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Album der Woche

Shabaka & The Ancestors We Are Sent Here By History


Impulse!/Universal (VÖ: 13.3.)

von

Die Aufnahmen, die Shabaka Hutchings mit südafrikanischen Musikern 2015 machte und später unter dem Titel WISDOM OF ELDERS veröffentlichte, beschrieben wohl den größten kontextuellen Sprung, den der prophetische Tenorsaxofonist und Klarinettist aus seiner heimatlichen Jazz-Szene in London bis dahin getätigt hatte. Auf dem Album konnte Hutchings seine Free- und Spiritual-Jazz-Expeditionen in einer anderen historisch gewachsenen Musiksprache, einem von den Folgen der Apartheid geprägten kulturellen Umfeld erproben.

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WE ARE SENT HERE BY HISTORY nimmt diese Erfahrungen wie selbstverständlich auf und schlägt einen noch weiteren Bogen. Die elf Tracks kommen einer Liebkosung von Sound und Vision gleich, die sich über Zeiten und Entstehungsorte hinwegsetzt, die sechsköpfige Band formuliert so etwas wie eine aktuelle Verfassung des Spiritual Jazz. Diese Musik erwächst aus den Polyrhythmen, die die beiden Drummer im Zusammenspiel Track für Track entwickeln, gepaart mit den „Geschichten“, die Tenor- und Altsaxofon in Sessions erzählen, die live entstanden sein könnten.

Shabaka And The Ancestors – The Coming Of The Strange Ones (Visualizer) auf YouTube ansehen

Mal schweben die Melodien, von Keyboards flankiert, mal reißt das Piano wie in „You’ve Been Called“ Klang in Splitter – ein Besuch im Inneren der Spacemaschine, die Sun Ra einst angeworfen hat. Mit den Worten von Siyabonga Mthembu kommen die Afrofuturisten in der Gegenwart an: „We are here on history’s call“. WE ARE SENT HERE BY HISTORY ist auch ein narratives Album geworden, mit all den Meditationen über die Spezies Mensch und den Krieg, der unseren Seelen in diesem System gemacht wird.

Shabaka And The Ancestors – Go My Heart, Go To Heaven auf YouTube ansehen

Shabakas Ancestors erobern in einem fulminanten Sound-Strudel jene Haltung, die dem Jazz schon verloren gegangen zu sein schien: Es geht um Musik als Kraft des Aufbegehrens. Musik, die aber auch bereit ist, uns herzlich zu umarmen, den Weg ins Licht zu weisen. Ein Song erinnert an die Aufnahmen, die Bea Benjamin mit Dollar Brand Mitte der 1970er gemacht hat, schöner kann man das kaum in Sound setzen, kaum sagen: „Go My Heart, Go To Heaven“.

WE ARE SENT HERE BY HISTORY im Stream hören:

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