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Jan Delay Earth, Wind & Feiern


Vertigo Berlin/Universal (VÖ. 21.5.)

von

Jeder macht mal Fehler, selbst Funk-Götter. Also gesteht Jan Delay gleich im „Intro“ zu Anfang: „Nach der Rock-Platte, auf die keiner Bock hatte, komm’ ich mit neuem, dickem Sound für die Menschen, die es lieben zu dancen zu tiefen Frequenzen.“ Ob HAMMER & MICHEL, das vor sieben Jahren immerhin auf Platz eins der deutschen Charts stieg, wirklich ein Fehler war, sei mal dahingestellt, aber so wie Eißfeldt nölend „däääncen“ auf „Frequääänzen“ reimt, das hat man schon vermisst.

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Mit EARTH, WIND & FEIERN kehrt der bestangezogene Entertainer des Landes nun zu den Anfängen zurück, und zwar nicht nur zum Funk von Disko No. 1, den schon die Bezugnahme auf Earth, Wind & Fire im Albumtitel signalisiert, sondern auch zum Reggae des ersten Soloalbums SEARCHING FOR THE JAN SOUL REBELS, und sogar zum HipHop und dem politischen Anspruch der Beginner, markiert durch einen Gastauftritt von Kumpel Denyo in „Spaß“.

„Nichts ist so kalt wie der heiße Scheiß von gestern“

Der Track ist eine Fortsetzung von „Kartoffeln“, in dem Delay sein Deutschsein noch positiv ironisierte. Nun, anderthalb Jahrzehnte später, ist der Spaß vorbei, der Rassismus im Land beim besten Willen nicht mehr zu übersehen und die beiden Beginner-Kumpel sind ehrlich erzürnt: „Sie hatten alle noch nie Spaß, und deshalb sind sie voller Hass.“

Zwar bemüht sich Delay um neue Facetten wie das afrikanisch anmutende „Kinginmeinding“, dem gleich darauf folgenden, extrem skelettierten Reggae „Alexa“ oder dem leicht karibischen „Gestern“, damit EARTH, WIND & FEIERN nicht nur wie ein Resümee seines bisherigen Schaffens wirkt. Aber vor allem läuft er – vom pennälerhaften Wortspiel im Albumtitel bis zu den satten Bläsern – zu alter Form auf. Allerdings, nur so als Anmerkung, weil Jan Delay in „Gestern“ selbst wissen lässt: „Nichts ist so kalt wie der heiße Scheiß von gestern.“


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