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Podcast-Kritik

„Psycho und Doc“: Ein Medizin-Podcast für die Generation Instagram

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Lustige Ärzte sind eine Spezies für sich. Um sich aus dem verstaubten Klischee der humorlosen Weißkittel zu befreien, tauschte Mediziner und Kabarettist Ludger Stratmann 1995 als erster seiner Art Sprechzimmer gegen Bühne ein. Für Zuschauer des öffentlich-rechtlichen Fernsehens mag der Name ein Begriff sein. Alle anderen sehen jedoch in Dr. Eckhart von Hirschhausen den ersten Mann, der jede Diagnose in einen Schenkelklopfer verwandeln konnte.

Medizin und Comedy. Eine Kombi, die aus Gegensätzlichkeiten besteht, die sich nicht zwangsläufig anziehen müssen. Die beiden Hagener Ricarda Suska und Felix Berndt haben diese Problematik erkannt und sich der Tatsache fachmännisch und zeitgemäß angenommen. Statt Kalauer aus dem Lehrbuch, die selbst mit starker Medikation nur schwer zu ertragen sind, liefern der Arzt und die Psychologin unterhaltsamen Quatsch mit Inhalt und Seitenhiebe basierend auf der aktuellen Weltlage. 

Gegenwärtige Fragen statt altbackener Gesundheitsmythen

Das Aushängeschild von „Psycho & Doc“ ist die Wahl der Themen, die besprochen werden. Husten, Schnupfen, Heiserkeit und die unterschiedlichen Schmerzgrenzen bei Mann und Frau suchen Hörer*innen in diesem Podcast glücklicherweise vergebens. Im Gegenzug widmen sich die beiden 28-Jährigen Fragen, die über die mythischen „Kann man sich gesund löffeln?“ und „Gibt es zur Fußball-WM ein höheres Risiko für Herzinfarkte?“ hinausgehen. Psychologisch begründet und für den Laien aufbereitet, wird darüber gefachsimpelt, dass Willenskraft und Kekse durchaus zusammenhängen und der innere Schweinehund einfach eine klare Routine benötigt.


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Neben Thesen, ob Eiskönigin Elsa womöglich homosexuell ist und ob es für die Teilnehmer*innen von Datingshows wie „Der Bachelor“ aus medizinischer/psychologischer Sicht überhaupt realistisch ist, sich zu verlieben, besprechen Felix und Ricarda aber auch die ernsten Themen des Lebens. Organspende, zwischenmenschliches Gruppenverhalten und das Erlernen von Ängsten lassen keinen Zweifel daran, dass sie mit ihrem Podcast mehr erreichen wollen. Ihre Mission, das Gesundheitswesen zu verjüngen und die Instagram-Generation zu einem gesünderen Lebensstil zu motivieren, sehen sie als wichtige Aufgabe. Felix, der auf Instagram als Doc.Felix unterwegs ist, findet mit seiner digitalen Praxis jedenfalls reichlich Zuspruch.


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Zeit für neue Mittel und Wege

Der Schlagabtausch zwischen den beiden Hosts schafft Platz für eine offene Herangehensweise an das Thema Gesundheit und den sorgsamen Umgang damit. Hinsichtlich gesellschaftlicher Skepsis und der Kritik am bestehenden Gesundheitssystem kein schlechter Zeitpunkt, um der nachwachsenden Generation formgerechten Input und Denkanstöße zu liefern. Die Befürchtung, sich mit ihren Thesen und Meinungen ein blaues Auge zu holen, müssen die Mediziner nicht haben. Und wenn doch: Sie wissen, dass es wieder heilt.

62 Folgen stehen derzeit auf Spotify, Apple und Podimo zum Abruf bereit. Meist sorgen die beiden Mediziner*innen in unregelmäßigen Abständen – aber innerhalb weniger Tage – für rezeptfreien Nachschub im Podcast-Feed. 


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