Dagobert Welt ohne Zeit


Staatsakt/Caroline

Was ist denn da passiert? Jahrelang hat uns Dagobert in seinen Liedern erzählt, wie unerfüllt alle Sehnsucht zu bleiben hat. Er hat in seinen, so die Selbstetikettierung, „Schlagern mit Anspruch“ gesungen vom Warten in all seinen Varianten, vom Verzehren und Verzagen – und davon, wie fern die Liebe ist. Und nun das: „Wir haben uns“, singt Dagobert.

Zehn Lieder über zehn verschiedene Beziehungen. Die auf authentischen Erfahrungen beruhen. Und in denen, kaum zu glauben, bisweilen sogar die graue Realität Einzug hält. Ja, es geht sogar ums Kinderkriegen, zumindest um die Möglichkeit.

Aber nicht nur inhaltlich ist WELT OHNE ZEIT, das dritte Album des Wahlberliners aus der Schweiz, ein Paradigmenwechsel. War das letzte Album AFRIKA (2015) noch der große Auftritt im eleganten Anzug, mit Geigen und großer Geste, ist WELT OHNE ZEIT aber auch keine Rückkehr zu den piepsigen Synthies des Debüts DAGOBERT (2013). Stattdessen leisten sich Dagobert und Produzent Konrad Betcher (Kraftklub, Casper), einen Ausflug in die Achtzigerjahre. „Flieg mit mir“ könnte man sich auch an der Spitze der deutschen Charts vorstellen, allerdings gesungen von Nena, „Flashback“ ist eine ziemlich ernst gemeinte Verbeugung vor Foreigner.

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So aufgeräumt geht es nicht immer zu, nicht nur in „Der Geist“ versinkt Dagobert wieder ins gewohnte Lamento. So gesehen findet denn auch keine endgültige Entzauberung statt: Dagobert hat sich seinen naiven Blick erhalten, nur dass er ihn nun halt aufs menschliche Miteinander richtet. Und feststellen darf: Das ist bisweilen fast noch wundersamer als das unerfüllt bleibende Verlangen danach.

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