Marteria 5. Dimension


Four Music/Sony (VÖ: 15.10.)

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Man hatte es natürlich nicht vergessen, dass Marteria vor bald vier Jahrzehnten als Marten Laciny in einem Land geboren wurde, das den Namen DDR trug. Aber es hat nicht wirklich eine große Rolle gespielt, der Nahezu-Fußballprofi und Überzeugungsangler ist ein gesamtdeutsches Erfolgsmodell als womöglich einziger deutscher Rapper, dem dauerhaft der Spagat zwischen Rap-Credibility und Pop-Sensibilität gelingt.

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Und nun das: So explizit wie in „Neonwest“ hat sich Marteria schon lange nicht mehr auseinandergesetzt mit seiner Herkunft. Er erinnert sich an den Mauerfall, an den ersten Bummel auf dem Kudamm und ans Begrüßungsgeld, an Maracuja und andere „schönste neue Worte“, an Haribo und Ferraris im Parkverbot, und an das Versprechen: „Ein Land, keine Angst.“ Zum Schluss des Songs fragt er dann: „Und was ist jetzt?“ Eine Antwort aber gibt es nicht, aber das wäre wohl auch zu ein Rapper schlüssig die aktuelle politische Befindlichkeit der Nation erklärt.

Obwohl: „Arbeitslos, wo andere Urlaub machen“, heißt es in „Strandkind“, dem gebrochenen Hohelied auf das Aufwachsen an der Küste. Das macht aus 5. DIMENSION zwar noch lange nicht Marterias WHAT’S GOING ON, aber doch ist es sein nachdenklichstes Album. Ob er leicht zweifelnd den eigenen Überlebenswillen bejubelt („Niemand bringt Marten um“), ein Pop-Duett mit Miss Platnum singt („Loft & Liebe“) oder doch auch mal Party feiert („Love, Peace & Happiness“) – alles durchzieht eine fast schon bleierne Melancholie, die man durchaus lesen kann als Ausdruck dieser Zeit und, ja, auch Stimme eines Landstrichs, der mal den Namen DDR trug.


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