Orbital Monsters Exist


Believe/Soulfood

Länger als vier Jahre halten es die Brüder Phil und Paul Hartnoll nicht ohne einander aus: Nach 15 Jahren lösten die Techno-Pioniere ihr Gespann Orbital 2004 auf, nur um bereits 2008 zurückzukehren. Es folgte das achselzuckend aufgenommene Comebackalbum WONKY 2012 und die erneute Trennung 2014. Bereits im Juni 2017 kam es allerdings zu Reunion-Shows, denen nun wieder ein Album folgt. MONSTERS EXIST ist geradliniger geraten als der unentschlossene Vorgänger, beschäftigt sich, wie der Titel schon andeutet, mit dem ganzen aktuellen Wahnsinn der Welt, klingt aber mindestens 20 Jahre alt. Das ist nicht verkehrt, schufen die grünpolitischen Gebrüder doch damals Großwerke wie SNIVILISATION und IN SIDES.

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Der das Album eröffnende Titeltrack führt mit den typischen Sounds zurück in diese Ära, folgt klassischer Popstruktur und gipfelt so immer wieder in einem hymnischen Refrain. „Hoo Hoo Ha Ha“ ist danach vollends aus der Zeit gefallen und in den 90ern gelandet. Mit Schunkelrhythmus und Quietschmelodie eine zwar regelrecht alberne Nummer, aber mit vier Minuten Spielzeit auch die kürzeste. Das folgende „The Raid“ stellt zwar das Gegenteil dazu da, ist mit seiner überzeichneten Albtraumhaftigkeit aber genauso einfältig. Wo sind die vom Cover von SNIVILISATION bekannten Grautöne in dieser Schwarz-Weiß-Malerei? Zum Beispiel im schlingernden „Tiny Foldable Cities“ und dem drückenden „Buried Deep Within“. Zum Abschluss erklärt uns der britische Pop-Physiker Prof. Brian Cox – in den 90ern Keyboarder bei der UK-Synthie-Pop-Band D:Ream („Things Can Only Get Better“) – in „There Will Come A Time“ mit beruhigender Stimme, dass wir alle sterben werden und die Erde auch. Nur Orbital, die eben nicht.

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