Nick Cave zu Wim Wenders: Kunst ist mehr als Politik
Cave reagiert auf Wenders' Berlinale-Statement zu Kunst & Politik – und erklärt, warum er dem Regisseur zustimmt.
Die Berlinale 2026 ist seit dem 22. Februar 2026 vorüber und die begehrten Preise wurden durch die Jury vergeben. Präsident war diesmal Regisseur Wim Wenders. Neben der Preisvergabe äußerte er sich über die Rolle von Filmen in politischen Kontexten – worauf nun Nick Cave mit einem eigenen Statement reagierte.
Können Filme Politik beeinflussen?
Wim Wenders hat eine lange Art-House-Karriere vorzuweisen und sich mit Filmen wie „Paris, Texas“ oder auch „Wings of Desire“ einen Namen gemacht. Auf den vergangenen Filmfestspielen von Berlin wurde er gefragt, ob Filme einen Einfluss auf Politik haben und ob durch filmische Werke sogar Veränderungen herbeigeführt werden können.
Dazu hatte der Oscar-nominierte Regisseur eine klare Meinung: Nein – Filme sollten seiner Meinung nach keinen politischen Einfluss haben. Er sagte: „Wir müssen uns aus der Politik heraushalten, denn wenn wir Filme machen, die sich ausschließlich mit Politik befassen, begeben wir uns auf das Gebiet der Politik. Aber wir sind das Gegengewicht zur Politik, wir sind das Gegenteil von Politik. Wir müssen die Arbeit der Menschen tun, nicht die Arbeit der Politiker.“ Diesem Statement stimmte nun auch ein Cave zu.
Nick Cave ist „tief bewegt“
In seinem Blog „Red Hand Files“ beantwortete Nick Cave kürzlich eine Fan-Frage und schrieb über Wim Wenders’ Worte bei der Berlinale, sie hätten ihn „tief bewegt“. Der Musiker und der deutsche Regisseur kennen sich bereits seit 40 Jahren.
Der Sänger fügte hinzu: „Es bestätigte mein Bild von ihm als einem leidenschaftlich prinzipientreuen, nachdenklichen und mutigen Mann – einem Menschen, der sich intensiv für den Film und den Zustand der kreativen Welt interessiert. Seine Worte waren eine fürsorgliche, sanfte und beschützende Geste, die sich nicht nur an die Künstlergemeinschaft, sondern an die Menschheit selbst richtete, und trotz der vorhersehbaren Kritik vermute ich, dass viele Künstler:innen, vielleicht sogar die meisten, seine Worte aufrichtig zu schätzen wissen werden.“
Wollte Wim Wenders die Berlinale retten?
Im weiteren Verlauf seines Statements spekulierte Nick Cave darüber, ob Wim Wenders versucht habe, „die Berlinale davor zu bewahren, dem Schicksal jener Festivals zu erliegen, die kaum mehr als eine Verengung der kulturellen Vorstellungskraft sind“. Zugleich kritisierte er viele moderne Events dafür, „eine einzige monolithische Ideologie – eine Stimme, eine Sache, eine Meinungsverschiedenheit“ zu sein.
Zudem schrieb der 68-Jährige: „Ich glaube nicht, dass Wim der Meinung ist, Kunst solle die großen und anhaltenden Ungerechtigkeiten der Welt ignorieren. Er scheint wie ich zu glauben, dass Kunst sehr wirksam dazu beitragen kann, das Bewusstsein für diese Ungerechtigkeiten zu schärfen, aber vielleicht glaubt er auch, dass Kunst mehr ist als die Summe ihres Nutzens; sie ist mehr als ein Werkzeug oder eine Waffe.“
Er schloss sein Statement mit den Worten: „Vielleicht glaubt er wie ich, dass großartige Kunst im Kern nur um ihrer selbst willen existiert – und dass sie sich in ihrer transformativsten Form subtil, mehrdeutig und neugierig offenbart; dass sie etwas ist, dem wir mit Ehrfurcht und Staunen begegnen, das uns demütig macht und gleichzeitig unser Herz erweitert, das sich in unsere Seelen und unseren Geist einschleicht und uns zu dem führt, was gut, schön und wahr ist. Kunst fesselt uns und vermittelt uns ein Gefühl dafür, was es bedeutet, Mensch zu sein. Sie erweitert unser Verständnis von der Welt und unserem Platz darin – dass wir das Recht haben, zu lieben, zu lachen, zu weinen und von der Welt begeistert zu sein. Das ist die Großzügigkeit der Kunst – uns daran zu erinnern, dass das Leben lebenswert ist.“




