Nelly Furtado :: Hamburg, Docks

Selten hat ein Popkonzert, dass nur eine Stunde dauerte, mehr Emotionen hervorgerufen. Aber der Reihe nach. Den Anfang machten nämlich die Geschwister Sara und Tegan, die nur mit akustischen Gitarren und ihren leisen Songs ihres Debütalbums „This Business Of Art“ das Publikum auf Nelly Furtado einstimmten. Die 21-jährige Kanadierin mit portugiesischen Vorfahren nutzte das Terrain, das ihr von den Zwillingsschwestern bereitet wurde, weidlich aus. In Jeans und knappem, quergestreiftem Spaghetti-Top zeigte die in Victoria, British Columbia, geborene Sängerin, worauf es bei ihrem Gig ankommt: kein Gramm zuviel an Show, nur sie selbst, ihre hervorragende, auf sie eingespielte Band und dazu diese wunderbaren, seltsam anrührenden Songs, die an einen warmen,erfrischenden Regenschauer nach glühender Sommerhitze erinnern. Und dass ihre Karriere in Zeiten von Retortenbands oder singenden Soapstars auf das aufgebaut ist, was heutzutage nicht mehr selbstverständlich ist: Talent, eine gute Stimme und die Fähigkeit, beides zusammen in intelligente, eigene Songs mit luftigen Arrangements zu verpacken. Die Furtado-Band, angetrieben von einem DJ, hatte es an diesem Abend raus, die zarten Strukturen von Songs wie „…On The Radio“, „I’m Like A Bird“ oder „Turn Off The Light“ glasklar zu lassen, nicht zu überfrachten und nur eine Spur rockiger als auf ihrem Debüt „Whoa, Nelly!“ wiederzugeben. Das gefiel, denn so nahm sich die sechsköpfige Band nicht zu wichtig und ließ Raum für Nelly, den Star. Und der überzeugte nicht nur mit eigenen Songs, sondern auch mit einer abgespeckten HipHop-Version des Missy-Elliott-Hits „Get Ur Freak On“. Auch wenn Frau Furtado nach sechzig Minuten schon aus der Puste war, hinterließ sie einen positiven Eindruck. Nämlich den, dass gute Popkonzerte keine Frage der Länge sind, wenn die Qualität der Songs stimmt. Ein Konzert mit nur einem Album im Rücken kann furchtbar ins Auge gehen, gewollt klingen. Wie schön, dass das bei Nelly Furtado nicht der Fall war.

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