American Honey Andrea Arnold


USA 2016, Start: 13. Oktober 2016

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Ein grünes und ein durchsichtiges Gummibärchen kleben am Fenster. Dahinter orangerotes Licht. Andrea Arnold hat es raus, dass selbst in einer derartigen Szenerie etwas wahnsinnig Großes, Schwelgerisches mitschwingt. Je länger man auf die Geleemasse starrt, desto mehr kommt man über das Leben ins Grübeln. Wie macht die britische Regisseurin das nur?

Wer zuvor Andrea Arnolds „Fish Tank“ (2009) und „Red Road“ (2006) sah, wird ihr amerikanisches Debüt vielleicht für pathetisch halten. Während bei „Fish Tank“ wohl die größte Geste darin bestand, dass ein Mädchen vor Wut auf einen Teppich pinkelte, sorgen in „American Honey“ bereits das offene Verdeck des Autos, tiefe Blicke und die langen leeren Straßen für dauerhafte XXL-Emotionen. Hier ist alles larger than life.

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Als die 18-jährige Star (Sasha Lane) keinen Bock mehr auf ihre Familie hat, geht sie nicht einfach an eine Uni oder zu McDonalds. Es muss ein krasserer Schnitt zu ihrem vorherigen Leben gemacht werden. Also schließt sie sich einem chaotischen Trupp an, der durch die USA reist und Magazin-Abos unter die Leute bringt und beim „Einstellungsgespräch“ fragt, ob man vermisst werden würde, wäre man von einem Tag auf den anderen weg. Wer das verneinen kann, ist dabei. Ganz schön dramatisch, oder? Die Nahaufnahmen auf Star sind es auch. Wenn sie hadert, ist die Kamera immer ganz nah bei ihr.

Die Geschichte ist nicht mehr so klein und ruhig wie die Vorgängerfilme der Regisseurin und Drehbuchautorin. Und ein wenig vermisst man das auch. In „American Honey“ geht es um die aufkeimende Liebe zwischen Star und ihrem Kollegen Jake (Method-Acting-Megaman Shia LaBeouf), der eigentlich noch in einer Beziehung mit der knallharten Chefin Krystal (Riley Keough) ist. Es schieben sich aber auch immer wieder Krimi-Elemente zwischen die allzu turteligen und roadtrippigen Bilder.

Die zweifelhaften Geschäftsmethoden von Krystal verdeutlichen die Desillusionierung der ganzen Gruppe. Hier glaubt keiner an ein Wunder. Und schon gar nicht den amerikanischen Traum. Es hat ja noch nicht mal irgendwer echte Träume. Es scheint zwar ständig die Sonne und sie alle sind frei, aber die Tristesse bleibt. Diese beständig gedrückte Stimmung hat das neue Werk von Andrea Arnold mit den früheren gemeinsam. Aber abgesehen davon wählt sie eine ganz andere Filmsprache.

Sie wagt es nun mainstreamiger aufzutreten: eine grellere Musikauswahl, melancholisch-kitschige Inszenierungen und Konflikte, die laut ausgetragen anstatt stillgeschwiegen werden. „Fish Tank“ und „Red Road“ waren genial. Aber auch „American Honey“ ist es auf seine Weise. Mutig, opulent und einem knapp dreistündigen Musikvideo ähnelnd.


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