Primal Scream Chaosmosis


First International/Ignition/Indigo

von

So standhaft und künstlerisch überzeugend wie die 1982 gegründeten Primal Scream wehrt sich kaum eine Band gegen das Älterwerden. Wo andere mit angehäuften Jahren auf junge Models für die Covergestaltung setzen (siehe etwa Jochen Distelmeyer, zuletzt Suede, Bryan Ferry sowieso) pflanzt sich Mastermind Bobby Gillespie zum dritten Mal nach der Japan-only-Compilation SHOOT SPEED – MORE DIRTY HITS (2004) und MORE LIGHT (2013) mitten ins bunte Geschehen.

Das kann man schon verstehen, schließlich ist Gillespie, 53, nach der Rückkehr seines Bassisten Mani zu den Stone Roses („You can’t ride two bikes with one arse“ lautete seine Begründung für den Split von Scream) das einzige mit Wiedererkennungswert ausgestattete Gesicht der Gruppe. Und doch spielt ein junges Model eine wichtige Rolle auf Primal Screams elfter Platte: Sky Ferreira ist auf der Synthie-Pop-Single „Where The Light Gets In“ zu hören und kündigte das Album per Trailer auf Instagram an.

Passt ja, denn auch CHAOSMOSIS klingt wieder nicht wie ein Alterswerk. Nur einmal blicken die Schotten hier auf ihre Vergangenheit zurück – unglücklicherweise gleich am Anfang, was auf eine falsche Fährte lenkt: „Trippin’ On Your Love“ führt mit seinem Rave-Piano-Motiv zurück in den Ecstasy-geschwängerten „Second Summer Of Love“ 1989, der 1991 sein Denkmal mit SCREAMADELICA bekam.

Der Rest resultiert beispielsweise in einer stampfenden Kreuzung aus New Order und den Sisters Of Mercy („100 % Or Nothing“), einer Chill-out-Version von „Do It Again“ von den Chemical Brothers namens „I Can Change“. „When The Blackout Meets The Fallout“ gemahnt an den elektronischen 2000er-Frontalangriff der Band, XTRMNTR, und der Synthie-Pop von „Carnival Of Fools“ soll bitte ein später Hit für diesen ewig nachhallenden Urschrei werden.


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