Rev Magnetic  Versus Universe 


Rock Action/PIAS/Rough Trade (VÖ: 10.5.)

Man hatte befürchten müssen, Luke Sutherland entwickele sich in die Position eines verloren gegangenen Genies. Mitte der 90er-Jahre hatte er die schottische Postrockband Long Fin Killie angeführt und veröffentlichte mit der Gruppe auf dem Label Too Pure drei atemberaubende Alben, die Noise, Mathrock, Pop und (später) Trip-Hop zusammendachten. Vor allem das Debütalbum HOUDINI ist ein Meisterwerk, wer es noch findet, sollte sofort zugreifen.

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Nach dem Ende der Band gründete Sutherland das elektronische Projekt Bows und veröffentlichte drei Romane, von denen vor allem „Venus As A Boy“ (2004) heraussticht: Der Autor erzählt darin von seiner Kindheit auf den abgelegenen Orkney-Inseln vor der Nordküste Schottlands, wo er der einzige Junge mit schwarzer Hautfarbe war, wobei seine früh entdeckte Homosexualität das Gefühl, in dieser engen Gemeinschaft der Insulaner nicht am richtigen Ort zu sein, noch verstärkte.

Diese Großtaten sind schon einige Jahre her, seitdem trat Sutherland noch als Musiker für Mogwai in Erscheinung, ansonsten herrschte jedoch Funkstille. Diese ist nun beendet: Rev Magnetic heißt seine neue Band, und Luke Sutherland gönnt sich noch mehr Freiheiten als früher mit Long Fin Killie. „A Minotaur’s Mass“ heißt das  neoklassisch-kosmische Auftaktstück, es klingt wie die  Theatermusik zu einem Drama in unseren verträumten Köpfen. „At The Mercy Of Fabulous Thoughts“ erinnert an den Artpop der Dänen Efterklang oder an Broken Social Scene im Ambient-Modus. „Daughter Of Astronauts“ ist so verspult-jenseitig und das Schlagzeug so kauzig verdreht, dass einem die experimentellen Songs des letzten Albums von My Bloody Valentine in den Sinn kommen.

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Durch die Experimente und ausschweifenden Arrangements wirkt VERSUS UNIVERSE wie ein Album ohne Start- und Endpunkt, jedoch voller Höhepunkte: Der Chor auf „Palaces“ lässt einen nicht mehr los, und wenn gegen Ende von „Woodland Sorority Carwash“ Holzbläser und allerhand Glocken zu hören sind, entsteht der tröstliche Gedanke, dass Luke Sutherland recht gut verstanden hat, wie Mark Hollis Musik gemeint hat. 

„Versus Universe“ von Rev Magnetic im Stream hören:


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