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Klee Trotzalledem


Dolcerita/Souldfood (VÖ: 30.4.)

von

Ein Blick auf den virulenten Telegram-Kanal des gefährlich vertrottelten Trump-Aficionados und Impfmahners Michael Wendler – und man weiß, wie abgewirtschaftet Humanität sich dieser Tage (nicht nur digital) präsentiert. Man ist wirklich schon so weit, sich einfach ein wenig Eskapismus mit Herz und Hirn zu wünschen – und da taucht plötzlich eine neue Platte von Klee auf. Wenn das kein Timing ist, ach so, und „plötzlich“ sei gemeint in dem Sinne von: Damit war nicht unbedingt mehr zu rechnen.

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Die letzte liegt immerhin fast zehn Jahre zurück. AUS LAUTER LIEBE von 2011 nämlich, wow. Eine Zeit, in der Social Media – allen voran Facebook – noch witzig war, heute komplett unvorstellbar. Klee 2021 öffnen uns nun ein Wurmloch in diese Phase, in der einem ja auch elektronisch aufgemotzter Deutschpop noch up-to-date vorkam und nicht wie ein Kadaver, in dem heute unangenehme Figuren wie Glasperlenspiel leben.

Klee aus Köln, das ist freundlicher Feelgood- Schlager zwischen Naivität und Verschmitztheit. Letztere gewinnt auf TROTZALLEDEM dabei an Boden, beispielsweise wenn Sängerin Suzie Kerstgens singt: „Alle sind so fleißig, alle sind so dreißig – ich nicht!“ Mit dem Song „Danke Nein“ gelingt es Klee darüber hinaus sogar, die tocotronische Fundamental-Absage „Aber hier leben, nein danke!“ in einen possierlichen Radio-Hit zu morphen. Dieses Comeback ist der blümchengetränkte Gegenentwurf zum allgegenwärtigen Arschlochsein. TROTZALLEDEM sollte Schule machen.


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