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Future Islands The Far Field


4AD/Beggars/Indigo

von

Es ist viel gesagt und geschrieben worden über den Tanzstil von Samuel Herring, und noch mehr gelästert. Es ist fast so viel geschrieben worden über den Gesang von Herring, aber vor allem Lobendes, Begeistertes, oft genug Frenetisches. Und tatsächlich ist es ja so, dass der hübsch pulsierende, immer wieder mit dramatischer Geste abhebende Synthie-Pop von Future Islands nichts Besonderes wäre, wenn darüber nicht Herring verzweifelt, sehnsüchtig, knödelnd und dann fast ersterbend, aber immer mit vollem Einsatz von Verlusten und Niederlagen singen würde, vom Wiederaufstehen und Weitermachen. Das war bei SINGLES so, dem Album, das die Band aus Baltimore vor drei Jahren vom Kult zum Mainstream-Act beförderte, und das ist auch auf dem Nachfolger THE FAR FIELD nicht anders.

Das Prinzip, aus dem die Musik von Future Islands seine Spannung bezieht, ist zwar nicht neu, denn vom Kontrast zwischen den kühlen Synthies und dem expressiven Gesang lebten schon Yazoo in den Eighties, aber es funktioniert immer noch prächtig. Auch Tour-Schlagzeuger Michael Lowry, der das erste Mal mit ins Studio durfte, gibt sich alle Mühe, wie eine Maschine zu klingen, während William Cashion mit der Leidenschaft eines Metronoms den Bass bedient und Gerrit Welmers dicke Synthie-Schlieren und aseptische Sounds übereinanderschichtet, bis eine dickflüssige, grandios klebrige Soße entstanden ist, aus der Herrings Stimme, Zeilen wie „It’s not easy just being human“ singend, sich umso phoenixhafter herausschälen und emporsteigen darf. Einmal sogar im Duett mit Debbie Harry. Aber immer aus dem Dunkel ans Licht. Großes Kino. Über die Tanzerei reden wir halt ein anderes Mal.


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