Nummer Eins: Jochen Overbeck über „Timber“ von Pitbull Feat. Ke$ha

Die nächtliche Freizeitgestaltung der Fun-Generation ist strikten Regeln unterworfen, etwa jener, dass jede Hedonistentätigkeit einen Claim benötigt, um als solche identifiziert werden zu können. Die Horden sogenannter Ausgehender, die sich in Gefahrenzonen wie der Hamburger Reeperbahn oder der Berliner Simon-Dach-Straße durch die Etablissements saufieren, rufen sich also gerne „Leider geil“, „Döp Döp Döp“ oder einzelne Textfetzen aus Oasis-Songs zu.

Telefonanrufe bei zwölf von unserem Redaktionscomputer zufällig ausgewählten Amerikanern ergaben: Der Ausdruck „Timber“ ist dabei, sich zumindest in den USA den Weg in diesen Kanon zu ebnen. Das nicht hoch genug einzuschätzende Verdienst daran tragen Pitbull und Ke$ha und ihr vorliegender Hit, in dem es ganz offenbar um eine Nacht in der Diskothek geht.

„Timber!“ rufen jedoch eigentlich Holzfäller (Sie wissen schon, die wunderschönen Gesellen aus dem Monty-Python-Sketch), wenn sie einen Baum gefällt haben. Damit warnen sie all die Menschen,die sich dort befinden, wo eventuell scharfkantiges Altholz einschlagen könnte. Subtext des Popsongs: Ordentliches Abfeiern ist ähnlich gefährlich wie ein Nachmittag im Wald. Eine These, der die Early Adopters von den Lokalmatadoren vermutlich zustimmen würden. Die nannten schon vor 13 Jahren eine ihrer Kompositionen „Gut Holz“, schafften es damit aber nicht an die Spitze der Hitparaden, was womöglich am Video lag: Es gab nämlich gar keines!

Für den Clip zu „Timber“ dagegen wurde ordentlich Geld in die Hand genommen, neben Wodka mit Zitronengeschmack – aus Servicegründen wird der Name der offenbar sehr empfehlenswerten Marke im Songtext einige Male erwähnt – leisteten sich die Requisiteure einen Steg samt Meer, vier Pferde, ein altes Wagenrad, ein pinkfarbenes Sakko aus dem Flippers-Abverkauf und etwas Stroh. Das sind Accessoires, mit denen man womöglich auch im bundesdeutschen Nachtleben punkten kann. Verehrte Spätkaufläden der Republik, bitte bevorraten Sie sich jetzt!

Diese Kolumne ist in der März-Ausgabe 2014 des Musikexpress erschienen.

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