scheint er durch sein Engagement bei der Sekte Scientology geworden zu sein.

„Mission: Impossible – Fallout“: Trailer

Das Image des irren Typen ist etwas, das Cruise sich in den vergangenen Jahren mehr und mehr bewusst anzueignen versucht. Allerdings sollen die Leute die Worte verrückt und Cruise nicht mehr in Zusammenhang bringen, wenn sie über das Privatleben des 56-Jährige reden. Sondern dann, wenn sie nach Superlativen dafür suchen, was der vielleicht letzte männliche Megastar Hollywoods auf der Leinwand anbietet. „Mission: Impossible – Fallout“ ist wahrscheinlich der Film, durch den Cruise die Deutungshoheit zurückgewinnt.

Absprung aus 7.500 Metern

Wider besseren Wissens erwischt man sich bei „Mission: Impossible – Fallout“ hinter der 3D-Brille bei dem Gedanken, dass dieser ganze Scientology-Scheiß von Cruise vielleicht doch einem höheren Zweck dient. Dass uns dessen privates Abdriften nämlich im Jahr 2018 genau den Helden beschert, von dem wir nicht wussten, dass wir ihn wollten. Cruise und sein Regisseur Christopher McQuarrie (oder auch Vasall, so genau weiß man das nicht) bringen nämlich nicht nur den klassischen, handgemachten Action-Blockbuster zurück. Sie haben ihn sogar perfektioniert, was ohne den Größenwahn des Hauptdarstellers wohl kaum möglich gewesen wäre.

Henry Cavill (r.) und Simon Pegg bekommen als Nebenfiguren genügend Platz zum Atmen.

Nach 22 Jahren lebt „Mission: Impossible“ nämlich nicht mehr von subtiler Spannung oder Rochaden in der Welt der Spionage. Die Filme werden schlichtweg um einige Action-Setpieces konstruiert, die Tom Cruise und Christopher McQuarrie schon immer einmal umsetzen wollten. Und so kommt es, dass Cruise als Geheimagent Ethan Hunt im zweiten Akt von „Mission: Impossible – Fallout“ nicht nur einfach aus einem Flugzeug springt, denn das wäre ja langweilig. Es muss schon ein Halo-Jump sein, also ein Absprung aus mehr als 7.000 Metern Höhe, weit über den Wolken.

Cruise hat diesen Sprung wirklich gemacht, ohne Absicherung und nach etlichen Tests. Mehrere Kameramänner fingen das Geschehen mit 3D-Kameras ein, im Kino fühlt sich die Szene dementsprechend echt an. Ein CGI-Blitz, der in Cruise‘ Nebenmann einschlägt lässt das Adrenalin noch weiter sprudeln, während Cruise im freien Fall tatsächlich noch schauspielert. Tom Cruise und sein Co-Star Henry Cavill (dessen Schnurrbart jetzt schon in die Kinogeschichte eingeht), landen am Ende der Szene auf dem Dach des Grand Palais in Paris und holen das Publikum mit einem Witz auch wieder auf den Boden. Warum sie unbedingt per Halo-Jump aufkreuzen mussten? Wen interessiert das schon, mehr davon!

Das Finale des Films ist eine Jagd mit Helikoptern.

„Mission: Impossible – Fallout“ nimmt seine Inszenierung angemessen ernst, die Handlung aber ganz bewusst nicht. Die Intrigen verschiedener Geheimdienste und abtrünniger Agenten sind verworren und entladen sich in überraschenden Dialogen, in denen immer mehr Platz für Humor statt Sinn ist. Unnötig kompliziert kommt Ethan Hunt nach Paris, nach London und in die Kashmir-Region, in der er dann gleich zwei Atombomben entschärft werden müssen – natürlich in allerletzter Sekunde, an einem Berg hängend, unter Beschuss.

Der Held wird zusammengeschlagen

Die Welt, sie wird eh nicht untergehen, solange Agent Ethan Hunt noch am Leben ist. Tom Cruise hat die Figur im Laufe der sechs „Mission: Impossible“-Filme zu einem Superhelden ohne Superkräfte gemacht, allerdings auch zu einem, der mittlerweile das Scheitern im Kleinen lernen muss. Damit sich die Zuschauer nicht darüber lustig machen können, dass dem 56-Jährigen auf Anhieb alles gelingt, werden er und Henry Cavill (der anscheinend seine Fäuste nachladen kann) in „Mission: Impossible – Fallout“ in einem jetzt schon ikonischen Kampf auf einer öffentlichen Toilette gleich beide komplett zusammengeschlagen und sind auf fremde Hilfe angewiesen.

Als Cruise an einem bereits fliegenden Helikopter hochklettern möchte, ist sein Bein nicht beweglich genug und er stürzt einige Meter nach unten. Keine Angst: Der zweite Anlauf sitzt, aber Ethan Hunt ist eben nicht mehr der Jüngste. „Mission: Impossible – Fallout“ verbindet in der Szene Selbstironie und Spektakel. Oder auch, wenn Tom Cruise eine völlig bizarre Strecke über den Dächern Londons rennt und springt und sich ganz real den Knöchel bricht, nur um möglichst glorreiche Panoramen für die Kamera einzufangen. Der ehemals perfekte Star ist hier Weltretter und ein bisschen Witzfigur zugleich, wodurch sein alter Glanz tatsächlich vollends zurückkehrt.

„Mission: Impossible – Fallout“: Wie geht es weiter?

Ob Tom Cruise noch einen weiteren, einen siebten „Mission: Impossible“ drehen wird? Derzeit betteln erste Zuschauer und Kritiker schon darum, das Finale von „Fallout“ lässt aber nicht darauf schließen. Cruise hat sich gerade allein (!) am Steuer mit einem Helikopter einige Gebirgsschluchten heruntergeschraubt, alle Nebenfiguren wurden auserzählt, sogar ein emotionaler Bogen zum dritten Teil der Reihe (2006) geschlagen. Cruise und McQuarrie wissen, dass sie diesen Film nie toppen könnten. Allein der Versuch wäre verrückt…

Paramount
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