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Album der Woche

Die P 3,14


PIAS/365xx/Groove Attack (VÖ: 19.3.)

von

Wer’s noch nicht wusste: Auch in Bonn geht es ganz schön krass zu. Jedenfalls, wenn man als Schwarze Frau in der ehemaligen Bundeshauptstadt aufwächst. Die Eingeborenen dort geben „einen Fick auf das System“, haben „Familie, Stolz und Ehre“ im Blick und einen Joint in der Hand, die Kleinkriminellen regieren wie der Rassismus, und, ach ja, irgendwo liegen auch ein paar Junkies rum.

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„Dieses Leben schenkt dir nix, komm, erzähl mir nichts vom Glück“, rappt Die P und lässt auf ihrem Debütalbum 3,14 (nach der Zahl Pi) sehr gelungen eine ganz alte Idee wiederaufleben: Rap als Nachrichtenportal des Ghettos. Dass es auch in Bonn eine „Hood 53“ gibt, mag für viele neu sein, könnte aber seit der ersten EP der Rapperin, BONNITÄT von 2017, bekannt sein. Ihr Vortrag ist so flüssig wie kompromisslos, ihre Punchlines besitzen bisweilen sogar einen gut getarnten Humor: „Das Leben ist deep, deshalb bleiben wir high.“

Zur Botschaft passen die Beats: klassisches Gewummer mit tiefergelegten Bässen in der Dre-Tradition statt Modernitäten wie Trap. Und statt Auto-Tune einzusetzen und zur Absicherung ein paar schicke Features einzusammeln, rappt Die P lieber ihr gesamtes Debüt im Alleingang voll und schickt Props an Salt’n’Pepa. Wer’s noch nicht wusste: Street-Rap geht hierzulande auch intelligent.


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