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Kings of Leon Walls


Sony

Wenn es dann doch darum gegangen sein sollte, wie jede, wirklich jede andere Rock-Band in diesem Universum zu klingen, die die musikalische Verfüllung von dafür eigentlich nicht vorgesehenen Stadien zu ihrem Ding gemacht hat, dann legen die Kings Of Leon hiermit ein Sechs-Sterne-Album hin. Chapeau!

Mit dieser siebten Platte der drei Followill-Brüder und ihrem Leadgitarristen-Cousin Matthew wäre, nein, ist das Ziel aller Ziele erreicht: Du wirst WALLS irgendwo hören und die U2-Coldplay-Wiederholungsmaschine in deinem Kopf anwerfen müssen und kaum zu diesem Southern-Rock-Unternehmen zurückkommen, das ja gar keinen Southern Rock spielt. Auch keine Strokes fürs Familienprogramm und keinen Rohkostrock und Boogie mehr. Es gibt drei Minuten in der Mitte des Albums, die aufhorchen lassen, wenn die Band etwas leiser und mit vergleichsweise minimalem Equipment (und einer gepfiffenen Melodie) auf einem Latin-Beat tanzt („Muchacho“). Aber sonst?

Was war (die Wiedererfindung des Schweinerock im Stadium einer YOUTH & YOUNG MANHOOD im Jahre 2003), was ist und was noch kommen dürfte, gäbe im Falle der Kings Of Leon eine veritable Studie über den kleinen Teufel ab, der an der Identität kratzt. Produzent Markus Dravs (Coldplay, natürlich, aber auch Arcade Fire) hat hörbar an dieser Entwicklung mitgearbeitet, er verabreicht Sänger Caleb Followill diese monströsen Klangräume, in die dessen aufopferndes Gebell so unschön fällt. Alles fällt in den Eimer. Er setzt die Gitarrenlinien gerne in Spülwasser. Es spielt kaum eine Rolle, ob die Band uptempo geht („Waste A Moment“), einen blassen Midtempo-Heuler hinlegt („Reverend“) oder mit pochendem Herzen in eine Breitwandballade tritt („Walls“) – es gibt hier in fast jeder Sekunde eine Keyboard-oder Synthie-Absicherung nach hinten und ein vokales Blablabla nach vorne. Mit doppeltem Netz springt’s sich dann unspektakulär. Die alte Devise bewahrheitet sich erneut: No risk, no fun.

Kooperation

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