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Album der Woche

Metronomy Summer 08


Warner

Es zieht ihn zurück ins Jahr 2008. Als Joe Mount noch draußen unterwegs war. Die Nächte durch. Suchte. Fand. Liebte. Die Zeit vergaß. Drogen nahm. Auf Partys ging. Selbst die Party machte. Aber so gut er es damals schon beherrschte, Musik aus der Vergangenheit in ein absolutes Jetzt der träumenden Köpfe und sich bewegenden Körper zu entführen, so eindeutig würde auch er daran scheitern, das alte Gefühl, den jungen Mount zurückzuholen. Und weil er das natürlich weiß, ist SUMMER 08 auch kein Versuch, sein so prächtig verblasenes zweites Album NIGHTS OUT von 2008 in die Gegenwart zu verlängern, sondern ein überlegt konstruiertes Werk, das das Damals sowohl musikalisch als auch textlich reflektiert.

Dass der alte Melancholiker Joe Mount dabei auch mal sentimental wird, soll unser Schaden nicht sein: Das sich über Synthesizerflächen wiegende Duett mit Robyn, „Hang Me Out Dry“, ist einer der Höhepunkte des Albums. Mount sehnt sich darin offenbar danach, so grün drauflos zu lieben wie damals, sieht im Rückblick aber das ganze Bild: „Monday night running late, getting you from your parents’ place. Heading out to the show, trying to fix the radio. Getting drunk, arguing, stumbling out into the street. Making out. Making up. It’s all right ’cause we’re in love.“ Am Ende sind ihm all die Missverständnisse und Herzschmerzen immer noch genauso präsent wie die Schmetterlinge der Selbstvergessenheit.

Und dieser Eindruck prägt sein fünftes Album auch musikalisch – bis zum Finale „Summer Jam“, das den eher discofernen Moroder und den Planetarium-Pop von Air vereint zu einem fast schon gospeligen Bekenntnis: „For your love, for your smile – I’d do anything.“ Es soll aber nicht unterschlagen werden, dass SUMMER 08, das der Einfachheit halber lieber als Partyplatte vermarktet werden möchte, auch seine forschen Momente hat. Joe Mount markiert sie besonders dadurch, dass er einen ironischen Ton anschlägt, in hedonistische Rollen schlüpft, er singt sogar höher, dreht weiter auf.

Kooperation

In Songs wie dem Opener „Back Together“, dem einigermaßen dramatischen „Miami Logic“ und der 1-fetter-Bass-&-1-Kuhglocke-geht-eigentlich-immer-Single „Old Skool“ erinnert so auch noch sein Gesang an James Murphy – wo doch schon Arrangements und Struktur dem LCD Soundsystem weit entgegenkommen. In „Old Skool“ lässt Joe Mount außerdem sein Jugend-Idol Mix Master Mike (Beastie Boys) scratchen – und schickt dazu Synthesizer und Percussions in ein Duell, wie wir sie aus dem Livespektakel von Talking Heads’ STOP MAKING SENSE kennen.

Kurz und gut: Das Mount’sche Prinzip (dt. Verleihtitel: „Der Retrobot mit dem heißen Herzen“) überzeugt einmal mehr.


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