Martina Topley-Bird Forever I Wait


Awal (VÖ: 10.9.)

von

Es fühle sich an wie ein Debütalbum, hat Martina Topley-Bird über FOR EVER I WAIT gesagt. Nun, es ist zwar schon eine Weile her, dass die britische Sängerin und Musikerin, die uns an der Seite von Tricky mit ihrer ätherischen Stimme durch die 90er-Jahre geleitet hat, ein Album veröffentlicht hat – elf Jahre, um genau zu sein. Topley-Bird spielte aber eher darauf an, dass FOREVER I WAIT ihr wohl persönlichstes Album ist und das erste Solowerk, mit dem sie vollauf zufrieden ist. Das kann sie auch sein, denn gleich mehrere tolle, sphärische Electro-/Synth-Pop-Nummern sind ihr hier gelungen („Pure Heart“, „Want“, „Wyman“).

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Spaß macht das Album vor allem, wenn man sich ihm intensiv widmet: In „Love“ stehen zum Beispiel dubbige Parts neben Jazz- und Minimal-Music-Anleihen, in „Free“ klingt eine wunderbare Folk-Gesangslinie an, ergänzt durch Spoken-Word-Gesang; in Kombination mit den verschleppten Beats entsteht eine feine Indietronica-Miniatur.

Das abschließende, melancholische „Rain“, nur mit Streichern instrumentiert, geht einem sehr nah; doppelt nah, wenn man weiß, dass die gemeinsame Tochter von Martina Topley-Bird und Tricky (die schon sehr lange kein Paar mehr sind) vor zwei Jahren Suizid begangen hat. Die Arbeit an diesem Album sei heilsam gewesen, sagt die Musikerin. Das kann man hören.


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