Erster Eindruck

Mit „#WYKAT“ gibt MTV sich einen Bildungsauftrag – und Marginalisierten eine Stimme

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Mit „What You Know About That?“, kurz „WYKAT“, hat sich MTV Germany einen „offiziellen Bildungsauftrag“ zugelegt, wie der Sender erklärt. Sein Anliegen in dem neuen Videoformat auf Instagram ist es, marginalisierte Communities und medial unterrepräsentierte Themenfelder in den Fokus zu bringen. Jede Folge begleiten Gastbeiträge, von Menschen mit Expertise, die einen individuellen Einblick in das Leben betroffener Gruppen bieten. Auch das gesamte Team hinter den Kulissen – von Redaktion und Grafik bis Styling und Hair & Make-up – besteht aus BIPoC-Frauen.

Die Moderator*innen schlüsseln große Themenkomplexe wie Rassismus, Queerphobie und intersektionalen Feminismus auf und brechen sie demnach entsprechend herunter. Aber funktioniert das in gut zehn Minuten Sendezeit?

Am 18. Oktober veröffentlichte MTV Germany auf dem eigenen Instagram-Kanal die zweite Episode von „WYKAT“. Moderiert von Yasmin Ayhan, die schon öfter bei der WDR-Standup-Comedyshow „Night Wash“ auftrat, und produziert von der deutsch-afghanischen Journalistin und Moderatorin Wana Limar. Die aktuelle Folge geht der Frage nach, woher die Kritik an der Polizei kommt. Allein der Rechercheaufwand ist dem Redaktionsteam hoch anzurechnen – nicht nur die Liste an Quellen zeugt von viel Arbeit. Aber seht selbst:

 

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Vom Mittelalter bis ins Jetzt – strukturelle Probleme in der Polizei

Kritik an Polizei gibt es nicht erst seit kurzer Zeit. Spätestens seit der Black-Lives-Matter-Bewegung ist die Problematik sichtbarer. Laut Studien gebe es 12000 Fälle von mutmaßlich rechtswidrigen Übergriffen durch Polizeibeamt*innen, so Moderation Yasmin. Kritiker*innen, wie es in dem Video heißt, kritisieren an der Polizei, dass sie ein Gewaltmonopol inne hielt und es keine Instanz gäbe, die sie kontrolliere. Außerdem gehöre die Polizei zu den Säulen eines Systems, was von Grund auf ungerecht sei. Die Kritik ziele somit nicht auf individuelle Verantwortung, sondern auf das System und die Institution dahinter. Dass es sich hierbei um ein strukturelles Problem handle, wird stilistisch hervorgehoben – Yasmins Worte laufen in Slow-Motion. Die Aussagen sind mit Quellen belegt, die eingeblendet werden.

Die Funktion der Polizei, die Staatsordnung und deren mit Hierarchien aufrechtzuerhalten und die herrschende Klasse zu schützen, spannt sie vom Mittelalter bis in unsere Zeit. Noch heute gäbe es problematische Praktiken wie Racial Profiling, Cop-Culture und rechtsextreme Netzwerke innerhalb der Polizei, heißt es in der zweiten Folge von „WYKAT“.

„WYKAT“ – Info-Folge für Instagram-Suchtis

Die Moderatorin spricht von der Notwendigkeit, historisch-gewachsene Strukturen kritisch zu hinterfragen. In der nächsten Episode soll es um konstruktive Lösungsansätze gehen. Die Problematik und historische Einordnung wurde im rasantem Tempo, mit Memes und Zitaten heruntergebetet. Bei „WYKAT“ muss man auf jeden Fall aufmerksam zuhören um alles mitzuschneiden und Begriffe wie BIPOC (Abkürzung von Black, Indigenous, People of Color) sollten im besten Fall bekannt sein.

 

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Fazit: Die komplexe Thematik passt gerade so in zehn Minuten Sendezeit. Moderatorin Yasmin Ayhan erklärt das Thema Polizeigewalt schnell und umfangreich, aber verständlich, Wortwitze und Horst-Seehofer-Persiflagen sorgen für den nötigen Humor bei einem ernsten Thema. Die Expert*innen – in dieser Folge Rapper Jalil und die Journalist*innen Mohamed Amjahid und Seyda Kurt – bieten Background-Infos. Wer nicht zur Instagram-Generation gehört, könnte sich vom Tempo und der Flut an Informationen allerdings etwas erschlagen fühlen. Insgesamt arbeitet „WYKAT“ ein wichtiges Problem mit sauberer Recherche und Expert*innenwissen gründlich auf, das macht die Folge sehenswert. Formate, die große gesellschaftliche Zusammenhänge einfach herunter brechen, davon braucht es mehr.

Die nächste Folge „WYKAT“ soll am 1. November ausgestrahlt werden.


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