Danger Dan Reflexionen aus dem beschönigten Leben


JKP/Warner

Stell dir vor, du bist Rapper und gehst in Therapie. Nicht, weil es dir schlecht geht. Sondern den Menschen in deinem Umfeld. Da willst du helfen, das geht aber nur, wenn du weißt, welche Hilfe du bieten kannst. Erste Frage des Therapeuten, wie würden Sie sich selbst beschreiben? Da machst du große Augen. Es gehört zwar zu deinem Job, in jedem Track über dich selbst zu rappen. Aber da geht’s ja nie um die wahre Persönlichkeit, sondern immer nur um eine Projektion. Zumindest das haben wir aus dieser Kollegah-Diskussion gelernt. Wobei der kluge Danger Dan, der diese Anamnese durch einen Psychotherapeuten laut Infotext tatsächlich durchgezogen hat, natürlich weiß, dass auch die Aussage einer Projektion bei anderen Hörern eine Wirkung erzeugt.

Zu erfahren, wer man ist und welche Haltung man mitbringt, ist also wichtig, wenn man zu anderen spricht. Gerade, wenn diese sich Orientierung erhoffen. REFLEXIONEN AUS DEM BESCHÖNIGTEN LEBEN heißt das erste Soloalbum des Antilopen-Gang-Rappers, auf dem er – ähnlich wie jüngst Tocotronic – Szenen seines Lebens vertont. Es beginnt mit der großartigen Rachefantasie „Eine aufs Maul“: Auto-Tune-Vocals, Piano, Streicher – wie damals auf THE ENTERTAINIST von Chilly Gonzales. Deutlich niedlicher klingt die Jugendbeichte „Die Grundvoraussetzung“ mit Blues-Gitarre und einem Flow wie im Deutschrap der 90er. Bei „Drei gegen einen“ ist die Antipolen Gang komplett, das Stück vertont die Außenseiterrolle der drei, die sich ja auch bei der ARD-Doku „Die dunkle Seite des deutschen Rap“ so inszenierten: Da waren Danger Dan und Koljah die einzigen, die klare Haltung zum Antisemitismus, aber auch zum Sexismus im Rap mitbrachten.

Bei „Sand in die Augen“ denkt Dan das Gender-Thema weiter; im Grunde rappt er Selbstverständlichkeiten, aber genau diese fehlen der Szene. Wem das alles zu ernst ist: Mit „Die Prinzentragödie“ beichtet Danger Dan seine frühere Liebe zu den Leipziger Sängerknaben, Sebastian Krumbiegel ist mit dabei.

 


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