Pretenders

"Große Freiheit", Hamburg

Chrissie Hynde war einkaufen. Auf der Reeperbahn, für teures Geld in schlüpfrigen Geschäften. „Schön blöd‘. Hinterher ist mir aufgefallen, daß überall ,Made in London‘ drin steht“, poltert sie hinter der Bühne. Den Herren vor der Bühne (die ersten drei Reihen sind fast ausschließlich mit Vertretern des männlichen Geschlechts besetzt) in einer bis zum Anschlag gefüllten Großen Freiheit werden die Begebenheiten ihres Shopping-Trips über den Kiez ziemlich egal gewesen sein. Es ist allein das denkwürdige Ergebnis, das hier zählt: Chrissie Hynde sieht großartig aus am Abend des einzigen Deutschland-Konzerts der neu formierten Pretenders. Eine wahre Rock-Göttin in schwarzem Lack, ein weibliches Latex-Denkmal, das die eigene Wiederkehr an diesem besagten Abend nicht besser hätte unterstreichen können. Von wegen Frauen altern schneller. Für die Reinkarnation der Pretenders hat sich Chrissie Hynde ein paar Frischzellen zur Seite gestellt. Junge Musiker, die der Omnipräsenz ihrer Chefin bisweilen noch ein wenig gehemmt gegenüber stehen, ansonsten jedoch ihre eigenes Ungestüm pflegen, so wie sich ihre Frontfrau das wohl vorstellt. Der Rhythmus ihrer neuen Band liegt wieder in vertrauten Händen: am Schlagzeug arbeitet und schuftet wieder Martin Chambers, Pretenders-Drummer der ersten Generation. Da kann eigentlich nichts schief gehen. In zwei mitreißenden Stunden spielen sich die Pretenders quer durch den gesamten Back-Katalog der Band, versorgen das hochzufrieden schwitzende Publikum mit der ganzen Hit-Palette von „Talk Of The Town“ über „Back On The Chain Gang“ bis zum finalen „Brass In Pocket“. Frontfrau Chrissie Hynde suhlt sich dabei in perfekten Rock-Posen, glänzt mit süffisanten Kommentaren und macht Gebrauch von dem, was sie immer schon auszeichnet: eine der schönsten und erotischsten Frauenstimmen des Rock’n’Roll zu sein.

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