Psaiko.Dino #Hangster


Chimperator/Sony Music

von

„Wer ist dieser Hobbit da neben dem Panda. Wie ein Mann aussehen geht anders“, rappt Sido auf dem Intro von #HANGSTER. „Zwei MCs, die nicht zusammenpassen, auf einem Track. Was für ein Scheißkonzept!“, rappt Weekend dann auf dem Outro des Albums. Damit ist der Rahmen dieser Platte kokett, aber trefflich abgesteckt.

Psaiko.Dino – DJ und kongenialer Kreativdirektor von Cro sowie im Nebenberuf Social-Media-Selbstdarstellungswunder – hat auf eigene Rechnung ein Produzentenalbum aufgenommen, auf dem er seine Leidenschaften mustergültig zusammenführt: heiterer Raop, wie er von seinem maskierten Kumpel Cro zur Meisterschaft geführt wurde, gemischt mit hartem Straßenrap und inszeniert nach den Gepflogenheiten einer sensationstollen Szene mit kollektivem ADHS.

Hipster + Gangster + Twitter = #HANGSTER. Verstehste? Die Hauptattraktion dieses Albums ist denn auch das Zweikönigstreffen von Cro und Haftbefehl. Zu einem waaahnsinnig entspannten G- Funk-Groove rollen die beiden ungleichen Herrscher des Deutschrap mit „8 km/h“ in ihren Luxuskarossen vor und nehmen den Nörglern damit schon prophylaktisch den Sturm der Entrüstung aus den Segeln: Labert ihr ruhig, uns doch egal, wir kommen in der G-Klasse im AMG. Kann man so machen.

Weitere Höhepunkte auf #HANGSTER: Bartek von den Orsons und Palina Rojinski verhöhnen in einer Diskothek aufdringliche Nervensägen. Patrice singt seine ersten eigenen Zeilen in deutscher Sprache. Der mysteriöse Heidelberger Formverweigerer Muso rappt mit dem stets zwischen Genie und Irrsinn schwankenden J-Luv. Und Celo & Abdi erweisen sich einmal mehr als brillante Alltagschronisten, wenn sie gemeinsam mit Sam aus dem Chimperator-Camp versuchen, mit Klischees aufräumen: „Der erste Blick sagt uns nichts“. Ein zeitloses Album? Ein Klassiker? Vermutlich nicht. Jetzt im Moment aber: #hartamgewinnen.


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