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Matt Sweeney & Bonnie „Prince“ Billy Superwolves


Domino/GoodToGo (VÖ: 30.4.)

von

Das erste Lied „Make Worry For Me“: Cooler hat Bonnie „Prince“ Billy selten geklungen. Das geht schon in Richtung James-Bond- Song. Wie sich das anschleicht, die schlichten, dunklen Gitarrenakkorde. „You can be whatever you wanna be / But you won’t be as bad as me.” Der das sagt, hat die Macht, uns alle zu unterwerfen, Liebe hin oder her. Er hat Monster in sich, die raus müssen. Und spätestens bei der Zeile „I affiliate with beats and notes“ ist klar: Der Künstler meint hier (zumindest auch) sich selbst.

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SUPERWOLVES ist 16 Jahre nach SUPERWOLF das zweite Album, das Sänger und Songschreiber Will Oldham zusammen mit Gitarrist Matt Sweeney herausbringt. Und es ist musikalisch deutlich reduzierter als das letzte Soloalbum I MADE A PLACE von 2019, das für Oldham-Verhältnisse sehr reich instrumentiert und freudig zupackend daherkam.

Der zweite Song „Good To My Girls“: schmuckloser Folk, fast meditativ. Wir alle haben so unsere Rituale, um gut und nett rüberzukommen, heißt es da zuerst. Und weiter: „I chop down trees and spit in faces and laugh when you are sad.“ Da muss man dann doch fast laut loslachen. Kurz darauf die existenzielle Angst, „that after life complete emptiness whirls“. In „God Is Waiting“ ist Gott weiblich und soll sich selbst ficken. „Hall Of Death“ jagt den Blues durch blitzschnell kreiselnde Gitarrenfiguren.

Der Mittelteil des Albums ist dann richtig zart und tröstend. Da gibt es sachten Indie-Folkpop gegen die Traurigkeit, bei dem einem trotzdem ganz traurig zumute ist. Der Sänger wird zum modernen Noah, zum singenden Weltenretter. Man solle auf das eigene Herz hören, Gutes tun. Und als man sich schließlich fast umarmt glaubt, kommt „Not Fooling“. „All your assumptions are righteous nightmares…, and when I say I can walk away, I’m not fooling you.“ Und weg ist er. Oldham ist hier oft empathisch, auch witzig, gefühlig ist er nicht. Songs zu schreiben ist keine harmlose Sache, wenn man’s ernst meint.


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