Highlight: Die besten Filme auf Netflix – sortiert nach Genre

Meinung

Netflix ist jetzt ganz offiziell die Resterampe für gescheiterte Kino-Projekte

Netflix hat sich am Wochenende die Rechte für den von Andy Serkis gedrehten Film „Mogli“ gesichert, im Frühjahr 2019 soll der die Dschungelbuch-Neuinterpretation weltweit in den Mediatheken der Kunden zu finden sein – ein Großereignis, möchte man meinen. Serkis, der via Motion Capturing als Gollum („Der Herr der Ringe“) und Caesar („Planet der Affen“) berühmt wurde, hat die Geschichte des Waisen Mogli, der im Dschungel auf diverse Tiere trifft und von ihnen aufgezogen wird, mit viel Auwand verfilmt.

Christian Bale und Cate Blanchett nehmen Sprechrollen ein, zogen sich für Serkis und dessen Film ebenfalls die Motion-Capturing-Anzüge an. Naomie Harris und Benedict Cumberbatch sind ebenfalls Teil des Films, der dazu noch in 3D gedreht wurde und ein Budget weit über 100 Millionen US-Dollar hat.

Trailer:

Auf dem Papier betrachtet hat sich Netflix also die Rechte an einem richtigen Blockbuster gesichert, bald den bisher teuersten Exklusivtitel im Angebot und kann damit neue Kunden anlocken. Betrachtet man allerdings, was eigentlich mit „Mogli“ passieren sollte, kann man auch zu einem anderen Schluss kommen: Netflix wird zur Resterampe für gescheiterte Kino-Projekte.

‚]Noch vor zwei Monaten hatten sich Andy Serkis und das Studio Warner Bros. auf den Kinostart von „Mogli“ gefreut. Im Oktober 2018 sollte der Film weltweit starten, in ersten Trailern wurde die visuelle Pracht und das Motion Capturing beworben. Die Leute sollten sich also schon auf das Kinoerlebnis in 3D und der größtmöglichen Leinwand freuen. Die Trailer wurden nun von Warner Bros, aus dem Internet entfernt, aus der großen Leinwand wird nichts. Andy Serkis wird in den kommenden Monaten wahrscheinlich Interviews geben, in denen er die Reichweite von Netflix als große Möglichkeit für ihn als Regisseur preist und heimlich den Umstand betrauern, dass sein 3D-Spektakel nicht in Filmpalästen, sondern schlimmstenfalls auf angestaubten Laptops gesehen wird.

Disney war schneller als Serkis

Andy Serkis ohne Spezialeffekte

„Mogli“ wurde von Serkis und seinem Team fürs Kino gemacht. Und höchstwahrscheinlich erhält Netflix die Rechte nicht nur dank einer stattlichen Summe, die der Streaming-Dienst an Warner Bros. überweist. Sondern auch deshalb, weil sich mit „Mogli“ ein gigantischer Kino-Flop ankündigte. Denn die Geschichte von Mogli und den Tieren des Dschungels wurde bereits 2016 von Disney erneut für die große Leinwand aufbereitet. Mit Bill Murray und Idris Elba in den Sprechrollen sowie bahnbrechenden Effekten konnten fast eine Milliarden US-Dollar an den Kinokassen eingenommen werden, der Film wurde zum Mega-Hit.

Für Andy Serkis, der sein nahezu identisches Filmprojekt schon damals plante, verhieß der Erfolg von „The Jungle Book“ 2016 nichts Gutes. Jeder, der Interesse an der Geschichte hatte, ging eben 2016 ins Kino und benötigt 2018 keine weitere Version von Mogli, Balu und Shir Khan. Aufgeben wollten Warner Bros. und Serkis das Projekt trotzdem nicht, verschoben den Start nur immer weiter nach hinten. Bis sie jetzt wohl nach den ersten Trailer-Veröffentlichungen die geringe Vorfreude auf den Film bemerkten und die Marktforschung sehr wahrscheinlich das Desinteresse zum Kinostart im Oktober vorausgesagt hat.

Dass Schreckensszenario, welches Warner Bros. angesichts des näherrückenden Kinostarts ausgerechnet haben muss, ist nun das Glück von Netflix. Der Dienst kann wahrscheinlich weit unter Produktionskosten vermeintlich großes Kino einkaufen. Bekommt aber unterm Strich nur einen Film, der den Studiobossen als nicht gut lukrativ oder schlichtweg nicht relevant genug für einen weltweiten Kinostart erscheint.

Fox

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