Gespräch

Joseph Mount (Metronomy) im Interview: „Ich habe versucht, eine optimistische Platte in einer schwierigen Zeit zu machen“

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Zwischen Indie und Electronic: Die britische Band Metronomy wurde 1999 von Joseph Mount gegründet. Der damals 16-jährige Teenager experimentierte mit elektronischer Musik und begann, seine ersten Songs zu schreiben. Mount wurde vor allem durch seine Remixe bekannt. Er mischte unter anderem Songs von Britney Spears, Lykke Li und Gorillaz neu. Zusammen mit seinem Cousin Oscar Cash (Keyboard, Melodica, Saxophon), Anna Prior (Schlagzeug), Gbenga Adelekan (Bass) und Michael Lovett (Keyboard, Gitarre) feierte er schließlich seinen Erfolg und spielte die ersten großen Shows. Zuletzt erschien im Februar 2022 ihr Album SMALL WORLD.

Wir treffen Joseph Mount digital in seinem Hotelzimmer in Lissabon an. Er ist müde und verschlafen, da sein Flug Verspätung hatte, wie er berichtet. Wenn es allerdings um das Thema Musik geht, wirkt er plötzlich hellwach. Er freut sich sehr, endlich wieder live zusammen mit seiner Band vor großem Publikum spielen zu können. Die weltweite Pandemie brachte Metronomy allerdings etwas aus dem Konzept. Mount erklärt lachend: „Wir brauchten ein paar Auftritte, um uns daran zu erinnern, wie man das macht. Wenn wir spielen, haben wir wirklich das Gefühl, dass alle glücklich sind“.

„Ich finde es manchmal schade, dass sich die Leute so sehr auf das Neue konzentrieren, weil das bedeutet, dass man manchmal coole Sachen von älteren Leuten verpasst“

Metronomy sind neben ihrer Musik vor allem durch ihr knallbuntes und modernes Erscheinungsbild bekannt: Die Looks für ihre Bühnenauftritte sind stets farbenfroh und strahlen einen federleichten Pop-Optimismus aus. In einem Interview mit „The Guardian“ bemerkte Mount, dass er es nicht gerne hört, wenn man Metronomy als eine „moderne Band“ definiert. Wir haben ihn gefragt, was ihn so daran stört: „Weil wir nicht die Hauptperson waren, über die gesprochen wurde, hatte ich das Gefühl, dass die Leute aufgrund unserer Assoziationen Vorurteile hatten. Aber ich denke, eine neue, aufregende, moderne Band zu sein, ist wirklich cool. Vielleicht ist das etwas Schlechte daran, dass du irgendwann nicht mehr so interessant bist. Ich denke, es ist überhaupt nichts Falsches daran, modern zu sein, aber ich finde es manchmal schade, dass sich die Leute so sehr auf das Neue konzentrieren, weil das bedeutet, dass man manchmal coole Sachen von älteren Leuten verpasst“.

SMALL WORLD – Zwischen Pandemie und Produktion

Ob Mount mit dieser Aussage wohl Metronomy meint? Wahrscheinlich schon. Mount ist 39 Jahre alt. Auch die anderen Gruppenmitglieder befinden sich in einem ähnlichen Alter. Mount und Bassist Adelekan sind außerdem verheiratet und haben Kinder – die zweijährige Zwangspause kam ihren jeweiligen Familien deshalb zu Gute. Bei der Produktion ihrer aktuellen Platte SMALL WORLD ließen Metronomy sich nicht von der Pandemie aufhalten. Die Idee für das neue Projekt entstand bereits im Vorfeld. Mount erzählt: „Ich wollte eine Platte machen, die etwas lebendiger und organischer klingt und mehr Instrumente enthält. Und dann, als alles stillstand, wurde die ursprüngliche Idee zu einer sehr intensiven Idee, weil sie in einer isolierten Umgebung umgesetzt wurde“. Das Album wurde im Jahr 2020 produziert, während des großen Lockdowns in dem Vereinigten Königreich. „Ich habe versucht, mich von dem, was passiert ist, beeinflussen zu lassen, aber nicht, um eine Platte zu machen, die irgendwie düster ist. Ich habe versucht, eine optimistische Platte in einer ziemlich schwierigen Zeit zu machen“, sagt Mount weiter.

SMALL WORLD: Eine Antwort auf die Frage „Was ist der Sinn des Lebens?“

Das Album, das insgesamt neun Tracks enthält, sticht in der gesamten Diskografie von Metronomy besonders hervor. Zum ersten Mal klingen die Songs weniger elektronisch und viel natürlicher. Die einzelnen Instrumente sind deutlich zu hören, der Rhythmus ist viel langsamer als üblich und auch die Lyrik ist voller Emotionen und Ernsthaftigkeit. Titel wie „Life and Death“, „Loneliness On The Run“ und „I Have Seen Enough“ weisen bereits auf eine konkrete, inhaltliche Richtung hin. SMALL WORLD handelt von Erinnerungen, Erfahrungen und Erkenntnissen des Lebens von Mount. Es scheint, als würde er in jedem Song der Antwort auf die Frage Was ist der Sinn des Lebens? näher kommen. Er singt viel über das Leben, die Liebe und den Tod.

Mount erklärt, dass er inzwischen an einem Punkt im Leben angelangt ist, in dem er viel erlebt, hinterfragt und erkannt hat. Er erzählt: „In meinem Alter stehe ich zwischen vielen Dingen. Ich habe immer noch meine Eltern, aber auch Kinder. Ich bin mir der ganzen klischeehaften zyklischen Natur des Lebens bewusst – sie wird mir ins Gesicht gedrückt. Ich bin mir dessen bewusst und interessiere mich dafür. Und ich schätze, in den letzten Jahren war es eine wirklich seltsame Zeit, ein Mensch zu sein und all die verrückten Dinge zu erleben, die in der Welt passierten. Ich hatte das Gefühl, dass es zu diesem Zeitpunkt wichtig für mich war“.

„Es erinnert mich an meine Kindheit“

Diese natürliche und „organische“ Platte – wie Mount sie selbst definiert – fällt auch hinsichtlich des Album-Covers nicht aus dem inhaltlichen Rahmen. Von allen sieben bisherigen Alben ist SMALL WORLD das erste mit einem Cover, das nicht illustriert, sondern fotografiert ist. Das Werk wird von einer wunderschönen, grünen Landschaft geziert – einem klaren Gewässer, umgeben von sprießenden Pflanzen und Bäumen. Mount berichtet, dass das Foto von seiner Mutter stammt, die Fotografin ist: „Es ist eine Art öffentlicher Garten, ganz in der Nähe, wo ich aufgewachsen bin. Und es war ein sehr schöner, gepflegter Ort. Er erinnert mich an meine Kindheit und daran, wie solche Dinge eine gewisse Zeit lang existieren und sich dann verändern. Wenn man jetzt dorthin geht, hat es sich sehr verändert“. Diese Vergänglichkeit ist auch in Metronomys Songs zu hören. In „Life and Death“ singt er etwa: „It was fun, what I did/Got a job, had some kids/See you in the abyss“.

Metronomy mischen auf

Metronomy veröffentlichten den Song „Love Factory“ aus demselben Album als ausgekoppelte Single sowie als zwei weitere Remix-Versionen, die in der Zusammenarbeit mit den beiden DJs Otik und Chloé Thévenin entstanden sind. Die beiden Mischungen des Songs sind mit der Originalversion kaum vergleichbar – neue Tunes, neue Beats, neue Effekte. Mount findet es faszinierend, wie ein Song so unterschiedlich klingen kann und er bewundert die DJs, die dies schaffen: „Gute Remixe können den Song in eine völlig andere Richtung lenken. Ich mag es, dass Leute, die Musik neu mischen, sich auf etwas konzentrieren, das man im Song vielleicht nicht gehört hat. Ich lasse mich gerne überraschen“.

„Ich freue mich wirklich sehr auf die Deutschlandtour“

Überraschend ist auch seine große Freude auf Metronomys Deutschland-Tour. Inmitten von Festivals sollte irgendwann auch Deutschland an der Reihe sein. Die geplanten Shows mussten allerdings mehrere Male verlegt werden. Er erklärt lachend: „Wir haben all diese Festivals und plötzlich haben wir diese Deutschlandtournee, auf die ich mich sehr freue – das wird aufregend und schön. Die Tour wurde immer wieder verschoben und verschoben und verschoben. Es ist schön, auf Festivals zu spielen und in verschiedenen Gegenden herumzuhängen. Es ist eine Chance, Freunde zu sehen. Wir sehen immer viele Bands, mit denen wir befreundet sind. Aber ich freue mich wirklich sehr auf die Deutschlandtour“.

Aktuell befinden sich Metronomy in Großbritannien. Am ersten August startet dann ihre Tour in Deutschland. Angefangen in Hamburg, werden sich Metronomy bis nach Heidelberg durchspielen. Alle Infos und Termine dazu findet ihr weiter unten.

Schaut euch hier das Interview mit Joseph Mount von Metronomy im ME-Talk an:

 

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Metronomy auf Deutschland-Tour 2022

01.08.22 Hamburg, Mojo Club
02.08.22 Dresden, Reithalle STRASSE E
04.08.22 Berlin Columbiahalle
04.08.22 Diepholz, Appletree Garden Festival
05.08.22 Köln, Carlswerk Victoria
09.08.22 München, Backstage Werk
10.08.22 Heidelberg, halle02

Weitere Infos und Tickets beim Veranstalter.

Hört SMALL WORLD von Metronomy hier im Stream:

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