Richard King How Soon Is Now? 


Faber & Faber

von

Mit ihrem Album 21 brachte Adele 2011 fast alleine die Tonträgerindustrie wieder auf die Beine. Dass das Indie-Label XL Records die meistverkaufte Platte der vergangenen Jahre veröffentlicht hat, wäre ein schöner Epilog für dieses Buch, das die wichtigsten unabhängigen Plattenfirmen Großbritanniens porträtiert. XL-Chef Richard Russell wird darin als „a lot more corporate than these major people“ beschrieben. Er sei ehrlich in seinem Wunsch, vor allem Platten zu verkaufen.

Gründerfiguren wie Geoff Travis (Rough Trade) oder Alan McGee (Creation) wollten das sicher auch, aber daneben verbreiteten sie Musik, die sonst vielleicht ungehört geblieben wäre. Richard King erzählt aber auch von weniger weltberühmt gewordenen Labels wie él oder Blast First. Das Buch ist bei aller Ausführlichkeit (über 600 Seiten) ein Kompromiss – jeder wird über bestimmte Labels mehr wissen wollen, bei anderen findet man ein paar Details zuviel über die Zwistigkeiten in improvisierten Büroräumen. Doch es zeigt überzeugend, dass diese Epoche weit weniger großartige Musik herausgebracht hätte ohne den Einsatz der exzentrischen Einzelnen mit ihren Independent-Labels.


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