Highlight: Serien wie „13 Reasons Why“: Diese Serien erzählen von Außenseitern und sozialem Druck

Interview

Louis Hofmann im Interview: „Wir versuchen mit ‚Dark‘, ein ‚Lost‘-Desaster zu vermeiden“

Louis Hofmann ist der deutsche Schauspiel-Newcomer der Stunde. Seit 13 Jahren schon steht der heute 22-jährige aus Köln stammende Wahlberliner vor der Kamera, 2012 spielte er in der Comedyserie „Danni Lowinski“ mit, einem größeren Publikum ist er seit den Familienfilmen „Tom Sawyer“ und „Die Abenteuer des Huck Finn“ sowie der „Lammbock“-Fortsetzung „Lommbock“ ein Begriff. Internationale Aufmerksamkeit erregte Louis Hofmann 2017: In der ersten deutschen Netflix-Serie „Dark“ spielt er die Hauptrolle des Jonas Kahnwald. In der zweiten, seit Juli 2019 im Stream verfügbaren zweiten Staffel des Mystery-Hypes wird Hofmanns Figur noch zentraler. Die dritte und finale Staffel der Zeitreisetrilogie wird gerade in Berlin und Brandenburg gedreht.

Louis Hofmann spielt Jonas Kahnwald in „Dark“.

In einer Drehpause findet Louis Hofmann Zeit für Interviews anlässlich seines neuen Kinofilms: Im 2017 gedrehten und am 29. August 2019 in die Kinos kommenden Drama „Prélude“ spielt Hofmann den 21-jährigen Klavierstudenten David, der mit dem Druck der Hochschule und der Konkurrenz nur schwer klarkommt. An einem sonnigen Nachmittag im Juli sitzen wir im Innenhof des Filmverleihs in Berlin-Schöneberg, Schlagzeuger Hofmann freut sich über den mitgebrachten Musikexpress und blättert darin. 

Musikexpress.de: Wo wir gerade über Sam Fender reden: Was hörst du privat für Musik?

Louis Hofmann: Indie, Alternative, manchmal Soul. Balthasar, Dope Lemon, Papooz, Parcels, so Zeug.

In deinem neuen Film bist du selbst Musiker. Konntest du vorher schon Klavier spielen?

Ganz sporadisch. Ich konnte Akkorde legen und mich beim Singen begleiten. Für alles Weitere habe ich aber richtig geackert.

Spielst du ein anderes Instrument?

Ich habe früher viel Schlagzeug gespielt, auch in einer Band mit meinem Bruder. Bis ich aus Köln wegzog. Das war cool, wir haben sogar auf kleinen Dorffestivals gespielt! Ich hätte wieder Bock darauf und habe auch wieder angefangen Schlagzeug zu spielen. In Berlin fehlte mir bisher das Umfeld und ein Proberaum.

Hast du Klavier eh aus Privatvergnügen gelernt? Hattest doch sicher das Glück, zur Filmvorbereitung dafür bezahlt zu werden.

Wir wollten in „Prélude“ eine Authentizität kreieren und es nicht lächerlich aussehen lassen. In Filmen wird oft nur so getan, als würde ein Instrument gespielt werden und du siehst es einfach.

Auf Bühnen beim Playback auch.

Das ist ja schon wieder witzig, wenn der Drummer plötzlich in der Luft spielt!

Fernsehgarten-Style!

Das wäre dem Metier nicht gerecht geworden. Auch Musikstudenten, wie ich einen spiele, sollen mit dem Film etwas anfangen können und sich in der Figur wiederfinden. Da dürfen wir beim Klavierspiel keine Abstriche machen. Deswegen habe ich über zwei Jahre hinweg immer wieder Workshops besucht mit unserem Klavierlehrer, da ging es auch um Haltung. Zwei Monate vor Drehbeginn habe ich intensiv 4-5 Tage pro Woche mehrere Stunden Unterricht gehabt und danach weitergeübt.

Man kann als Erwachsener also auch noch was lernen, ja?

Ja, aber ich kann zum Beispiel keine Noten lesen. Schlagzeugnoten, die kann ich, brachte mir fürs Klavierspiel bloß nichts. Was mir etwas brachte, war die gelernte Unabhängigkeit der beiden Hände und ein Rhythmusgefühl. Ich habe alles über Videos gelernt, habe mir das Spiel vom Klavierlehrer abgefilmt und zuhause Ton für Ton nachgespielt. Die ersten Wochen waren richtig frustrierend. Nichts klappte so, wie ich es mir vorstellte. Langsam bekam ich ein Gefühl für das Instrument, dann fing es an Spaß zu machen. Die Rollenvorbereitung fand deshalb nicht nur im technischen, sondern auch im emotionalen Sinne statt. Ich bin der Figur über das Klavierspiel extrem nahe gekommen.

Wie gefällt dir der Film?

Mir gefällt der Film ziemlich gut, und nein, das muss ich nicht sagen.

Ist das Ergebnis so geworden, wie du es dir während des Drehs vorgestellt hast?

Nein, das Drehbuch wurde während des Drehs verändert, war ursprünglich doppelt so lang. Die getroffenen Entscheidungen finde ich aber gut: Im Drehbuch hatte meine Figur David immer wieder Ausbrüche und einen großen, in dem er seine Dozentin ankackt und all den Frust rauslässt, den er in sich trägt. Das Öffnen dieses Ventils ist gut für die Figur – aber nicht, wenn man am Ende erzählen möchte, was wir erzählen wollten. Es geht bei der Figur eben darum, dass alles unter der Oberfläche in ihr brodelt und sie nichts rauslässt, mit niemandem darüber redet. Hätte es diesen Ausbruch gehabt, hätte ich das Ende nicht verstanden.

Gut, dass du es so erklärst. Es stimmt, man sieht das Ende nicht kommen. Es kam mir deshalb aber auch überzogen vor. Ich dachte: So schlecht ging es David doch nun wirklich nicht. Eine Meinung, die ja auch mehr über mich als über den Film verrät: In Wahrheit kann natürlich kein Außenstehender beurteilen, wie es anderen geht.

Naja, vielleicht hat es der Film bei dir auch einfach nicht geschafft, dich emotional genug mit der Rolle zu verknüpfen. Nicht genug, damit du dieses Ende nachvollziehen konntest. Die Sichtweise „Ach komm, passt schon“ ist ja auch ein Abbild unserer Generation, dessen, wie wir erzogen wurden und wie mit uns umgegangen wird. Viele sind noch immer der Überzeugung, dass Druck der richtige Weg ist, um Positives hervorzuholen. Völlig absurd und verquer finde ich das. Das, was gezeigt wird im Film, ist vielleicht auch gar kein so immenser Unterschied zu einigem, was wir aus dem Freundes- und Bekanntenkreis kennen. Wir wollten zeigen, dass der gesellschaftliche Druck Schlimmes auslösen kann. Dass er Menschen kaputt macht. Mich als Schauspieler schränkt Druck, auch wenn ich ihn mir hauptsächlich selbst mache, ein. Mich macht er weniger frei in dem was ich tue.

Netflix

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