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Okay Kaya Watch This Liquid Pour Itself


Jagjaguwar/Cargo (VÖ: 24.1.)

Unruhe trägt das Album in sich. „Example of any given weekday where a state of unrest is at the core – HEY – Knock knock – It is quite manageable but always there“, schreibt Kaya Wilkins in der Handreichung zu einem Track, der bezeichnenderweise „Overstimulated“ heißt. Das trifft das Album ganz gut.

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Nicht, dass die Ästhetik besonders experimentell wäre, das nun nicht. Der Reigen der Bedroom-Pop-Fragmente beginnt mit einem Track über Depressionen, dann folgt ein Lied über Anxieties. Erleichterung, wenn das dritte Stück sich zu einem nahezu klassischen, wenn auch schwerflüssigen Stück feministischer Gitarren-Songwriter-Musik entwickelt, wie es von Stella Donnelly oder Courtney Barnett stammen könnte, ein tongue-in-cheek-y enttäuschtes Liebeslied.

Bis der Blick auf den Titel fällt: „Insert Generic Name“, beliebigen Namen einfügen. Der Bedroom dieses Bedroom-Pop, er ist eigentlich ein Nicht-Ort, keine Heimat, für einen Menschen mit Rollen und Identitäten, die nie ganz seine eigenen sind. Die in Norwegen aufgewachsene New Yorkerin Wilkins erkundet autofiktional ihr Leben und muss bei aller Düsternis immer wieder lachen: „Psych Ward“ ist Bubblegum-Punk, „Asexual Wellbeing“ ist ein „Sexual Healing“ für Menschen, denen Sex ein bisschen egal ist, im kurzen Flimmern von „Mother Nature’s Bitch“ entdeckt Okay Kaya gar, dass „the whole world“ ihr „daddy“ ist.

Das ist geil, glaubwürdig wird „Watch This Liquid …“ freilich aber erst gerade durch seine Leerläufe. Das lässt Wilkins zweites Album nicht zum überragenden Meisterwerk werden, dafür zu einer empathisch-sympathischen Darstellung von Geisteszuständen, die sonst entweder verschwiegen oder cartoonisiert werden. Und erinnert so an die gegenwärtige Tendenz von Literatur bis Instagram, leise Stimmen, die verfremdet von sich erzählen, hörbar zu machen: Okay Kaya ist die Ocean Vuong der akustischen Pop-Essayistik!


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