L.A. Salami The City Of Bootmakers


Sunday Best/[PIAS] Coop/Rough Trade

L.A. mag sein Name sein, doch London ist der Anknüpfungspunkt von dem aus der junge Brite mit nigerianischen Wurzeln sein durchdachtes zweites Album spinnt. Mit THE CITY OF BOOTMAKERS widmet sich Mr. Salami erneut vor allem der britischen Hauptstadt und der politischen Lage in England.

In „Brick Lane“ thematisiert er die Gentrifizierung des hippen East-London und erzählt von seiner Reise nach Berlin (wo auch das neue Album aufgenommen wurde), in „England Is Unwell“ singt Salami mit ironischer Leichtigkeit über die Zerrissenheit seiner Heimat. Dabei klingt er wie ein moderner Sixto Rodriguez: kämpferisch, wehmütig und poetisch.

Revoluzzer-Folk, der alle Themen auf überraschend charmante Art zur Sprache bringt

Die „City of Bootmakers“ – in der auch für die Machthaber nichts läuft, wenn sie kein anständiges Schuhwerk besitzen – ist aber nur ein symbolischer Ort, von der die weltweit gültige, hochaktuelle Gesellschaftskritik ausgeht: Sei es mit dem etwas irrsinnig vergnügten „The Isis Crisis“-Ohrwurm in „Terrorism!“ (Satire, natürlich!) oder dem klirrenden „Generation L(ost)“ über die Widersprüchlichkeiten einer Generation. Die beiden schon vorab veröffentlichten Songs legen auch die Stimmung für das Album fest – thematisch wie musikalisch. Alles klingt echt. Revoluzzer-Folk, der alle Themen auf überraschend charmante Art zur Sprache bringt: Von Brexit bis hin zur Selbstfindung junger Erwachsener.

Trotzdem sind die Highlights der Platte vielleicht woanders versteckt: in den Songs, in denen die E-Gitarre über das sonst analoge und stille Ensemble transparent erklingt. Die akustische Rocknummer „I’ll Tell You Why“ schafft so in Kombination mit dem leicht verstimmt klingenden Klavier genau das richtige Maß an Melancholie.

In der zweiten Hälfte bekamen ein paar Songs leider das immer gleiche Drum-Pattern verpasst. Kurz vor Schluss gelingt Salami mit dem melodischen und dynamischen „What is This?“ aber noch mal ein Coup. Aus der völligen Ruhe schwingt er sich hoffnungsvoll auf zu einem kurzen Gitarren-Solo, kehrt dann zurück zu seinem stillen Arrangement, mit einem schlusswürdigen Chor, über den er herzhaft schmettert, gelangt er zu einer richtigen Reprise.

Klingt wie: Rodriguez: Cold Fact (1970) / Young The Giant: Young the Giant (2010) / The Copper Children: Copper Child (2014)


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