Künstlerin der Woche

Künstlerin der Woche: Helena Hauff

Dass eine bekennende Raucherin wie Helena Hauff ihr neues Album QUALM nennt, zeugt einerseits von ihrem feinen Humor. Kaum ein Pressefoto, auf dem sich die Hamburgerin nicht mit Kippe präsentiert, während ihrer energetischen Clubsets wippte zwischen ihrem wild umherfliegenden, schwarzen Haar immer auch das glimmende Ende ihrer Zigarette zum Beat.

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In Zeiten von Gesundheitswahn und Healthy Living ist der DJ-Lifestyle zwischen Rauchschwaden und Tequila die gesellschaftliche Antithese. Irgendwie oldschool – so wie Hauff und ihr Sound, den sie wie auf ihrem Debüt DISCREET DESIRES immer noch hauptsächlich durch analoge Drum Machines und Synthesizer generiert.

„Here’s the album. Hope you like it, it’s raw“

Das englische Wort QUALM steht andererseits übersetzt aber auch für das unbehagliche Gefühl des Zweifels, der Sorge oder Angst – besonders im Bezug auf das eigene Verhalten. Wobei sich dieses Gefühl in Helena Hauffs roughem Sound augenscheinlich wohl kaum widerspiegelt. Mit ihrem Mix aus Acid Techno, Electronic Body Music und Industrial wird sie als Postergirl des Electro-Revivals gefeiert. Von ihrer Homebase aus, dem Hamburger Golden Pudel Club, füllt sie damit mittlerweile Clubs auf der ganzen Welt.

„Here’s the album. Hope you like it, it’s raw“ kündigte Helena Hauff QUALM, das am Freitag erscheint, bei ihrem Label Ninja Tune in einer simplen Mail an. Der düstere Kurzfilm, den sie vorab veröffentlichte, spricht definitiv dafür:

https://www.youtube.com/watch?v=LshgsgCOPvQ&feature=youtu.be&utm_source=GSA+Print+ALL&utm_campaign=595b5a777c-EMAIL_CAMPAIGN_2018_07_24_02_36&utm_medium=email&utm_term=0_b8c22f0818-595b5a777c-292534581

„Auffällig auf Hauffs zweitem Album QUALM ist die Fokussierung auf/die Inszenierung von Beats und Drums, die vor allem in der ersten Hälfte eine tribalistische Sogwirkung entfachen“, bilanzierte ME-Chefredakteur Albert Koch in seinem Review.

Für unsere aktuelle Sommerausgabe hat er die Hamburgerin zum Interview getroffen und mit ihr über die Absurdität des Feierns, „weird shit“ und die Liebe zu Vinyl gesprochen.

Hier ein Auszug aus dem Interview:

Musikexpress: Die Einflüsse, die deiner Musik zugeschrieben werden, Elektro, ein bisschen Detroit Techno, EBM, Industrial. War das die Musik, die du früher gehört hast oder noch hörst? 

Helena Hauff: Das ist die Musik, die ich immer noch höre. An Detroit und Chicago habe ich mich sehr abgearbeitet. Von Detroit war ich sehr schnell sehr begeistert, auch von Deep House, Moodymann und Theo Parrish und solchen Geschichten. Und Elektro aus Detroit. Damit hat es angefangen, dann kam ein bisschen Industrial dazu. Später habe ich mich für das Bunker-Label und die holländische Szene interessiert. Die Bunker-Sachen sind ja sehr hart und darüber kam ich dann auch zu EBM und Industrial. Weil ich mich fragte, woher das kommt und was es da noch gibt. Dann habe ich die Vorläufer aus den 80ern entdeckt, Throbbing Gristle und die ganzen Geschichten. Ich bin antichronologisch vorgegangen. 

Das ist aber ganz normal. 

Das ist normal in meinem Alter. Die 80er habe ich nicht miterlebt, die 90er nicht so bewusst und dann habe ich in den 2000ern angefangen, bewusst Musik zu hören. Ich war immer sehr daran interessiert, zu wissen, wo die Musik herkommt, von welcher anderen Musik sie inspiriert ist. 

Du hast vorhin vom Unterschied gesprochen zwischen Produzieren und Auflegen. Irre ich mich, oder baust du deine Alben auf wie DJ-Sets …  

Ja! 

… das ist mir bei deinem neuen Album QUALM aufgefallen. 

Ich versuche meine Alben schon wie DJ-Sets aufzubauen. Ich als DJ gehe das natürlich mit einem DJ-Ansatz an. Es ist mir auch sehr wichtig, dass die Tracks in der Abfolge soundmäßig Sinn ergeben und von der Textur des Sounds, dass es ineinanderfließt. 

Es gibt nichts Langweiligeres, als wenn das zweite Album ein Aufguss des ersten ist. Du hast jetzt zwei Alben und eine Compilation draußen und alle unterscheiden sich stilistisch in Feinheiten. Passiert das bei dir intuitiv oder absichtlich? 

Das war schon eine bewusste Entscheidung. Ich bin bei DISCREET DESIRES, quasi mein zweites Album, wenn man A TAPE als erstes Album ansieht, in eine für mich eher poppigere Richtung gegangen. Die Tracks hatten Songstrukturen. Als ich angefangen habe zu produzieren, wollte ich Musik machen, wie sie auf Bunker veröffentlicht wurde: eine Drum Machine, ein Synthesizer, Jammen, und das ergibt die Energie. Die Einfachheit dieser Tracks hat mich immer fasziniert. Ich wollte auf QUALM zurück zu diesem relativ simplen, zurückgenommenen, direkten Sound, das ist ein Maximalsound, der irgendwie minimalistisch ist. 

Du sagst, DISCREET DESIRES wäre poppig, das „poppig“ müsste aber in doppelten Anführungszeichen stehen, weil es ja doch sehr weit entfernt ist von dem, was der normale Mensch unter Pop versteht. 

(lacht) Ja. Es ist natürlich überhaupt nicht poppig, aber es hat so Synth-Pop-Einschläge. Die einzelnen Tracks haben Songstrukturen mit einem Anfang, einer Bridge und einem Chorus – also fast. Ich hatte damals total Lust drauf, wusste aber auch schon, dass das nur für ein Album sein wird.  

Das vollständige Interview findet ihr unserer aktuellen Ausgabe. Helena Hauffs Album QUALM erscheint am Freitag, 3 August auf Ninja Tune. 

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Hört hier in „No Qualms“ rein:

https://www.youtube.com/watch?v=rGhuq40Ru4s

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